May. 4th, 2012


[info]not_really_goth

Neuorganisation

Wie angekündigt, hat sich Einiges verändert.

Alte Einträge wurden hierher verschoben, die das Themenspektrum erweitern (ich hab keinen Einfluß auf die Reihenfolge/automatisch durch LiveJournal); außer Dinge, die einfach besser abgedeckt sind auf der Website.

Das Profil ist ebenfalls angepaßt & erweitert.

Ich hoffe, es gefällt Ihnen/Euch. :)

Feedback

Dec. 20th, 2008


[info]not_really_goth

Kinderschänderprozesse als politische Waffe?

das ist ein alter Text von Mitte letzten Jahres (2007). wenn Du völlig überarbeitet bist, gibt es diesen Punkt, wo Du Dir Vorwürfe machst bzgl. etwas wofür Du nichts kannst. Du routierst vor Engagement, weil es zuwenig wie Dich gibt, die sich noch einsetzen, und das macht eben depressiv. - so ist dieser Text entstanden, als Selbstvergewisserung, ob mich Schuld träfe.


Zweifel bzgl. mancher Sexualstraftäterprozesse

Am Anfang waren da diese Diskussionen, wie sie immer aufkommen, wenn spinnerte Leute eine Gendatei für alle männlichen Wesen dieser Welt fordern: um Sexualstraftätern, die angeblich massenhaft in deutschen Landen zu finden seien, das Handwerk zu legen. ...und die Augen der Verfechter leuchteten, sodaß Dir bewußt wurde: es gab ihnen scheint's etwas im grauen Alltag.

Die Konzeption wurde in der Augsburger Studentenszene diskutiert: Darunter bornierte Typen mit ihren aufstiegskompatibel angepaßten Meinungen einerseits, und daneben 'urdemokratisch' gesinnte Seelen, jenes Häuflein Elend, das sich 'Untergrund' schimpft. Dort verspürten die Leute Unwohlsein angesichts der Tatsache, daß über eine mögliche Manipulation der zentralen Gendatenbank jeder Politiker oder Menschenrechtsaktivist beliebig 'rufgemordet' werden könne. Allein der Vorwurf in Richtung Freizügigkeit reiche aus, so die Meinung, um einen Politiker schwer zu beschädigen (vgl. Bill Clinton).

In der Tat ein realistisches Szenario, denn kann sich angesichts der heutigen Gleichgültigkeit von Menschen, wer sie denn regiere (solange sie eben ihre Schnäppchenkäufe machen könnten), ein Politiker heute noch öffentlich zu Wehr setzen gegen z.B. Verleumdungen? Dazu kam, was über den Zustand der Justiz nach deren aufwandsminimierender 'Umstrukturierung' mancherorts bekannt wurde.

In diese Diskussion trat nun der Fall des Studenten X, der verurteilt worden war als vermeintlicher Kinderschänder. Das Problem an solchen Sachen ist: man kennt die Leute vom Sehn her, und wir alle spürten irgend, wie es ist, wenn Du für Dich gern sagen würdest 'Hier wurde wohl halt Recht gesprochen, und ich will nichts mit solchen Leuten zu tun haben!', Du also die Dinge abkürzen willst. - Aber man kannte diese Type eben, und wußte, daß er niemals zu so etwas in der Lage wäre...

Du begannst etwas recht Unschönes zu ahnen, was Du Dich nicht zu behaupten trauen würdest, aber jeder fühlte: wird durch zweifelhafte Urteile und eine entsprechende Verfälschung von Statistiken der Öffentlichkeit ein falscher Bedrohungsgrad bzgl. Sexualstraftaten vorgespiegelt, und darüber Politik gemacht? Mein Text hier möchte nur Besorgnisse insbesondere nicht weniger Augsburger nüchtern wiedergeben.


'das perfekte Opfer'?

X wohnte in einem Vorstadtviertel, und war aus heutiger Sicht ein Sonderling, früher hätte man gesagt 'PC-Freak', aber heute ist alles 'irgendwie anders'. Hornbrille, etwas korpulent und meistens bieder gekleidet. Er schien eine harte Erziehung gehabt zu haben. Der Schluß lag nahe, weil er zu furchtbarem Skeptizismus tendierte: gegen alles gab es Argumente, er nahm sich bei Konflikten so selbst die Möglichkeit, sich zu wehren, war furchtbar selbststreng, so schien es.

Aber keine schlechte Type! Er sah gern traurige Filme wie Lilja 4-ever, die Bitterkeit des Lebens illustrierend. Ebenwelche Menschen, wie er einmal sagte, entsprechend im Gesicht zeichneten, und im Urteil ihrer Zeitgenossen schwächten. Es sei eben ein Unterschied zwischen einem Intellektuellengesicht und dem eines unbeteiligten Schwärmgeistes. Sowas war wunderbar, ich meine: ist selten in der Brühe aufstiegsnotgeiler Studenten heute. Aber anfreunden konnte man sich nicht mit ihm, es blieb irgendwie distanziert.

Irgendwann ließ er raus, daß gegen ihn wegen Kindesmißbrauchs oder sowas Ähnlichem ermittelt werde, keine Ahnung mehr was genau. Aber im Prinzip wußten seine Mitstudenten längst, daß irgendetwas am Kochen war. Doch erst später redete man drüber, zunächst nicht. Ich zäume das Pferd hier andersrum auf, und schreib, wie es wohl begann.

Also, eines Tages mußte ein Studienfreund von der Fakultät einigermaßen geschockt zusehn, wie die Nachbarn von X ihn (den Besucher) fotografierten, indem sie eine Kamera ans Fenster hielten, dies ohne vorher zu fragen. Was ging hier um Himmels Willen vor sich?! Es muß wohl nicht gesagt werden, daß es schnell sehr still wurde um X, denn offensichtlich drohte hier massiver Nachbarschaftsstreit der unschönen Sorte andre mit reinzuziehn. Und wer kommt schon gern zu Besuch, wo man aus einem selbst nicht bekanntem Grund gegen seinen Willen geknipst wird, und mitunter sonstwas verbreitet?

Hinter diesen Sachen steckte eine Familie, die man, wie die Gerüchtelage war, als recht deutsch im biederen Sinne bezeichnen kann, sehr mißtrauisch und nicht gerade weltoffen, vllt. treue Leser bestimmter Billigzeitungen. Sie schienen Spaß darin zu finden, einen Nachbarn zu 'bespitzeln', und kirre zu machen, bis eins zum andern kommen würde, man sagen konnte er würde sich wie jemand mit Verfolgungswahn verhalten oder daß da jemand wohl was zu verbergen suche?

Zurück zu den Ermittlungen. Als er erstmals davon erzählte, fragten wir natürlich nach, und X sagte, daß er FKKler wär. Es sei für ihn, der nicht so recht in der Lage schien, gut zu leben, wohltuend, Luft an die Haut zu bekommen, mehr in dem Sinn. Nein, die Vorhänge seien absolut blickdicht, sonst würde er dies nicht wagen. Und er meine, daß bei angelehntem Fenster mit geschlossenem Vorhang jemand hinter diesen gespitzelt hätte.

Nun muß man X nicht groß kennen, um zu wissen, daß er etwas tolpatschig ist. Andrerseits ist das Stadtviertel ein besonderes Exemplar deutscher Stoffeligkeit, und es soll ja vorkommen, daß Leute sich dafür interessieren, was da vorgeht wenn tagsüber Vorhänge zugezogen sind.

Wie dem auch sei, warum ich darüber schreibe: es kam nun unter Studenten zu einer Diskussion über bürgerliche Freiheiten, abends, beim Grillen im Siebentischwald.

Meine Position dazu sah so aus, daß wir in Bayern sind, und hier könne sowas nur an FKK Stränden ausgelebt werden, er sei selber nicht unschuldig am Geschehnen. Ich sah mit dieser Meinung nicht gut aus, fair wars auch nicht. Die anderen, die drüber diskutierten, sprachen davon, daß es eine bürgerliche Freiheit sei, in der eigenen Wohnung (etwa nach dem Duschen) nackt herumzulaufen, sofern (1) es niemand sähe, und (2) sollte es ein dummes Versehen geben, das einem nicht auffiele: man müsse eben darauf hingewiesen werden. Hieran machten die Leute eine Argumentation fest, gegen die ich mit meiner fundamentalen nichts ausrichten konnte: Wir hätten in Deutschland durch den teils unverantwortlichen Medienhype rund um Massenmörder und Sexualstraftäter (wie man es auch nennen mag: Bösewichte, Sündenböcke...) eine Situation, wo jemand eben nicht hingewiesen würde, sondern sich schnell ein Gerücht ans nächste reihe, bis derjenige förmlich fertiggemacht sei. Da genüge bereits, anders auszusehn.

Als er schließlich verurteilt war, fragten wir X, wie es dazu gekommen sei: eben nach der Beweislage und Situation im Gericht. Er sagte, nicht gut in Rechtssachen zu sein. Was wir ihm alle abkauften, denn er ist der Alptraum eines jeden Strafverteidigers, der genau zur Unzeit, deutschkonservativ wie er war, auf Prinzipien des Grundgesetzes pocht, das eh keinen mehr interessiert, und Leute höchstens dem Obstruktionsvorwurf aussetzt, Tricks zu versuchen vor Gericht. Es gibt hier Richter, die das Klägern standardmäßig überbügeln, was die Sachen abkürzen hilft. Sein Verteidiger sei ihm ständig 'in den Rücken gefallen' (oder besser gesagt: mußte allein wegen des Themas Angst um seinen Ruf haben, und der ist wichtig für Anwälte vor Ort). Verurteilt worden sei er aber wegen einer Türszene, die Schlüsselfunktion der Beweisführung gehabt habe: Der Richter hätte ein Kind gefragt, was man habe sehn können. Dann hätte das Kind gelacht, was dem Gericht 'schnell' genügte.

Es ist nun immer so eine Sache mit Darstellungen Verurteilter, Du kannst ihnen nicht vertrauen. Hier aber eigentlich war's nun auch egal, weil es unsere Haltung nicht änderte. Man kann nahelegen, daß da mehr anlag: oder auch nicht. Aber daß sich X jemals Kindern gegenüber nackt gezeigt habe, das ist ausgeschlossen, viel zu gewissenhaft bravdeutsch anständig. Er war vielleicht ein Tolpatsch zuweilen, ja. Allein worin wir übereinstimmten, und für das Entstehn dieses Texts ausschlaggebend ist: die Öffentlichkeit gerade bestimmter Stadtviertel (jenes ist sehr arm, einfache Leute, die sich höchstens über Boulevardblätter und irgendwelchen Gerüchten nach bilden) ist durch die kommerzielle Ausschlachtung von Sexualprozessen dermaßen 'präpariert', daß folgendes Szenario möglich ist: Ein Student sei also FKKler, eine neugierige Nachbarin späht mit Fernstecher ins Zimmer, vielleicht sieht sie auch nicht richtig hin oder erfindet was. Daraufhin verbreitet sie die Kunde. Eine Sache schlägt Purzelbäume, und jeder hat sein gefundenes Fressen des Spottes, etwas das sich im sinnentleerten Alltag ins Handy reden läßt, als spannendes Feature zieren/sie als Handelnde ins Spiel bringen könnte. Das Opfer ist von vornherein erledigt, und ob vor Gericht seitens Zeugen wirklich die Wahrheit noch eine Rolle spielt (so ungebildete Leute überhaupt wissen, was das ist), sei einmal dahingestellt. Verglichen mit dem, was sich Hiphopper in der Öffentlichkeit erlauben dürfen, hat sich X, egal was war, wohl überhaupt nichts zu schulden kommen lassen. Und mußte für das Fehlverhalten anderer bluten, die ignorierten Perversionen einer kranken Gesellschaft?

Was Richter und Staatsanwalt betrifft, muß man sehr vorsichtig sein. Denn so ein Beschuldigter ist ein Alptraum auch ihres Berufsstands, und haben sie wirklich eine Chance gehabt, anders zu urteilen? Denn es werden freilich ausreichend 'Zeugen' dagewesen sein, die sicher irgendwas gesehn zu haben angaben.

Doch worauf die Kritik der Studenten hinauslief, war diese gefährliche Eigendynamik: es brauche gerade einmal eine Gerüchteküche, um jemanden zu erledigen. Und, um auf die geforderte Gendatenbank zurückzukommen: man wisse, daß manche Polizisten (der aktionistische Schlag beklemmender Attitüden), gern der Wahrheit, an die sie glauben, mitunter etwas nachhelfen. In Deutschland dringt kaum was nach außen, vllt. grad weil es keine 'Internal Affairs' Abteilungen gibt. Während in den USA etliche Fälle bekannt sind, wo sogar DNA-Proben etwa gezielt in Wohnungen von Beschuldigten angebracht wurden. Also ein sehr heißes Thema, und ich hoffe, durch diesen kleinen Text anhand des einzigen Beispiels, das in unserer Szene diskutiert war, ein wenig die Problematik aufgezeigt zu haben, wenngleich ich nicht zufrieden bin mit der Auswahlmöglichkeit des Subjekts. Sagen wir, daß es angenehmere Beispiele geben mag als die eines Studenten, der wirklich vom Äußeren her gesehn die perfekte Besetzung für einen Film wär, wenngleich letztlich nur anders aussieht. Typen die man früher vielleicht in Rüstungsunternehmen oder bei der Bundeswehr vermutet hätte, und heute heißt das 'irgendwie komisch'.

Sie werden vllt. fragen, was aus dem armen Tropf geworden ist. Viel haben wir nicht erfahren. Auf gerichtliche Anordnung wurde er gezwungen, ein Medikament (Testosteronblocker) zu nehmen, und er hatte nun seinen Eintrag in den berüchtigten Listen für Sexualstraftäter, die Proleten unseres Landes soviel geben. Darüber kam er, der grundordentliche Deutsche wie er sich gab und wohl auch im tiefsten Innersten war, nicht hinweg. Er nervte uns alle mit irgendwann nurnoch verbitterten Tiraden, niemand wollte sich das anhören. Jeder gutgemeinte Tip, er solle sich an Bürgerrechtsgruppen und Betroffenenvereinigungen wenden oder sowas mit aufbaun, wurde von ihm niedergemacht: er glaube nicht daran, daß Desgleichen erfolgreich sein könne, aber er wollte Recht für sich, trotzige Anspruchshaltung, die vielleicht auch notwendig ist, nur andere eben abstößt. Das wäre nun kein Problem, wenn Du nicht dieses unwohle Gefühl hättest, daß hier evtl. von irgendwelchen Ratschtanten dieses Stadtviertels ein Leben kaputtgemacht wurde.

_________________
PS: Ein Jahr nach Niederschrift dieses Texts hab ich mittlerweile über die Schiene fertiggemachte Leute aus dem Menschenrechtssektor kennengelernt. Ich mußte hören davon, daß sie gebrandmarkt wurden auf die Weise. Wenn gegen sie eine Hausdurchsuchung unter einer anderen Beschuldigung angeordnet wurde, und dabei von Polizisten 'zufällig gerade eben aufgerufene' Kinderpornobildchen gefunden (oder anders gesagt: bei der HD auf die Festplatte gespielt?). Es herrscht ein Klima der Angst unter den Engagierten, denn gegen den Vorwurf kann sich niemand wehren. Und wieder hab ich mich distanziert. Dabei festgestellt, daß es manchmal nicht anders geht. Denn ich kann mir keinen Kontakt zu Leuten leisten, die sowas am Hals haben. Ich habe auch kein Verständnis dafür, daß sie Dritten Hoffnungen machen, noch etwas für Menschenrechte durchsetzen zu können. Wer wegen Desgleichen verurteilt ist, muß das erstmal anfechten, weil er sonst jeden, der mit ihm zusammenarbeitet, dem Risiko von Ermittlungen aussetzt. Manche Lokaljournalisten unterstellen zuweilen schnell einen Kinderpornoring, genauso wie sie irgendwo Umschlagplätze für Drogen wittern, und der Hefe zum Fraß vorwerfen. Aber das wäre ein anderes Thema.

Dec. 21st, 2007


[info]not_really_goth

Go on and save yourself / and take it out on me [Generationentext für Teile der 70s-Jahrgänge]

http://not-really-goth.livejournal.com/55174.html
http://not-really-goth.livejournal.com/54975.html
http://not-really-goth.livejournal.com/55472.html

May. 1st, 2008


[info]not_really_goth

die versteckte Internetzensur

Kriminalisierte Spielwiese

Das deutsche Internet war in den 90s lange ein friedlicher Ort, wo sich Menschen austauschten, und liebevoll kleine Homepages programmierten. Sie wurden damals gesehen als das, was sie wohl auch waren, und bis heute meist noch sind: Eine (sicher nicht breitenwirksame) technische und konzeptionelle Spielwiese.

Dann kamen Personen, die sich mit dem Internet für ihre Laufbahnen teils krampfhaft profilierten. Zum Beispiel Politreferenten, welche überakzentuierend eine strikte staatliche Kontrolle forderten, um sich irgendwelche politische Unterstützung zu sichern. Legitimiert wurde das teils von diversen Computerzeitschriften (vgl. reißerische Headlines wie 'Millionen Alben/DVDs saugen!'): Sie veränderten die Wahrnehmung des Mediums, übertrieben Mißbrauchspotenzial = Bedarf staatlicher Kontrolle -> während sie selbst zwecks Auflagensteigerung beliebig gegen geltendes Recht verstießen. :))


Callcenter & Mahnanwälte

Zeitgleich gab es eine ähnliche Erscheinung woanders (Exkurs): Seit den späten 90s preiskämpften regionale Billigdienstleister den Servicestandard etwa für Telekommunikation bundesweit ins Bodenlose, mit starkem Rückhalt durch Politiker, die über kurzfristige Lohndumpingjobs nebst 'New Economy' Erfolgsstories argumentierten und so Wahlen entschieden, wie es heute üblich ist. *:\ [Handy]

Der Staat schien durch sie gelähmt in seinen Versuchen, fairen Wettbewerb und Ordnung wiederherzustellen. Als nun gesunkener Allgemeinbildung wegen assig gierigen Kunden egal wurde, was sie unterschrieben, führten in diesem Licht zehntausende an sich ja berechtigte Verbraucherklagen andrer letztlich nur zu einer chronischen Überlastung der Justiz, und veränderten ebenfalls die Wahrnehmung: Mahnanwälte entsprächen dem gewandelten Rechtsempfinden & wirkten durch 'Versachlichung' stabilitätssichernd. 0:)

Indem das deutsche Internet gegen Ende der 90er überflutete mit dem Alltagsunmut einer zunehmend kranken Gesellschaft (wie es zumindest von einer Mehrzahl der Menschen in unserem Land gesehen wird), lief all dies dann zusammen in eine gefährliche Tendenz, welche von vielen kleinen Webmastern wie auch Hosts als 'förmliche Zensur' wahrgenommen wurde. Im Web Publizierende sahen sich mit einer Welle von Cyber-Terror (Pöbeleien) ungebildeter Mitbürger auf der einen, sowie daneben teils denunziativ an den Staat appellierenden Abmahnungen dubioser Rechtsanwälte überzogen. Die Voraussetzung für beides war ein Internetrecht, das befremdlicher Weise bis heute nur ungenügend Schutz gewährt, und den Eindruck erweckte, juristische Angriffsflächen erst gezielt zu schaffen.


Zensurkampagne der Politiker gegen das Internet

Um in einem brandneuen vernetzten Medium, wie es das Internet war, Rechtssicherheit zu geben, ist an sich nicht viel nötig, da es lediglich einer Übertragung bestehender Gesetze bedarf. Geschieht dies jahrelang nur unter abstrusen Verrenkungen, so drängt sich der Eindruck indirekter Zensur auf. Man verursacht Chaos, um ebendas freien Medien dann vorzuwerfen - die Masche war im Printbereich schon erfolgreich, um den teils zu zensieren. Hier nun wurden die moderaten Webmaster verscheucht und das Netz vollgepumpt mit Haß aus der Medienkloake.

Ja, wie einfach eine ausreichende Gesetzgebung wäre, einmal flüchtig skizziert: Das Internet ist, von der Verlinkung abgesehn, am ehesten vergleichbar mit einer Zeitung. Daß Geschäfte im Sinne des Verbraucherschutzes online Impressum und AGBs preisgeben müssen, ist selbstverständlich. Abzugrenzen davon sind Privatpersonen (über deren Announce mitunter Werbung steht, die aber schon eigens ausgewiesen ist). Hier braucht es doch nur eine Übertragung der Bestimmungen, die für Zeitungsannouncen gelten: der Redaktion (vgl. 'dem Webhost') liegt die Adresse vor, somit ist allen Seiten, inklusive dem Staat, Genüge geleistet, ohne daß ein Individuum etwa Belästigungen in der Privatsphäre befürchten muß (siehe Chiffre/Kontaktanzeigen). Daneben gibt es dann noch den Bereich privater Aktivität, aber auch schon geregelt, denn sobald jemand professionell (mit der Absicht, durch seine Publikation Gewinn oder einen Lebensunterhalt zu erwirtschaften) tätig ist, muß er eben alle für Geschäfte geltenden Auflagen erfüllen. Mit der Ausnahme, daß die Wohnadresse etwa von Politikern, Journalisten und Buchautoren vertraulich bleibt (wegen persönlicher Sicherheit). Als letzter Punkt: natürlich muß dem Jugendschutz Rechnung getragen werden, d.h. Seiten müssen sich ggf. kennzeichnen, sodaß Kinderfilter korrekt anspringen bei möglicherweise jugendgefährdendem Inhalt. Das war's. Was soll daran bitte so schwer sein?


Webmaster einschüchtern

Gleichen Sie das mit der Realität ab, sieht es nicht gut aus. Neben höchst widersprüchlichen Urteilen zum Jugendschutz gibt es weitere entscheidende Punkte, wo bis dato Unklarheiten bestehen:

Die Pflicht zur Angabe der Adresse hängt von der Feststellung einer 'Geschäftsmäßigkeit' ab. Diese ist im deutschen Recht jedoch nicht klar definiert, sondern stützt sich jeweils auf Auslegung diverser Grundsatzurteile. Daneben bestehn ähnliche Auflagen für 'redaktionelle' Inhalte, ebenfalls ausbleibender Definition. Das bedeutet, daß z.B. Internetaktivisten, oder Privatpersonen mit politisch wirksamen Blogs, über diese Schiene angegriffen werden können: Geben sie, sofern sie kein Büro unterhalten, ihre Wohnanschrift nicht preis, ist es möglich, daß sie mit Abmahnungen und anwerfenden Klagen überzogen werden, bis sie finanziell zermürbt ihre Publikation aus dem Netz nehmen. Noch immer fehlt der eigentlich mit Prio #1 gegebene Abgleich von Internetrecht und Verfassungskern, insbesondere bzgl. des Datenschutzes. So ist es unerklärlich, daß generell jede Wohnanschrift von Domains registrierenden Privatpersonen über die entsprechende Abfrage der Denic öffentlich für jedermann recherchierbar ist. Es hilft dabei wenig, daß der dort in ihren FAQ zitierte Bundesdatenschutzbeauftragte dies für unproblematisch hält:

Sollte ein Massenmörder sich seine Opfer über Photos privater Homepages 'zusammenstellen': die Suchfunktion auf der Denic-Website kredenzt ihm deren Wohnanschrift großzügig frei Haus... Im Gegensatz zu Telefonbüchern gibt es keine Möglichkeit, sich der Abfrage zu entziehn, außer eben keine Domain zu beantragen. Daß nun die meisten Webspaceprovider heute dem Hosting das Registrieren einer solchen zugrundelegen, und der Besitz einer Domain entscheidender Faktor für Besucherzahlen und Seitenerfolg ist, spricht eine klare Sprache in Richtung Zensur. Der Staat als System nun hat kein plausibles Interesse, kleine Seiten zu hindern, Kritik z.B. an gesellschaftlichen Verfallserscheinungen wie Korruption oder Extremismus zu publizieren, da dies stabilitätssichernd wirken würde. Einzig große Parteien jedoch haben ein Motiv, indem ihre ausgeprägte Machtfülle sich legitimiert gerade im Anspruch, sie allein wirkten als Bollwerk gegen Extremismus: natürlich haben diese Parteien etwas gegen ehrlichere Konkurrenz aus dem Internet...

Wie dem auch immer sei, die legalen Risiken besorgten viele moderate Homepagebesitzer dermaßen, daß sie sich zurückzogen (und das Internet mangels gemäßigter Stimmen der Öffentlichkeit extrem anzumuten beginnt). Denn wer gibt schon gerne neben seinen kritischen Tönen gegenüber radikalen Neonazi- bzw. Autonomendemos seine Wohnadresse preis, um im schlimmsten Fall 'vermöbelt' zu werden?


Wem nutzt es? das an sich klare Motiv

Jene Shortcomings sind um so unverständlicher, als gleichzeitig Festplattenverschlüsselung und diverse Anonymisierungswerkzeuge noch immer nicht illegal, sowie jedem mehr oder weniger frei verfügbar sind. Die Folge ist, daß Homepagebetreiber nicht verfolgbarem Cyberterror ausgesetzt sein können, und mitunter derartige Wunden davontragen, daß ihre Publikationen radikal und damit wiederum anfechtbar werden. Indem der für den Erhalt des freiheitlichen Systems der Bundesrepublik sensible Bürgerrechtssektor 15 Jahre seit Bestehen des Internets noch immer dergestalt gefährdet ist, während im Abgleich damit die Auflagen für private Webseiten geradezu absichtsvoll überzogen erscheinen, impliziert es den Eindruck, dies gestalte sich mitunter bewußt so, um 'Konkurrenz' aus den Reihen der Bürgerrechtsbewegung gezielt auszubremsen (vgl. die Kritik von Altbundespräsident Richard von Weizsäcker an systemgefährdender Macht großer Parteien).


Was es bedeutet

Heute findest Du im Netz Seiten von minderjährigen Teenagern, die auf ihnen in entsprechend dem Thema teils sehr intimen Darstellungen familiären Kindesmißbrauch verarbeiten: und vor Sorge, von Dritten abgemahnt zu werden, ihre komplette Adresse angeben. Kann's das wirklich sein?

Für Aktivisten ist es mitunter noch übler: egal wie sie im Falle der Abmahnung oder des Vorgriffs auf eine solche ihre Homepages gestalten, sie geraten durch die gegebenen Umstände fast zwangsläufig in Gegensatz zum Staat, müssen förmlich erscheinen als 'Unruhestifter'. - Denn sämtliche einschlägigen Begriffe werden von der Öffentlichkeit traditionell als 'systemkritisch' wahrgenommen. Wer von "Zensur" spricht steht doch wohl außerhalb des Systems und so Leute läßt das doch verhungern, richtig? Die sind doch selber schuld! ;) - während in Wirklichkeit unter diesen Leuten trauriger Weise die wenigen noch für's System kämpfenden Staatstreuen sind.

Hier fehlt es bislang an neutralen oder gelasseneren oder deeskalierenden 'Termini', aber die Haßsuppe gepushter Medien macht das auch unmöglich. Möglichkeiten einer Benennung wären zwar sowas ->

'zensiert' ;) oder: 'indirekte Zensur'

...wobei mehr als fraglich ist, ob Dgl. Zartes noch verstanden würde. So scheint es ja doch geradezu unvermeidlich, daß Homepagebetreiber und Staat entzweit werden. Lachende Dritte sind jene, die aus dem publikationsfeindlichen Klima Profit ziehen. Eigendynamik & verdeckte Zensur, ohne Zweifel politische Gewalt gegen ein friedvolles Medium. Also sollte man doch auch lieber von solcher sprechen.

_______
zweiter Eintrag

Jul. 1st, 2008


[info]not_really_goth

Indie-Homepages unter Druck

Es ist etwas, das Sie als Surfer(in) jeden Tag begleitet, mitunter auch nervt? ->

Viel draußen im Netz ist 'sich und andren was vormachen'. Seiten mit angeblich 'gesellschaftlich wirksamen' Inhalten tun so, als hätten sie zahlreiche Besucher, und man verändere konstruktiv draußen in der Realität. Nicht wenige ihrer Webmaster glauben auch tatsächlich dran. Während die meisten Hits sie selber machen, wenn sie beim Erstellen ihrer Seiten Voransichten laden, oder an ihren Countern ein wenig drehn. %)

Der falsche Eindruck vermengt sich mit Zweckoptimismus, wie bei jedem Geschäft sei der Anfang eben hart, aber es füge sich dann meist eines ins andre, sofern man nur *beliebig* genug werbe. Und auch wenn sie dann kurz später durchaus respektable Besucherzahlen haben mögen: Jene Wahrheit ist doch, daß sich Seiten dieses Typs vor allem gegenseitig stützen und verlinken, weil ihre Inhalte sehr ähnlich sind. Die großen Suchmaschinen positionieren entsprechend der reinen Anzahl von Rücklinks, ohne deren Qualität auszuwerten: Durch recht geringwertige, aber eben zahlreiche Rückverweise Linktausch-verbundener Seiten stauben viele Webmaster Quote unglücklich verirrter Surfer ab, die jedoch nach kurzer Zeit wegklicken. Wirklich bewußte Besucher sind das natürlich nicht. Da nun die Botschaften der Seiten in aller Regel medienpräsente Standards beackern, können sie sich 'erfolgreich' nennen, schwimmen sie schließlich mit dem Strom in Google & Co. gesuchter Begriffe. -

Geklaute Tips, bezeichnete Kompetenzen, Zitate 'wahrer' Macher der Politik und Wirtschaft, etablierte Institutionen verlinkt. :' Das gibt ihnen obendrein eine scheinbare Aura der Kompetenz: Während alternative Informationen, nicht mithalten könnend mit der Quantität abgeschriebenen Standards, untergehn, zumal sie nicht mehr über Suchmaschinen gefunden werden. Der 'Erfolg' ersterer Copycat-Seiten setzt unabhängige Homepages dann wiederum unter unfairen Konkurrenzdruck. :X

*

Natürlich liegt Erfolgsgier in der Natur des Menschen, doch war der eigentliche Gnadenstoß fürs kritische Homepageweb 1.0 nicht eher künstlicher Art? Vor einigen Jahren sorgten Referenten großer Parteien durch den Autoren auferlegten Zwang zur Angabe der Wohnadresse für das Ende kritischer Webseiten in Deutschland und der EU. Denn im Gegensatz zu abgeschriebenen Meinungen ist es durchaus gefährlich für die persönliche Sicherheit oder berufliche Existenz, z.B. linksextreme Demos oder negative Polizeistrukturen zu kritisieren. XP

Daneben sind bereits die zur Absicherung gegen rechtliche Angriffsflächen nötigen Verrenkungen/Klauseln ein übles Depressivum für Leser wie auch Autoren, das Seiten leicht ins Melancholische schweifen läßt und Viele überfordert (oder ihre Freundeskreise 'runterzieht/zu Tode nervt). Man kann Dinge durch bürokratische Regularien und Gesetze, welche hinsichtlich Schlupflöchern geartet sind wie 'Schweizer Käse', auch so verkomplizieren, daß sie allein deswegen scheitern müssen - überzogene Impressums- und Sorgfaltspflichten (auf sämtlichen Seiten "Impressum" oder "Kontakt" bitte gut sichtbar oben, sonst schon Risiko der Abmahnung... ein Verweis auf Wikipedia lädt nicht in einem neuen Fenster, sondern im Frame? - jeder auch noch so abstrus konstruierte Rechtsverstoß kann im Zweifelsfall selbst von unbeteiligten Dritten kostenpflichtig abgemahnt werden, wenn sie was gegen Dich haben) wirken zusammen mit tolerierter Anarchie im Land, die manche Hiphopper-gereizte Justiz jeden nur möglichen Vorwurf hübsch auf böse Webmaster übertragen lassen *könnte* -

sodaß sich besorgte Homepagebetreiber um so mehr grotesk verkünsteln, und dadurch disqualifizieren als furchtbar komplizierte, potenziell psychisch kranke Leute, die doch eh niemand verstehe(n müsse). Nach vielen Stunden Programmieren täglich und diesen furchtbar trockenen Begriffen dann beim Einkaufen konfrontiert mit verantwortungsloser Spaßkultur, welche durch sie provozierte negative Energien ständig in Kommentaren dreist umleitet in Richtung von Außenseitern, die angeblich größenwahnsinnig seien und Streit bräuchten. Der Früchte harter Arbeit beraubt, und die dann noch gegen einen gekehrt sehen müssen mit Kommentaren, man schaue 'eben' nicht gut/betucht aus, was ja irgendwie schon alles sage, daß sowas nichts sei, aber sie selbst eben innovativer... - Indem nun massenweise kritische Webmaster ihre Projekte wegen all dieser widrigen Umstände aus dem Netz zogen, brach den verbliebenen Seiten bald jede Verlinkungsmöglichkeit weg. X: [spider]

Die Vorliebe vieler deutschen Netizens zu obrigkeitlichen Reglementierungsgesten sorgte zudem dafür, daß in Publizistik oder den durchaus anerkannten alternativen Nachschlagewerken wie Wikipedia das Problem nicht verzeichnet wird und sich damit aus der öffentlichen Wahrnehmung entfernt sieht - von mutigen Rechtsanwaltsseiten abgesehn, die aber außer Fachpublikum kaum jemand besucht. Gaben schlechte Homepagequalität und ausfällige Darstellungen der Haßseiten einst zumindest die oberflächliche Legitimation für absichtsvoll verschärfte Gesetze ab, so war ihr einziger Effekt, daß moderaten Seiten mit gesellschaftlicher Wirksamkeit förmlich der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Die Algorithmen der Suchmaschinen lassen geringverlinkte Seiten ins Ranking-Nichts fallen, sie werden nicht mehr gefunden. Was übrig blieb, das waren Dokumentationen nervtötender linker Demos, die sicher manches erzwingen können, aber von der Frage nach dem Sinn dieser Gewalt abgesehn letztlich in ihrer Offensivität nur den großen Parteien Zulauf machen: Indem man das Internet stigmatisierte und die Bürgerrechtsbewegung erfolgreich nach links oder rechts ins Radikale abdrängte, konnte man sich als 'gemäßigt'=kompetent etablieren. 0:)

*

Die Surfer nun haben reagiert durch einen Rückzug ins Private. Gesellschaftskritik ist wegen der Flucht guter Seiten out, der Bereich gilt als tot. Zumal die Wahrscheinlichkeit, sich durchs Aufrufen ekliger Homepages den Tag zu verderben $/§"$% zu groß geworden ist. Einzig die Blogkultur, unter dem Schutz abrißhafter Essays publizierend (flüchtig Niedergeschriebenes entzieht sich der Impressumspflicht, weil kein redaktionelles Editieren unterstellt werden kann - hoffentlich zumindest) bringt noch Kritisches hervor, aber auch das hat in der Masse neuen Materials keine Chance auf Wirksamkeit. Schließlich wird Quote mit abgeschriebenen Medienberichten gemacht: kostenlose News, kopierte Stories und Meinungen, die an menschliche Gier appellieren (bequemes, grobes Urteilen, sich durch Standards sicher fühlen im Leben, billige Unterhaltung und 'Schnäppchen'). *8)_

_______
Zwillingstext: Die versteckte Internetzensur

Mar. 28th, 2010


[info]not_really_goth

Einschätzungen zu politischen Rahmenbedingungen des Verfassungsschutzes in Deutschland

Wer sowas verbreitet -> daß Leute 'fertiggemacht' würden, sollte sich mal drüber im Klaren sein, daß wäre es so wie er annimmt -> ein Streuen solcher Gerüchte ihn selbst zum Verfolgten macht. :ko: :D

Dein Eindruck ist, daß all die Spinner in der Szene eine Situation schufen, die alte Vorurteile bzgl. Liberalen bedient. -

Gegen große Parteien dürfen sie nicht ermitteln, ihr Job ist mithin begrenzt darauf, möglichem 'Extremismus' links oder rechts nachzugehen? Doch was sie dabei tun erzeugt ihn mitunter, eine Eigendynamik. Denn viele drücken durch "gutmeinend realistische" oder melancholische Aussagen, es ändere sich doch eh nichts, Leute runter, sodaß sie erst problematische Äußerungen bieten. Einmal außer Acht gelassen, daß Verzweiflung eine ganze Menge ausgegrenzte Leute in der Tat gefährlich macht und es dann bis zu einem gewissen Grad rechtfertigt -> geht man scheint's doch moderate Typen allzu oft unbewußt so an, daß es unterschwellig naheliegt, in Berichten zu schreiben, man müsse sich abwartend verhalten oder relativieren? Leute die noch verantwortlich handeln -> wollen das beenden helfen - und nicht verrecken, nur weil vor lauter Chaos im Land die Desillusionierung überwiegt, sowas wär' wohl nichts. Während der Staatsschutz selbst über unsere Gegner in extremistischen Gruppen vermeintlich stabilitätssichernd operiert, weil das die Situation erfordere. D.h. er quersubventioniert ungewollt die Hardliner wegen der falschen Analysekriterien aus den 80s, und gegen diese Gelder haben wir keine Chance. -

Komfortabel ist es in keinem Fall. 'Verfassungsschutz' bedeutet in Deutschland dank der Art, wie er von den großen Parteien mißhandelt und festgelegt wurde, für Viele schon -> "Leute, die linke Studenten bespitzeln". Die Verwendung von Informanten an den Schaltstellen linker und rechter Gruppen - wie Bekanntgeworden während der Affäre um den Verbotsantrag der NPD - machte zudem lächerlich: Die Kontakte wurden namentlich publik, eine Katastrophe. Daneben Fälle wie Kirsti Weiß, die aufgeflogenen Billig-Anwerbungen von studentischen Hiwis in Berlin, und Vieles in der Richtung mehr. "Parlamentarische Kontrolle" LOL - oder letztlich in der Ausgestaltung eine Art Aufsicht großer Parteien, welche vorgeben, wie was zu werten sei - gemessen an ihrem Ziel, die nächsten Wahlen zu gewinnen und als Einzige seriös zu wirken? -

*

Wir leben in einer Zeit, wo sich kaum noch wer engagiert - wer Interesse zeigt für Verantwortung, gilt unter Studenten schnell schonmal als potenzieller "Spitzel". Die Leute sind übervorsichtig geworden. Jede Äußerung ist dann gebrochen mit dieser Besorgnis, es könne so sein -> was sie dann sagen anders als normal. - Aber Berichte ignorieren diesen wichtigen Punkt, und so werden manche darin annehmen, was sie wollen, denn es gibt immer irgendeinen Anhaltspunkt für Radikalismus, richtig? :angel: - So zumindest die Besorgnis der Studenten.

Informanten müssen so tun, als ob ihr Cover gewahrt sei, aber in Wirklichkeit ahnt es doch jeder? -> Hartz-IV, Langzeitstudent, an der Uni/FH oder im Internet-Cafe rumhängende Typen mit langen Praktica -> glaubt im Ernst noch jemand, da wären Leute offen? Zu welchem Schluß aber kommt man, wenn man das Offensichtliche wegläßt? Daß die Studenten ganz genau wissen, wer die basisdemokratischen Züge etwa ihres Hochschul-Streiks 2009 durch seine Pressekontakte in die geordneten Bahnen der gekauften Studierendenvertretungen lenkte?

Doch auch sonst ist gegenseitiges Vertrauen nichts, was an deutschen Unis noch zu finden wäre. - "Trau keinem über 30" LOL, die heutige Suppe der Vorurteile existenzbesorgter Studenten allein schon sorgt dafür, gepowert vom traumatischen Talk spinnerter Lehrer, Spaltpilz & Co.. Arbeit, die es auswerten muß, kann professionell eigentlich fast schon nicht mehr sein, zumal diese Leute wegsehen (müssen), wenn es um die fragliche Demokratie der Hochschulen geht. Über die Gaststudenten aus Ländern der Dritten Welt beißende Witze reißen, weil man ihnen ein illusionäres Bild zeichnete, bevor sie hierher kamen und das Kotzen kriegten.

*

Im Ernst, können Sie sich vorstellen, was es bedeutet, sich jahrelang verschwörungstheoretischen Quark anhören *und letztlich wider Willens im Reporting nur bestärken* zu können/müssen wie am Rande der Montagsdemos, nur weil es Usus wurde, alle in einen Topf zu werfen, und freiheitliche Regungen als zu labil totzureden? Wie diese Berufsrealität wohl aussieht...? Den ganzen prolligen Hartz-IV- & Sozialneid-Mist online lesen zu müssen, um den normale Menschen einen großen Bogen machen, weil er ihnen den Tag verdirbt? Trotzdem toternst drüber zu schreiben, als gäben die Zombies deutsche Realität wieder?

Erfahren würdest Du es nie. Die Leute mit den einschlägigen Lücken im Lebenslauf sind nett, und mitunter nicht "schuld" an was auch immer. Sie würden es sicher realitätsnäher wünschen, um nicht die letzten noch übrigen Nachwuchsressourcen des Systems als unzuverlässig oder gefährlich zeichnen zu müssen, sodaß die keine Schienen mehr vorfinden. Ein halbes Jahrhundert Parteienvergiftung ist etwas, für das dort niemand verantwortlich ist, sondern alle Seiten versuchen müssen, zu mildern; und hier sind sie auf gegenseitige Fairnis und Rücksichtnahme angewiesen. -

Nur auf Karrieregeilen können Sie keine Stabilität bauen. Wenn Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger wieder wettert über "Spitzel" - wie steht der Verfassungsschutz dann in der Öffentlichkeit da (und sie ist nichtmal die Schlimmste dieser Gestalten)? Dem oft zitierten Wohlstandsinput asiatischer Waren steht eine bodenlose Lage des Sozial- und Gesundheitssystems, des Wertesystems, der Konjunktur wie auch der staatlichen Kassen gegenüber.

______________
Grund für so einen Text sind Gerüchte; ab einem gewissen Grad mußt Du was dazu bringen, Leute reden sonst hintenrum Schlimmeres. Was auf Dauer eine Realität schafft, die nur Spiegel von Ängsten und Verschwörungstheorien wäre, und für sie sicher deprimierend ist. Auf der anderen Seite unseren Bereich so trockenlegt, daß wir im Ödland des Engagements eingehen.

Apr. 13th, 2010


[info]not_really_goth

Text über Sekten (falsche Definitionen, Regeln wenn man einer religiösen Gruppe beizutreten erwägt)

http://not-really-goth.livejournal.com/34686.html

Dec. 1st, 2011


[info]not_really_goth

Andro/Politik

http://not-really-goth.livejournal.com/63319.html

Jan. 3rd, 2012


[info]not_really_goth

Aktivismus & Leben

Das ist ein Posting, welches gebündelt die Frage beantwortet, wie man verändert - außerhalb der großen Politik mit ihren langen Parteikarrieren, welche abgehoben und für die meisten Menschen unerreichbar ist. Auch kann seit einigen Jahren konventionelle Lobbyarbeit nicht mehr so wirken wie früher.

Die meisten Deutschen leiden derzeit unter dem Klima im Land, man muß dazu nicht viel sagen. - Ordinär und geizig, belastet es die Geschäfte und Sitten. Hiphopper, die nicht klar deutsch sprechen können, spielen sich pöbelnd als Patrioten auf, sodaß sich der Unmut über all sowas später an den Falschen entlädt. Viele Verkäufer sind am Rand ihrer Nerven wegen rücksichtsloser Kunden, die Justiz ist überlastet und hat den Glauben an gute Absichten der Bürger längst begraben. Menschen 35+ fühlen sich verletzt, denn die Chancen, die sie sich nun von verwöhnten 20-Jährigen vorwerfen lassen müssen, hatten sie selbst gar nicht.

Ein normales deutsches Leben beginnt in, und zerbricht an öffentlichen Schulen. Die wichtigen Soft-Skills wie Benehmen oder was im Leben Sicherheit gibt, sind politischen Glossen aus der Zeitung, Ideologie und Meinungen gewichen. Der Lehrplan wird kaum eingehalten, zumal der Lehrberuf großenteils eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für überschüssige Akademiker ist, wo sie nicht wissen wie man mit Kids umgeht. Um denen dann wenigstens überhaupt was mit auf den Weg zu geben, übertreiben sie: Andere wären faul und "eben nicht innovativ", die 'Cleveren' setzten sich durch, 'Karriere' und so. Viele Teenies verlassen unsicher-arrogant und hoffnungslos politisiert die Schule, um an Berufsschule/Uni so weiterzumachen. Sie leben fortan diese Lüge: Haben nur den Schulabschluß als Stück Papier, und spüren, nicht viel gelernt zu haben - um Jahre teurer Bildung betrogen worden zu sein, das ist unaussprechlich. Und so lassen Menschen tagtäglich aus Unsicherheit Dinge los, die sie normal nie sagen würden, auf der endlosen Suche, ein unstimmiges Weltbild zu kitten, statt neu zu beginnen.

Von daher verbreiteten sich falsche Meinungen, wie ein freiheitliches System nach westlichem Muster funktioniert. In Wirklichkeit aber nicht durch überall gelebten Journalismus oder politische/Werbeslogans, sondern durch angenehme Lobbyarbeit und aktiv-Sein, wodurch man zeigt, daß man sich kümmert. Nie etwas zu wagen oder sich nicht zu informieren, ist auch nicht konservativ. Selbst wilder Aktivismus wird heute von Lobbyisten voraus- und eingesetzt, zuweilen um zweifelhafte Ziele zu promoten. Manche Lokalzeitungen etwa berichten über unbedeutende Spinner-Demos als sei das alles, was außerhalb von politischen Parteien geboten werde - um Wandel zu verhindern, indem man Andersartigkeit als Chaos hinstellt. Dabei gelten z.B. Selbsthilfegruppen im Volkmund zurecht als 'gefräßig', wenn sie düstere Realität anderswo zu kaschieren helfen. D.h. ihre Arbeit geht zu Lasten anderer Minderheiten.

Dann ist da die zuversichtliche Annahme, was der Einzelne (zumal außerhalb von Netzwerken) alles leisten kann. Parteien sind aber so durchideologisiert von jungen Heißspunden, daß Menschen mit Gewissen dort ausgegrenzt werden. Man mag meinen, Aktive würden halt außerhalb von Parteien "was auf die Beine stellen" können, doch das ist nahezu unmöglich. - Der Staat pumpt pro Hochschule und Jahr mehrere hunderttausend Euro in linke Studierendenvertretungen, angeblich um Rechtsextremismus auszugleichen. Oder moderate Aktivisten auszuschalten: Auch wenn das nicht wirklich die Absicht ist, sondern man sich mehr in diese bequeme Dynamik verrent, wo isolierte Aktive an Drogen kommen und es dann so scheint als ob das eh zwangsläufig wäre, also man besser gar nichts tue.
Gegen diese Summen und was dranhängt an Kulturnetzwerken und Campusradios, kann niemand ankommen. Bei vielen Zeitungen und neuen Medien liegt daneben die Vorauswahl von Stories bei verunsicherten Praktikanten - denen alles außerhalb dieser zwei anerkannten Schienen "positive Sicht auf Bildung" und "das Herz ist links" als nicht ernsthaft erscheinen. Linksextrem-Sein wurde hoffähig, weil diese Leute mit dem entsprechenden Label Journalisten den Griff zum Wegwerfen/Relativieren mitliefern = offene und ehrliche Lösungen dagegen erscheinen als gefährlich, und werden zensiert. Auch das arbeitet der Dynamik zu.

Doch hier liegen auch Chancen. Internet-Aktivismus wurde lange verpönt, ist aber nichts anderes als ein Ersatz für was die Sozialwissenschaft kaum mehr bringt: Belegstellen für Probleme, denen sich normale Menschen gegenübersehen (Mobbing, soziale Härten). Aktivismus in dem Sinne bedeutet, daß junge Aktive ein neues Fundament bauen, das nicht so leicht anzugreifen ist durch Vorurteile. Nach zirka 5-10 Jahren Arbeit sind sie dann auf dem gleichen Level und Potenzial wie Lobbyisten - wenn unterstützt. Ein paar Flyer zu drucken und Plakate mit einem Slogan, das ist keine Kunst; aber diese jungen Menschen wollen vorher mit Persönlichkeiten von Zielgruppen reden und sich vertraulich abstimmen, um keinen anderen Initiativen in die Quere zu kommen. Das jedoch wird leider oft nicht wahrgenommen, bzw. gar das Gegenteil vorausgesetzt. Dies wäre das dritte Mißverständnis.Daneben hat die im Bundesjustizministerium ausgeheckte Kampagne gegen Google und Facebook die gewünschte Wirkung gezeigt: Es gibt kaum mehr Abstimmungen per Email, und sichere Übertragung wird leider kaum benutzt.

*

Was Aktivismus leisten könnte und an Chancen sicher eingeräumt würde, wird spürbar anhand von Photos wie diesen 2, welche anhand des Beispiels von angenehm auftretenden Einzelnen wohlwollende Erwartungen der Gesellschaft veranschaulichen. Die heutige Occupy-Bewegung ist demgegenüber Dreck. In der Regel braucht es nur wenige Aktive, mit denen man auf Basis von Diskretion und dezenten Signalen redet. Ich möchte Ihnen ein Beispiel geben, was möglich wäre:

Unsere Zeit wirft bekanntlich viele Menschen weg, insbesondere junge, die unser Land aber dringend braucht im internationalen Konkurrenzkampf. Wie auch immer man das Wegwerfen nennt: Schulmobbing, Callcenter, Zeitarbeitsfirmen, mobbende Hiphopper, Bologna, etc.. Sie möchten eine Bewegung gründen, die Pflicht und Recht des Einzelnen betont, sich politischer Äußerungen zu enthalten und neutral zu bleiben ohne schnelles+gemeines Urteil. Stattdessen selbststrenge Gewissensprüfung zu betonen, um die linksextremen Tendenzen wie Occupy/Anonymous/WikiLeaks auszugleichen. Menschen könnten online auf einer speziellen Seite ein Profil anlegen, wo sie Nachteile ihres Leben konstruktiv aufarbeiten und das dann verlinken. Statt nur die Möglichkeit zu geben, Eliten wüst zu beschuldigen, wird so vorgelebt, zu schauen was wirklich war, und zu vermitteln, daß ihr Leben sich in deutschen Regionen abspielt - nicht in der weiten Ferne oder Weltpolitik. Damit verhindert man, daß sich Streß+Unmut unberechenbar auf Dritte projizieren, und Leben dort sinnlos zerstört werden. Das ist nur ein Beispiel, hier gewählt um zu zeigen was sich auch ohne politische Themen erreichen ließe, und Leuten zu helfen ihr Leben mit sich ins Reine zu bringen - und Sie wissen, wie sich sowas rumspricht. Man rennt mit sowas offene Türen ein, denn das kranke Klima derzeit gilt als Stabilitätsrisiko.
Doch scheitert so ein begrenztes Projekt bereits daran, daß auf uns Wenige alle möglichen Vorurteile hektisch übertragen werden (und die besten Leute arbeitslos enden = sich nicht leisten können, die nötige Serversoftware programmiert zu bekommen). Um den diversen Vorbehalten zu begegnen, finden Sie auf unseren Internetseiten sogar Anleitungen, wie man im Internet sicher unterwegs sein kann ohne Angst. Allein, es geht unter.

Ich möchte den Text an diesem Punkt enden lassen - Sie finden auf den angeschlossenen Seiten wesentlich mehr zu allen Aspekten. Es geht nicht um Geld (denn man weiß welche Leute in der Regel auf die Weise unterstützen, und das belastet einen mehr als was es bringt), sondern Weiterempfehlung und Verlinkung. Städte wie Augsburg haben noch/wieder Projekte dieser Art, und es ist viel Gutes möglich. Nur sind die Aktiven wegen der Vorurteile in ihrer Region etwas vereinzelt, während von weither aus Asien, USA und UK die Zuschriften kommen.

_______
Brief zum Text. Ursprünglich war übrigens geplant, es über Links zu diesen beiden Texten aufzuziehen: (1) Medizin vs. Pädagogik, und Dein Leben [eine Art grundlegende Autobiographie > zu Lasten der Medzin ausufernde Sozialpädagogik] sowie (2) ein Update zum Umgang mit med. Gutachten bei der Bundesagentur für Arbeit . Aber ich fand das zu negativ; man würde so vllt. in eine bestimmte Schublade kommen. - Vergleichen Sie die Anspielung oben, auf unterschwellige Beeinflussung durch selektives Berichten der Lokalpresse, was in Augsburg ein Problem ist. Viele Katholiken hier (in ihrer angenehm realistischen Ehrlichkeit) nennen es bezeichnend 'satanische Zuckerwatte': süße Plüschtiere und harmonieseliges Weichzeichnen, kontrastiert durch Stories über 'bescheuerte' Minderheiten. In diesem Klima ist jeder vorsichtig, was sie/er publiziert, und - der zweite Weg gab die Gelegenheit, Probleme/offene Fragen auf eine sehr angenehme Weise zu erledigen.

Jan. 18th, 2012


[info]not_really_goth

Einschätzungen zur "Occupy"-Bewegung in Deutschland

zum Artikel "Occupy Demonstranten strömen zum US Kapitol in Washington"
http://www.voanews.com/english/news/usa/Occupy-Protesters-Swarm-US-Capitol-in-Washington-137499143.html


(zum Kommentar "...Occupy Berlin!" etc./17-01) Viele Menschen in Deutschland wünschten, unsere Regierung täte mehr gegen Occupy/Anonymous. Sie pumpt eine Menge Geld in diese Szene über steuermittelfinanzierte Studierendenvertretungen, angeblich um Rechtsextremismus neutralisieren zu helfen. Den verbliebenen Bürgerrechtlern erscheint es aber mehr wie ein schlechter Witz: Occupy kann die Öffentlichkeit fröhlich terrorisieren, andere Minderheiten jedoch bekommen dann die Vorurteile dafür ab. Manchmal scheint es, als ob Teile der Regierung auf der anderen Seite stehen, und Occupy im Wesentlichen helfen soll, uns zu diskreditieren. Weil, in dem Klima werden wir mit den Radikalen in einen Topf geworfen.

Feb. 16th, 2012


[info]not_really_goth

Warum viel gute Bewerber arbeitslos sind?

(Idee einer absichernden Passage für Bewerberseiten)

... In dieser Stadt ist die Zeitung Augsburger Allgemeine dominant im Mediensektor. Sie macht Auflage, indem sie *heile Lokalwelt* und *als 'chaotisch'/asozial beschriebene Minderheiten* polemisch gegenüberstellt. -> Alle, die auch nur etwas nach Subkultur aussehen, treffen Vorurteile... X)
Wer in schwierigen Familienverhältnissen aufwuchs, für den ist ein Teil seines Lebens soziales Engagement. Das aber wird heute dann wegen der schlechten Presse gern unbewußt als 'links' interpretiert. Dabei sind sie meist die Einzigen, die noch strikt den Grundsatz *keine Politik am Arbeitsplatz!* beherzigen, und am Telefon stets B2B-Etikette einhalten.

Zielgruppe dieses Weblogs sind Personaler und Unternehmer, die etwas Offenheit als wohltuend empfinden. Ich hab vorher 4 Jahre zurückhaltend gesucht, wo man 'Lücken' im Lebenslauf, die auf das schlechte Klima zurückgehen, sehr dezent umschreibt - und von Zeitarbeitsfirmen in der Regel nur ewig hingehalten wird, um sich dann anhören zu müssen, soooo lange ;) schon arbeitslos oder "doch wohl irgendwie anders" zu sein. Ich hab dabei kaum Recruiter kennengelernt, die wenigstens mit Email umgehen konnten, und die Lebensläufe wurden praktisch nie gelesen. Nette HRler kriegen wie manche sagten regelmäßig die Krätze, wenn sie mitbekommen, was ihre Kollegen so unter 'Personalvermittlung' verstehen.

Mar. 11th, 2012


[info]not_really_goth

Klima in Deutschland

Aus einem Forum; versucht, das schwierige Standing von Minderheiten in Deutschland in etwas salopp daherkommendem Stil zu bündeln (um triviale Unterstellungen auszuhebeln, die normal auf solche Vorstöße einprasseln). Kommentare bitte möglichst hier im originalen Faden einstellen.


Hi,
dies ist der erste Eintrag/neues Profil (bin schon länger dabei mit anderem Alias, will diese Dinge trennen).

Ich glaub das hier muß man nicht groß einleiten. - Seit den ja wirklich superkompetent ;) durchgezogenen 'Reformen' zur Abhärtung des Landes, sind Minderheiten bekanntermaßen ziemlich unter Druck gekommen. An der Wohlstandsgesellschaft und Anspruchshaltung vieler Durchschnittsmenschen hat sich dabei rein gar nichts geändert, man reicht die Schuld einfach weiter und reklamiert das Gute für sich. "Jung, dynamisch und innovativ" sehen Gothics leider meist nicht aus und sie beanspruchen das auch nicht 100x pro Tag. Die hundsgemeine Selektion von Stories in vielen Lokalmedien (Andersartigkeit mit linken Spinnerdemos oder Perversen-/Satanistenstories in einen Topf geworfen für die Hefe) geht auch zu unseren Lasten. Und, wenn Hiphopper im Berufsleben damit prahlen, sie als 'Macher' ;) wüßten, daß Frau Merkel nur das sagen dürfe was die Wirtschaft wolle (und wer diese Einsicht so dreist nicht kundtue sei doch wohl wirtschaftsfeindlich gesinnt...), kommen sie mit der Masche durch und steigen auf - aber der Wahnsinn dieses neuen Prahlertums wird sich anderswo entladen. Anonymous/WikiLeaks setzten dann noch eins drauf: Dürfen auch zuviel, um dann verwurstet zu werden/zu zeigen, daß Andersartigkeit ja wohl Theater sein müsse, oder um Kritik einen linken Beigeschmack zu geben, womit sich das Ganze sodenn von selbst deklassiert.

Kurzum, immer mehr von uns haben beruflich einen schweren Stand dank ungebildeter Kollegen, und das bedeutet ja letztlich nur allzu oft Mobbing/Stellenverlust, und dann lange Arbeitslosigkeit. Halt je nach Familien-$ und Vitamin B-Netzwerk. Ich leb in Augsburg, das Klima hier ist echt übel, und Viele können nicht mehr erfüllt leben. Natürlich sagt es sich leicht, daß Du untertags halt was anderes tragen kannst, aber darum geht es ja nichtmal, sondern um das grundsätzliche Problem, daß die schwarze Szene (vielleicht als eine von wenigen verbliebenen Subkulturen) noch Werte transportiert, und man den Leuten diesen "Makel" eben ansieht, egal wie sie sich verstellen.

Welche Wege sind möglich, um das Klima zu lindern, ohne dabei in eine politische Richtung zu kommen? Kann gotische Kultur reagieren, und welche Methoden bieten sich an/wie ließe sich wirksam weiterer Schaden verhindern? Was ist realistisch?

Sorry für die Länge, aber ich wollte das komplette Bild bringen, was sicher nicht Wenige hier mögen werden. :)
lG/J.

Apr. 9th, 2012


[info]not_really_goth

Zum Gedicht Günter Grass', das Israels Politik bzgl. Iran kritisierte

Englisch / Review of the Guenter Grass poem which criticised Israel's politics towards Iran

Feb. 1st, 2007


[info]not_really_goth

Die Geschichte hinter den frühen Einträgen

Dies Weblog hier war eine Aufarbeitung für mich - wie kommt man dazu, sowas zu publizieren? - Denn freiwillig ist das sicher nicht, wenn man ein Typ ist der übers Geschäft normal nicht redet.

*

Ich war Telefonist eines Augsburger Callcenters, das regelmäßig dutzende Kündigungsschutzklagen vorm Arbeitsgericht hat. Einer unserer Auftraggeber warb mich ab - wobei mir aber niemand sagte, daß die französische Tochter dieser Agentur das Callcenter gerade wegen Betrugs verklagte. Also wirklich kompetentes Headhunting... :|

Hintergrund der Klage war, daß meine Chefin Jana D. angeblich ein Team hochqualifizierter *französischer Muttersprachler* an der Hand hatte. Für sie war das "kreativ", so Aufträge zu gewinnen: mit beherzter Übertreibung. Die normale Bezeichnung dafür ist dieses heute vielleicht überzogen klingende *Betrug* - wenn in Realität nur Studenten mit Schulenglisch telefonieren, aber verdammt viel Geld für vermeintliche Franzosen vereinbart wurde. Die Firma, für die wir acquirierten, tat uns kleinen Callcenteragenten leid (auch wenn wir es umsetzten, weil wir die vertraglichen Details nicht sicher kannten, und man uns keine Wahl ließ) - unser Team bemühte sich dann zwar nach Kräften. Aber in Frankreich auf Englisch anrufen zu lassen, das demoliert den Ruf des Kunden im Markt. Am Ende erfuhr es der Auftraggeber über typische Rechtschreibfehler in französischen Mailadressen. lol

Hinzu kam, daß diese Clique, v.a. Jana D. und Andrea H., homophob war - wenn es zierte aber natürlich modern und tolerant. 0:-) Man mobbte hinter den Kulissen: Schwule oder Trannies seien “unberechenbare” Personen (das kam von den verschwörungstheoretischen Seiten, die sie am Abend besuchten - vgl. Baphomet). Eine Haltung, wo dann, am nächsten Morgen, jede Andersartigkeit als Gefahr für das Unternehmen verwurstet wird = dies Hinhängen Jana profilierte. Und so entstanden fleißig Verdächtigungen -> Drogen, aber auch angeblich aggressive Einstellungen (Steckenpferd von Andrea), und 'dunkle Elemente' von Mitarbeitern. Als D+S eine Sicherheitsschleuse am Eingang wollte = das Thema ja wohl trendy war im Unternehmen... :D

Ein weiteres Problem (und Nährboden für Konflikte) bildete der zweifelhafte Börsengang - seit Unternehmensgründung meist in den roten Zahlen, ließ man sich schließlich vom Callcenter-Konzern D+S Europe aufkaufen, was im Umfeld der Börse als schlauer Schachzug und strategischer Gewinn bezeichnet wurde. Bei D+S aber fielen sie dann aus allen Wolken, sobald klar wurde, daß dieses CCA24 das sie da gerade übernommen hatten, nun direkt anschließend monatliche Unterstützungszahlungen von ½ Million Euro brauchen würde, um Lohn zahlen zu können. Hatte man also ein bankrottes Unternehmen aufgekauft bzw. konnte das zu rechtlichen Scherereien führen? Uns Mitarbeitern gegenüber sagte Markus F. auf der Personalversammlung, daß man ohne D+S schon nicht mehr existiere, zirka 3 Monate nach der Übernahme... Doch einen Konkursantrag hatte man offenbar nicht gestellt, jedoch war die Auftragslage absehbar gewesen? Bitte, man wollte sich dazu keine vorschnelle Meinung bilden, nur -> in einem Unternehmensklima, wo der Firmengründer sowas dem Personal gegenüber losläßt um Druck aufzubauen, kann viel passieren. Man statuiert ggf. Exempel, oder Kollegen nutzen die Spannung fürs Mobbing.

Doch zurück zur IT-Akquise, wo die Sache mit **** France schwelte. - Als ich sodenn später nach München (**** direct 'Germany') wechselte, hatte das Callcenter Angst, es könne dort bekannt werden, daß man gar keine Absicht hatte, den Vertrag mit den französischen Kollegen ernsthaft zu erfüllen. Sowie Dinge aus einer anderen Kampagne, die gerade chaotisch lief. - Nebenzu gesagt: Du würdest süffisanter Weise von München aus die Leads des Augsburger Callcenters fortan überprüfen sollen, solange sie für die Agentur noch arbeiteten. Deswegen die Empörung im CCA, der Du dadurch zu begegnen suchst, dem Geschäftsführer Markus F. das Gespräch anzubieten; Deine Initiative wird von den ****-Vorgesetzten gutgeheißen, aber eigentlich war das ja ihr Bier, und Du hättest erwartet, daß sie das deichseln, denn beim Abwerben muß man informieren, wenn man zur gleichen Zeit gegen das Callcenter klagt.

F. nahm den Termin an, sagte ihn dann aber plötzlich ab - wie immer wankelmütig, den Falschen gegenüber. Er nutzte subkulturelle Typen, um zu erfahren, wie es im eigenen Haus zugeht und ob die Kampagnen liefen, aber im Zweifelsfall waren wir Freaks, die man feuerte.

Von uns reporteten als CCA24-Mitarbeiter jedenfalls seit Langem Einige heimlich zu Unternehmensgründer F. und Standortleiter H. - und einer nach dem anderen von uns wurde gefeuert als (wie sich jeweils später erst rausstellte) deren Ersatzreaktion über Teamkollegen, die bei Systemausfällen wenn man nicht telefonieren kann Party machten und sich freuten, nicht arbeiten zu können. Wir würden zu Markus F. oder Oliver H. berichten, das dann allen Ernstes trotz zugesicherten Vertrauensschutzes hintenrum den Teammanagern bekannt, und wenn wir schließlich fertiggemobbt waren bzw. die betroffenen Telefonisten nicht mehr schlafen konnten, würde F. argwöhnen. Dies eigentlich nur, weil die betroffenen Kollegen nun komisch blaß aussahen und "irgendwie" nicht über jeden Zweifel souverän. Diese Führungsschwäche des Managements, sich Ventile zum Ablassen zu suchen, ist eine Krankheit im Management vieler großen Callcenter.

Er schickte also seit Jahren seine besten Leute in die Wüste. Es war einigermaßen bekannt, aber was anderes als nach oben zu reporten bleibt dem Telefonisten denn, der vielleicht vor der nahegelegten Entscheidung steht, unsauber zu telefonieren und nicht will? So schlimm wie gemunkelt werde es schon nicht sein, meinte jeder Einzelne von uns, bevor es sie/ihn erwischte.

Wie das dann aussah? Es gab also diese unterqualifizierte Teammanagerin und Kollegin Andrea H.. Sie spielte immer “mobbende Kindergartenschwester” wie die Telefonisten es nannten, d.h. sie behandelte ihre Kollegen wie psychisch instabil: “ist alles ok?!.... Und sie guckten genervt, weil jeder von uns wußte, daß Andrea’s Quote nicht unbedingt gut gewesen war, und sie wohl nur Teammanagerin sein durfte, weil sie überzogen Drücker spielte und geradezu lächerlich "konservativ" posierte. Sie hatte nichtmal ein eigenes Team sondern kam erst nur sporadisch zum Einsatz. Wer in Ungnade fiel, wurde etwa zu ihr an den Teammanagerplatz gesetzt, zum Observieren dieser “Auffälligkeit”; und mußte den ganzen Tag über sich von allen im Telefonieverhalten auf mögliche oder unterstellte Aggressionen beäugen lassen. Das ist typisches Callcenter-Mobbing, es geht immer über die Schiene, Leuten z.B. psychische Blockadehaltungen zu unterstellen.

Ich hab in der Situation diese Behandlung abgelehnt/gefordert, weiter im Team zu sitzen, und das bedeutet Du wirst wegen angeblicher Mißachtung der Vorgesetzten-Autorität gefeuert; aber das war hier eh schon geplant. Die andere Wahl sieht so aus, daß Du irgendwann nicht mehr schlafen kannst wenn Du den ganzen Tag beim Telefonieren angeguckt wirst als sei das krank. - Vorm Arbeitsgericht, so genervt es auch vom CCA24 sein mochte, hatte in diesen Fällen niemand eine Chance, den Gerüchten nach weil geschmiert worden war, bei der Staatsanwaltschaft. - Tatsächlich läßt sich wohl am Ehesten so erklären, warum das Arbeitsgericht die schiere Masse an Kündigungsschutzklagen (hab ich's oben schon beschrieben? teils 30 parallele Klagen) vereinzelt behandelte/sich nicht traute.

*

Wie dem auch sei; zurück zum Gespräch, mit denen nach Deinem Wechsel zum Auftraggeber die Unstimmigkeiten ausgeräumt werden sollten, und das Placet des Agentur-Managements hatte, was Du natürlich vorab anforderst. Ich weiß von Kollegen, daß F. im Raucherzimmer frühzeitig einen (1 Jahr später dann ebenso wie ich gefeuerten) Teamleiter auf dessen Urteil er sich meist verließ, fragte, ob ich denn ein guter Telefonist sei, und der bejahte. - Doch dann konnte F. sich wieder nicht entscheiden, und zögerte alles ewig hinaus, wie immer.

Genau an dem Tag des schließlich fest vereinbarten Treffens dann aber, zeitgleich mit meinem Beginn im Münchner Oracle-Haus (F. mochte symbolische Zahlenspiele), würde die Staatsanwaltschaft aktiv: Man hätte angeblich in einer vom Callcenter angemieteten Tiefgarage unter dem Dach eines benachbarten Obi-Baumarkts -> einen illegalen Böller gefunden! Und da sei wer streitig ausgeschieden...

Bitte: Das ist ein Ort wo sich Skater-Kids treffen und gelegentlich ihre Joints rauchen, im Augsburger Ghetto-Bezirk, dem armen Textilviertel/Herrenbach. Im Präsidium gingen entsprechend wilde Gerüchte um, was "der Schmarr'n jetzt wieder" solle: Denn ebenjenes Callcenter feuerte bekanntlich nur allzu gern, da kämen viele in Frage. Und, wer bitte lasse schon einen solchen selbstgebauten Böller wie sie sagten mit ungezündeter Lunte zum Auffinden mitten im Gang liegen?! Es machte keinen Sinn.

Dennoch - diese "klare Beweislage" rechtfertigte angeblich den Schluß des Augsburger Staatsanwalts Dr. Kessler und des in Polizeikreisen einschlägig bekannten Amtsrichters Dr. Engelsberger, der zuletzt gegangene Geschäftskunden-Telefonist plane wohl aus Rachegelüsten einen *Terroranschlag* auf das Callcenter, und am Augsburger Königsplatz sei eine *Terrorzelle* mit Sprengstofflager, man sei ganz sicher. Allerdings konnten sich die Herren nicht wagen, ein Sondereinsatzkommando zu schicken, wie es Pflicht ist bei "Sprengstofflagern", zum Schutz der Beamten und Anwohner: Denn die Kollegen hätten nämlich gewiß unangenehme Fragen gestellt.

Kopie des fraglichen Hausdurchsuchungsbefehls

Um die Bereitschaftspolizei zu umgehen, ließ man zwei normale Polizeibeamte (als ich nicht daheim war) wild mit Pistolen rumfuchteln + laut schreien, weil sie angeblich fest damit rechneten, daß da wer durch die Tür feuern könne. Und das Theater erfüllte den Zweck der provinziellen Posse dann natürlich auch. Um 2006 war man bei Terrorverdacht erledigt, wer hinterfragte schon Anti-Terror-Ermittlungen, auch wenn diese wie in meinem Fall ergebnislos enden würden.

*

Während der Zeit aber - und das gab den Ausschlag für alles Kommende - verstarb jemand aus der Familie (meine Mutter) alleine, weil ich vor lauter Druck bei **** meine Emails schon nicht mehr las. Darunter eine die mich bat, ans Sterbebett zu kommen. - Sie können sich vorstellen, wie man als kleiner Teamleiter "under pressure" steht, wenn man für Anbieter wie Oracle Systems Kunden wirbt, und gleichzeitig als "Terrorist" verschrien wird.

Am Ende dieser Monate, das noch nicht ahnend, hab ich entnervt gekündigt; meine Vorgängerin war ähnlich gegangen, ohne sich vom Team verabschieden zu können, das sie sehr mochte. Der Verantwortliche bei **** war ein Typ wie F. - sie vertrauten auch dort auf subkulturelle Mitarbeiter, und feuerten diese mitunter.

Ich fand, daß Antiterrorermittlungen zumindest besprochen werden müßten, zumal ich die Leads dieses Callcenters ja weiter überprüfen sollte (D+S Europe, denen mein Ex-Brötchengeber CCA gehört, ist ein börsennotiertes Unternehmen, und solche Gerüchte können schädlich sein, es gehört sich nicht sowas ohne drüber zu sprechen auszusitzen). Und wir Kampagnen etwa für das Trustcenter einer deutschen Großbank führten, mithin Infos über die Sicherheitsarchitektur der angerufenen Unternehmen abfragten. Solche Daten von zirka 500 Industrie-Unternehmen waren gerade also in der Excel-Tabelle eines Mitarbeiters, der beschuldigt wurde, gemeingefährlich zu sein: und sie hatten bei **** allen Ernstes keine Probleme damit! :O

Aber Sie wissen, wie das im Management mitunter ist heute - Schwierigkeiten "lösen sich auf" mit neoliberalen Sprüchen, und indem man schwulen/androgynen Mitarbeitern etwa mangelnde Geschäftsetikette unterstellt. Für viele von uns ist das Leben ein Spießrutenlauf durch falsche Verdächtigungen. Sie sehen anders aus, etwa (gepflegte) lange Haare. Dabei sind subkulturelle Typen wie wir es, die sich an die Regeln des Unternehmens und der Gesellschaft halten, wohingegen das heute als "uncool für die Karriere" gilt. - Du hast am Telefon nie gelogen oder fies unter Druck gesetzt, deswegen immer gute Quote gemacht, weil die Angerufenen es mochten.

*

Nachdem ich nun gesehen hatte, wozu es führt, stand ich vor der familiären Verpflichtung. Wenn jemand alleine sterben muß, erwartet die Gesellschaft eine Erklärung. Wenn manche im Supermarkt gewonnenen Hüpferkunden über Kollegen herziehen und mit ungerechtfertigten Beschwerden deren Existenz gefährden, um Centbeträge zu sparen, rinnt Dir dann gelegentlich eine Träne runter, während Du es Dir am Telefon nicht anmerken läßt. Diese Rücksichtslosigkeit überall heute ist der Grund, warum sowas passiert.

Dies um so mehr, als sich bald herausstellte, daß 'die' Polizei ein Auskunftsersuchen von Nachbarn und dem dortigen Ordnungsamt (NRW) ignoriert hatte, die mich ans Sterbebett holen lassen wollten. Die Staatsanwaltschaft schickte in etwa zeitgleich mit dem nicht vorangekündigten Eintreffen der Sterbeurkunde und der Frage was die gute Frau denn wohl hinterlassen habe zum Decken von Beerdigungskosten (so wurde ich informiert!) die Einstellung der Ermittlungen - eine unsägliche Geste. Bei "Gefahr im Verzuge" und vermuteten Terroranschlägen die es zu vereiteln gelte hatten sie angeblich über 4 Monate gebraucht für den Abgleich mit Deinen sofort bereitwillig gegebenen Fingerabdrücken: Wer's glaubt, wird selig, wie der Volksmund sagt! - Nein, hier wurde ein Exempel statuiert, so sahen es auch meine Ex-Kollegen. Man ruiniert und erpreßt einen dann, in Insolvenz zu gehen, damit man etwas gegen Dich in der Hand hat, so enden diese Fälle.

Homophobie sorgt für so unselige Sachen. Wo dann die Frage aufkommt, warum eine Geschäftsführung sich da eigentlich reinziehen läßt.

Was die Zwischenzeit betrifft: Wenn sowas passiert, hat man als einziges Kind der Verstorbenen diese verdammte Pflicht, Öffentlichkeit zu informieren, das ist Sitte, richtig? Doch wie bitte in dieser ignoranten Zeit vor 2010?! - Die beiden Lokalzeitungen unserer Region, Augsburger Allgemeine und Stadtzeitung, verweigerten jede Berichterstattung. Zwar rufen dort praktisch wöchentlich gefeuerte Agenten an, aber den Gerüchten nach zu urteilen war geschmiert worden, man wimmelt sie jedenfalls alle ab, und nie würde etwas anderes als Lob über dies Unternehmen in der Zeitung stehen. Die Lokalredaktion der Süddeutschen Zeitung wollte Exklusivrechte sichern; Du fragst ob das wirklich ernsthaft sei - ja, und man hält Dich dann ewig hin, bis die Story hoffentlich tot ist. Eine große Computerzeitschrift mochte für einen Artikel mehr erfahren über Tricks für ihre Stoffsammlung. Ich legte nichtmal Wert darauf, genannt zu werden, sondern vllt. nur überhaupt irgendwie dezent positiv zu wirken, damit das Ganze zumindest irgendeinen Wert hatte. Der Artikel erschien ohne jede Rückmeldung, und natürlich ohne kritische Töne, als prolliges Teil gegen "Abzocke".

Nach dem Scheitern monatelanger Bemühungen, durchzukommen zu einzelnen Redaktionen bis Du es nicht mehr ertragen kannst (heute zensieren unsichere Praktikanten/Studenten; man profiliert sich indem man - außer was von großen Namen kommt - von den Journalisten abhält) entschied ich mich fürs Internet, eine eher allgemeine Seite aufzuziehen. Das wurde mir auch vorgeschlagen von Medienleuten, dann könne man evtl. irgendwann berichten.

*

Ich hab lange gebraucht, um wieder einsteigen zu können in die Branche, weil ich mir vorwarf, Integrität habe jemandem aus meiner Familie furchtbar weh getan, und ich suchte Abstand, eine Neuorientierung. Über die Gewissensbisse kam ich nebenzu in Menschenrechtsaktivismus, und bin heute einer der einigermaßen bekannten Aktivisten, wenngleich Viele in lokalen Blättern ungern über unsere Species schreiben. Leider bedeutet das aber auch, auf schwarzen Listen zu landen oder mißverstanden zu werden, weil das Vielen nach "links" klingt. Ich habe Schwierigkeiten, in einem Unternehmen unterzukommen, speziell wegen der verzerrten Darstellung in "Karriere-Medien", Sie wissen was ich meine. B5 aktuell, BR alpha, "jung dynamisch innovativ creativ", "DAS ist gut weil JUNG und NEU" & "DER hat DAS getan" zum Verblöden der Leute, damit jedes beliebige Vorurteil berechtigt scheint. Hetze gegen jede Andersartigkeit.

Wenn ich wieder in einem typischen Callcenter arbeite, dann hoffe ich, nicht auf Kunden zu stoßen, die mich aus dem Internet kennen; ich trenne Berufliches und Ehrenamt strikt. Sollte es passieren/drauf angesprochen, werde ich das vorsichtig und dezent andeuten, und sagen, daß ich nur in dieser einen Funktion (nicht Aktivismus) auftrete, möglichst ohne weiter darauf einzugehen.

Oft fühle ich mich elendig angesichts der neoliberalen Ideologie - Sie wissen schon, wie junge Dinger heute um sich werfen mit den Sprüchen die sie in der Schule statt Lehrplan, und auf BR alpha respektive in Hochschulmagazinen etwa aufschnappten. Die haben keine Ahnung was westliche Geschäftsetikette überhaupt ist, sie beanspruchen nur alles Positive für sich und ihre "Karriere".

*

Dies Weblog war also ursprünglich für eine schwere Zeit. Leute wußten nicht, wo man dies nun einordnen sollte. Das machte es teils schwierig, mangels klarer Zielgruppe, ich meine Leute die wirklich zeigen was sie hier sehen wollen, und solche Publikationen durch Verlinken sicherer machen; zu Fördern woran einem liegt und wovon man etwas erwartet, das ist nicht unbedingt der Zug unserer Zeit. Folglich eine Gratwanderung zwischen einfachem Stil und großer Differenzierung. Wenn Sie über ein Reizthema schreiben, wozu bald jeder eine schnelle Meinung hat, geht es nicht anders als so zweigleisig zu fahren.

Mar. 16th, 2012


[info]not_really_goth

Mobilität arbeitsloser Bewerber(innen)

Viele Personalreferent(inn)en klagen darüber, daß Bewerber nicht kämen, oder erstmal Einkaufen gehen wollen. - Sicher wahr im Fall doch etlicher Leute, aber es gibt eben auch diese versteckte Realität. Über sie handelt der Blogeintrag hier.

*

Arbeitslose erhalten in der Regel nach Miete/Strom um die 275€ Grundversorgung. Weiterbildende Kurse gibt es in der Regel keine, sodaß viele von ihnen ca. 100€ für sowas zurücklegen, oder um sich anderweitig etwas Neues aufzubauen. Kommt dann noch irgendwas hinzu (Zähne/Krankheit/etwas für die Kinder...), dann leben sie leicht von weit unter 100€, für jegliche Anschaffung.

Normal würde man zutreffender Weise meinen, daß - wer wirklich will - sich doch bitte auch in der nahen (bis 75km) Großstadt bewerben möge, eben sofern die Chance sich bietet und es für beide Seiten Sinn macht. Aber, sie haben kein Geld für die Reisekosten dorthin, und benötigen somit ein Ticket im voraus. - Man sollte auch hier annehmen, daß dies 'Chefsache' sei beim Jobcenter. Doch das ist nicht der Fall, insbesondere was das Reporting der Stellen betrifft, welches vielerorts unter Druck ist durch vereinfachte Auslegungen.

*

Hier sei also einmal die Realität beschrieben, die Bewerber(innen) im Gespräch mit 'Personalern' in verschiedenartigster Weise zu umschiffen suchen:

Eine Fahrkarte im voraus ist seit Jahren nicht mehr vorgesehen. Wervor Reiseantritt die Kosten für ein Bayern-Ticket Single in Höhe von 21€ bekommen möchte, um davon die Fahrkarte zu zahlen, muß dies auf der Jobcenter-Hotline beantragen. Diese gibt den Wunsch auf Rückruf an den Vermittler weiter. Wenn der engagiert ist, kümmert er sich darum; manche ignorieren sowas 'Unnötiges' aber auch einfach. Per Email ist es auch möglich, zuweilen werden sie aber auch einfach ignoriert.

Im Positiven Fall bedeutet es, der Bewerber wird zurückgerufen, und muß zum Jobcenter, um beim Vermittler in der Jobcenter-Zentrale den Antrag zur Einreichung bei der Außenstelle abzuholen. Auch wenn es ein Dokument ist, das man gut und gerne von der Website herunterladen oder per Post zuschicken könnte, muß jedes Mal einzeln bei der Hotline oder per Email angefragt werden, sodaß der Vermittler zurückruft, dieses Formular ausdruckt und aushändigt = damit das Signal gibt, dies auch gutzuheißen (erforderlich ist zudem die Bestätigung des potenziellen Arbeitgebers, daß keine Kosten übernommen werden; aber das ist ja selbstverständlich und kaum Aufwand/hier nur zur Vollständigkeit genannt).

Dann geht es also zur meist entlegenen Außenstelle. Dort kann es sein - oder ist normal - daß der Bewerber vom Personal wegen der Vorzeichen des SGB2 dezent heruntergeputzt wird; ob sie/er nicht mit Geld umgehen könne, etc.. - Wenn das geschieht, wirkt es zukünftig entmutigend. Es wird als absolute Ausnahme begriffen, denn für Kosten von um die 30€ mache man so einen Aufwand doch nicht, die Leute bekämen ausreichend Geld und da sei doch eine 'Mobilitätspauschale' schon mit drin, auch wenn die natürlich übliche Bewerbungsaufwände nicht deckt. Das trifft die Engagiertesten, in einer Zeit, wo Arbeitgeber erwarten, daß Du mal eben kurz z.B. nach München fährst; und das Innovations- und Servicegeschwafel im staatlichen Rundfunk von Chancen spricht, daß es so nicht gibt.

Hernach muß der Bewerber zurück zur Bundesagentur, und mit der zuvor aufgeladenen Geldkarte am Automaten den Betrag für die Fahrkarte ziehen.

*

Die Rückmeldung des Vermittlers auf die Hotline-Anfrage dauert (man muß Personalrefernt(inn)en verläßliche Zahlen nennen, also keine hoffnungsvollen Annahmen die nicht der Realität entsprechen) 1-3 Tage. Mit Außenstelle geht nochmal zirka 1/2 Tag drauf, und Mittwochs ist dort kein Publikumsverkehr - garantieren kann der Bewerber seinem Gegenüber also kaum etwas, und wer typischerweise am Montag eine Anforderung hat, kann in der Regel frühestens zum Donnerstag nachmittag zum Vorstellungstermin antanzen. - Vermittelbar ist das Personalrecruitern nicht, und versucht man es, ist die Darstellung so komplex, daß sie wie in B5 aktuell oder BR alpha vorgelebt, von "Ausflüchten" ausgehen.

Nun ist der Arbeitsmarkt oft kurzentschlossen, oder prüft damit Bereitschaft - wer wirklich will, setzt sich eben gern zuweilen auch mal in den nächsten Zug nach München, sofern sie/er sich das leisten kann. Eine Reaktionszeit von 3 Tagen gilt als Schwäche, und der leidige Umstand wirft ein negatives Licht in praktisch jedes Bewerbungsgespräch - wie nicht anders die Frage, ob beim Antritt einer Beschäftigung denn die dann nötige Monatskarte übernommen wird, was ein weiteres Hindernis wäre. Neben der Beantragung von Krediten zur Überbrückung der Lebenshaltungskosten (Zeitarbeitsbranche zahlt idR. Lohn zur Mitte des Folgemonats, worauf doch einige Vermittler ignorant reagieren).

*

Die Alternative (man tritt dem Arbeitsamt gegenüber in Vorleistung) bedeutet diesen vorgreifenden Antrag beim Amt; man reicht ihn samt Fahrkarten-Original und Bescheinigung der Nichtübernahme postalisch ein, und die Überweisung wird im Schnitt nach 4-6 Wochen folgen; d.h. die 20-30€ nach München pro Bewerbung werden frühestens im nächsten Monat erstattet. Wer fleißig ist, oder wo eine Bewerbung je einen Vorstellungstermin bei Zeitarbeit und Auftraggeber zur Folge hat, dem stellt sich hier ein peinliches Erklärungsproblem, denn die 2. Fahrkarte kann man sich nicht auch noch absparen.

Zu häufiges Bewerben wird im Jobcenter vielerorts als "Auffälligkeit" gewertet - es kommt einem zuweilen vor, als ob sie meinen, ein Vorstellungsgespräch könne doch nur direkt zur Einstellung führen (weil die Lokalzeitung so tut, als ob die Wirtschaft händeringend nach arbeitswilligen Menschen suche, während wir aber Massenarbeitslosigkeit haben). Sich zweimal bewerben in München in kurzer Zeit kann zu einem Kommentar führen wie "daß da endlich mal was geht" als ob die erste Chance vom Bewerber 'vermasselt' worden sei. Auch liegt nahe, zu unterstellen, man bewerbe sich nicht in anderen Bereichen, wo es doch reichlich freie Stellen gäbe, die aber in der Realität nicht existieren. "Wissen Sie, es gibt bei ALG2 keinen Berufeschutz..." - "Nein, ich vermeide keine anderen Stellen, aber es gibt praktisch nur in Callcentern freie Stellen wenn man im Handwerk nicht gut reinpaßt/sie einen dort nicht nehmen; und das sind schon die unangehmsten Jobs, Sie können mir also wirklich glauben..." - "Ja, aber das gibt es da nicht, Sie müssen sich auf alles bewerben..."

Da es keine Gewähr für Kostenübernahme gibt auch wenn das Formular korrekt vor Entstehen der Kosten auf der Hotline erbeten wird, andererseits das Procedere so verletzend sein kann (manche erlebten gar negativ darstellende Kontrollanrufe des Jobcenters bei den Firmen), ziehen es Viele vor, sich nicht mehr in der nahen Großstadt zu bewerben. Oder nur pro forma, um Nachweise zu haben über Eigenbemühungen, aber ohne Absicht, dorthin zu fahren. Ihr Ausweichen bei dem Vorschlag eines Vorstellungsgesprächs belastet wiederum die Ressourcen der HR-Abteilungen, und bestätigt jenen falschen aber von diversen Medien eben gestreuten Eindruck, die Betreffenden wollten doch einfach nicht. Es ist irgendwann eine Eigendynamik; zu Beginn möchten viele sehr gern nach München; irgendwann lassen sie dann die eigentlichen Gründe weg, weil die so schwer darzustellen sind gegenüber den einfacheren Schlüssen.

Also geben sie vor, noch einen Termin zu haben am nächsten Tag, und natürlich auch übermorgen... Für den Recruiter muß das natürlich aussehen wie eine Ausflucht; der wahre Grund kommt meist nicht zum Ausdruck, deswegen dieser Blogeintrag hier.

*

Bis vor wenigen Jahren gab es eine Regelung, am frühen Morgen um 7:30 Uhr bei einem sog. B-Team des Arbeitsamts zu erscheinen, und eine DB-Fahrkarte (optional S-Bahn Haltestelle) 'live' zu erhalten. Die Möglichkeit wurde genommen, weil als 'zu großer Aufwand' empfunden. 'Angenehm' war das zwar auch nicht, aber das erwartete auch niemand, und es erlaubte, ein Erscheinen zum Mittag des Folgetags garantieren zu können.

*

Über die Zeit erleben Sie Mißverständnisse.So wird etwa Ihr Vorschlag, auf gut Glück vorbeizukommen (weil Sie keine Antwort erhielten auf eine Anfrage auf der allgemeinen Mailadresse, und die Zeit knapp wird bis zum Vorstellungstermin, mitunter nicht als Frage gesehen wo Sie auf kurzes Placet warten, und "nicht erschienen" notiert. Kämen Sie ohne Anmeldung, wird dies von Vielen als negativ ausgelegt - das Jobcenter Augsburg hat in der Sachbearbeitung jüngst "gepanzerte" Zugangssperren eingerichtet; was der Situation völlig unangemessen ist, da die Menschen höflich fragten, aber keine Antwort bekommen wie nun das genaue Handling aussähe, und weil auf der allgemeinen Emailadresse, an die sie sich wenden sollen, die Zuschriften einfach aus Dreistigkeit unbearbeitet gelöscht werden. - Es sind aber simple und konstruktive Fragen gewesen: "können Sie mir kurz sagen: wie ist dafür das Handling? Ich soll übermorgen um 10:00 Uhr in München sein zum Probearbeiten, kann mir aber die 34 EUR zum Monatsende nicht leisten.".

Die Vorabkasse für Bewerbungskosten sei nur für absolute Notfälle und nicht "ständig" (1-2x/Monat), sie meinen es natürlich nicht so - Sie aber hatten längst nach Alternativen angefragt, und erfahren letztdoch doch erst im Rahmen eines Tadels, daß eine Überweisung vorab durchaus möglich sei. Doch was soll die bringen, wenn die Anbahnung der Bearbeitung alleine schon mehrere Tage dauert wo Sie nicht wissen ob Ihre Email denn tatsächlich weitergeleitet wurde, und 3 Tage später auf der Hotline erfahren, daß nichts vorläge? Wenn es aber den Vermittler erreichen sollte, der es an die Sachbearbeitung weiterleitet die es anweist (1 Tag), dauert die Überweisung dann noch 3 Tage. Können Sie im Ernst einem Personaler der freien Wirtschaft vermitteln, 8-10 Tage Vorlaufzeit zu brauchen für einen Vorstellungstermin, oder den Probearbeitstag? Dann ist der Auswahlprozeß längst rum.

*

Ein wichtiger Grund also, warum viele Bewerber - darum gebeten, doch gleich mal vorbeizuschauen zum Kennenlernen wo sie doch wohl eh kaum feste Termine haben - herumdrucksen, ist neben dem Aufwand und der Unsicherheit, nicht selten auch die Sorge man bekäme Ärger, wenn man zuviel Mühewaltung des Amts in Anspruch nähme. Die Erwartungen vieler Zeitarbeitsfirmen sehen zuweilen auch vermessen aus, etwa, daß man auswärts zum Tag der Offenen Tür eines Unternehmens kommen könne...

Dem Jobcenter fehlt es hier an Richtlinien, einschätzen zu können, was ernsthafte Angebote sind, und was nur Werbung wie etwa im Falle der McDonald's-Kette, die sich bei Eliten gerne darstellt als Garant sicherer Arbeitsplätze, sodaß jeder dort arbeiten könne so er denn nur wolle - wo aber in der Praxis Bewerber oft diskriminiert werden, und junge Dinger Rosinenpicken anhand der Photos. Der stellensuchende Mensch hat den Eindruck, daß egal wie sie/er handle, es ja doch nur wieder antisemitisch gegen ihn gekehrt werden wird. - Demgegenüber muß erwähnt sein, daß viele Vermittler und Sachbearbeiter selbst (jenseits des beim Einweisen, und in der Berufsausbildung mitbekommenen Schmarrens) sehr bemüht sind, und dann auch frustriert + unfair behandelt, weil die andere Seite nicht mehr zeigen kann, das zumindest auch etwas anzuerkennen. So wird es eine Eigendynamik = trifft auf beiden Seiten die Falschen, und Engagiertesten.

*

Sofern Sie möchten, können Sie gern Feedback senden. - Ich hab etwas Sorge, evtl. in eine falsche Richtung zu kommen. - Ziel war es, jene Dynamik offenzulegen, die selten angesprochen wird, welche Referenten aber auch oft sehr nervt. Haben Sie schonmal am Tag des Vorstellungstermins kurz etwas nachgefragt 'beim HR'ler'? - Richtig, Sie werden ihm die Befürchtung verschnupft anhören, hier kündige wieder mal jemand seinen Termin auf. - Weil ebendas so häufig vorkommt!

Von vielen Bewerbern im Sektor 'Hartz-IV' hab ich selbst keinen guten Eindruck, und als ich einmal Mitsprache bei Personalauswahl hatte, bewahrheiteten sich bei den Meisten die üblichen Vorurteile. Doch oft wurde spürbar, daß sie vorher einmal entmutigt worden waren.

Das alles hier mag der Wahrheit dienen, bringt aber häufig nichts, weil Bewußtsein allzu oft einem 'sich-gehen-Lassen' gewichen ist. - Blogs dieses Typs leisten vielleicht etwas Grundlagenarbeit, und erklären nervige Dinge; aber es ist zweifelhaft, ob das am Ende wirklich einen Unterschied macht, und sie ausreichend verlinkt werden. Was ich über Jobcenter-Szenarien schrieb, ist ein Schnitt durch Erfahrungen von etlichen Bewerbern, also zusammengetragen, und deckt sich großenteils mit meinen. Ich unterstelle nciht schlechte Arbeit, aber es ist ein Klima, wo Leute zu schaden kommen können, weil Vorurteile regieren. Auf beiden Seiten.

Oct. 15th, 2011


[info]not_really_goth

Das vorbildliche Callcenter

Meistens sind Vorstellungstermine in München angenehm. Nieten schließt das natürlich nicht aus. Und so war's heute denn mal wieder an der Reihe. Es hat humoristische Züge, deswegen hier in meinem Tagebuch.

*

Kurz vor 9 Uhr morgens eingetroffen nach 2 Stunden Fahrt - auf in's Besprechungszimmer!

Vorab noch dies: Wenn Sie Telefonisten für Geschäftskunden als Bewerber kennen: unkompliziert, stets freundlich, keine schrägen Töne egal wie vermessen ihr Gegenüber. Einschätzungen behältst Du für Dich, nur selten brichst Du Reinhören vorzeitig ab, und wenn > es auf Deine Ausrichtung schiebend (etwa Akquise Richtung IT und nicht allgemein wo Du weniger gut ziehst) - nur eben keine Kritik. Auch hier nicht, und dabei würde es bleiben.

*

Die Abgrenzung von "herkömmlichen Callcentern" war etwas gar dick von ihm und der Kollegin, mit der ich den Termin vereinbart hatte, aufgetragen worden. Im Hintergrund siehst Du den obligatorischen Präsentationsblock irgendeiner Schulung neulich - oben steht groß "wollen", und dann "können" drauf, ein Pfeil zeigt nach unten... am liebsten würdst Du gleich wieder gehen weil diese Schuppen kennst Du nur allzu gut -> Leute belieben auf Basis neoliberaler Versatzstücke abgeguckt aus BR alpha die Welt zu erklären. Qualität ist dann beliebig, denn "so einfach ist das" doch, unternehmernah zu sein, Probleme lösen sich so von selbst. Oder auch nicht. Indem manche aber über unsere Branche allgemein - wie es da zuginge! etc. - urteilen, sind sie nicht anders als jene Läden?

Sie haben auch einen netten Verhaltenscodex, womit sie sich abgrenzen und in dem so ziemlich alles abgedeckt ist. Man garantiert einen sexuell neutralen Arbeitsplatz, ohne Politik und Diskriminierung aufgrund Rasse/Religion etc. Und jeder Mitarbeiter beherzige das. -

Der Personaler sagt, es täte ihm leid daß Du über Zeitarbeit kämst, was aus seiner Sicht "modernes Lohndrückertum" sei und er so gar nicht abkönne (er outet sich als "Linker der mit der Zeit immer konservativer" werde, wie eine Art Evolution wie sie heute als Milchmädchenrechnung für die Karriere gilt, oder das Reifen einer Generation). Was ihn offenbar nicht daran hindert, über Zeitarbeitsfirmen zu suchen. Na schön, da bin ich also 4 Stunden unterwegs, um mir das sagen zu lassen?

Ich frage allgemein wegen dieses Verhaltenskanons der beeindruckend sei (ein Kompliment als Teststreifen), und es rutscht ihm raus, daß man zuweilen schonmal gern "Schwulen- und Negerwitze" fallen lasse: aber das sei halt nicht rassistisch gemeint, und gehe in Ordnung... :'

Gut ist, daß er explizit wünscht, ich solle nach einer Stunde offen sagen, ob ich mir die Tätigkeit zusätzlich zum ausgedehnten Pendeln vorstellen könne. Darauf werde ich später zurückkommen.

*

Nun also eine Stunde mit in Gespräche hören, und später in der Woche nochmal vorbeischauen, um ganztags Probe zu arbeiten ob man in's Team passe, "für uns natürlich kostenlos". Das heißt unausgesprochen Du sollst also nochmal knapp 30€ Fahrt dafür spendieren, was Dir niemand erstatten wird. Ich kenne es andersrum: Callcenter die wirklich Personal selektieren haben eine gesunde Neugierde, wie der Bewerber wohl am Telefon sei, die brennen drauf rein schon aus professionellem Interesse, und weil es eben die Spreu vom Weizen trennt. Aber das ist hier egal?

Ich werde einem als sehr gut eingestuften Geschäftskundentelefonisten vorgestellt - auf dessen Schreibtisch allen Ernstes die Bildzeitung liegt!

Der Gesprächsleitfaden ist sehr einfach, und wird dem Anspruch anders zu sein nicht gerecht. Mich erwartet nun das Grauen eines jeden früheren QM-Mitarbeiters. Diese Ärztin z.B. regt sich von allen Kunden am meisten (oder besser, überhaupt einmal, denn die meisten Sprechstundenhilfen stellen Werbecalls offenbar durch!) auf, weil er nach ihrem definitiven "Nein!" 5x weiter nachharkt (bis 3x ist in der Branche Standard). Er merkt es nicht und meint sie müsse sich doch wohl für "multimediale Wartezimmerkonzepte" interessieren. Viel mehr hat er auch nicht zum Runterspulen. Das spricht Mediziner natürlich nicht unbedingt an. Ärztin: "Hören Sie..." - "Aber Firmenname hat doch..." - "Also wissen Sie, was soll das..." - "Firmenname gibt Ihnen innovative..." - "Ich hab Patienten, und keine Zeit...!!" - Er unfreundlich: "Ok, dann eben auf Wiederhören!" gefolgt von einem "Die wollte nicht!" in meine Richtung. Ich sitze als Ex-Trainer, den man zugunsten solcher Leute in die Arbeitslosigkeit feuerte, also nun leidend neben diesem Rindviech. Dabei hatte ich vor dem Termin deutlich signalisiert, daß ich QM-Hintergrund hab und wo ich mich ungefähr sehe, auch wenn ich etwas weiter unten wieder einsteige. Das war also nun das Beste, was sie im Haus hatten, und würde mir anfangs wohl vorgesetzt sein?!

Eine Sprechstundenhilfe läßt wissen, unsere Telefonanlage sei wohl falsch eingestellt, "entschuldigen Sie aber es ist so furchtbar laut bei Ihnen im Hintergrund!". Auch Dir platzen bald die Ohren beim Zuhören, regeln läßt sich das wohl nicht. Die klapprigen Headsets haben offenbar auch kein Mikrofon, das Hintergrundgeräusche unterdrücken könnte. Ich will gehen, aber da ich nunmal arbeitslos bin, muß ich auch bei Eigenbemühungen [selbst Gesuchtes, nicht vom Arbeitsamt] vorsichtig sein; nicht daß sie einen später beim Jobcenter hinhängen, soll ja vorkommen.

Nach 25 Minuten frage ich vorsichtig nach, ob ich auch noch bei anderen mit reinhören könne, um verschiedene Eindrücke sammeln zu können. Es kommt halbwegs gut an, aber dauert eben. Während ich warte kriege ich mit wie Leute in anderen Büros dort so telefonieren - oh weh, etwas gar steif! Das kann zu 4 Stunden täglicher Fahrtzeit gesellt wirklich auf die Nerven gehen, und ich hab eben Burnout hinter mir. Es mangelt hörbar an Coaching.

*

Am Ende seile ich mich nach etwas über 1/2 Stunde vorzeitig ab, indem ich dem Projektleiter (der mich verkabelte; ich erfahre seine Funktion erst jetzt, er wurde mir nur beiläufig als "Herr ..." vorgestellt, und sie haben wohl keine Teammanager?) offen sage, daß es auf meiner Seite nicht paßt.

Es ist ihm etwas gar peinlich nach so kurzer Zeit. Er lädt mich ein, man könnte sich im Vorzimmer offen austauschen, wo Qualitätsengpässe seien; es ist scheint's bekannt, denn rentabel laufen diese Kampagnen sicher nicht.

Wir sitzen also dort, kurz angenehmes Gespräch "unter QMs" begonnen, und das Maximum was Du wagen wirst ist auf die Gesprächseinstiege hinzuweisen, ganz vorsichtig. Doch dazu kommt es nichtmal, der Personaler platzt förmlich rein: Was das bitte jetzt noch solle, ich möge gefälligst sofort gehen, das habe keinen Wert. Darauf sage ich ihm, nur freundlich dem Wunsch des Projektleiters gefolgt zu sein, Feedback zu geben, um mich auf die Weise höflich zu verabschieden, wie es sich gehört. Allein, er fällt mir dabei zigmal harsch ins Wort. Der Projektmanager guckt beklommen, er ist von seiner Position her offenbar nicht ausreichend aufgestellt, hier seinen Gesprächswunsch zu "verteidigen". Und sowas spricht Bände.

Jetzt wo es also egal ist (bitte: sich ohne Grund rauswerfen lassen, das wäre das Schlimmste, denn Du würdest bestätigen das sei notwendig, und dafür gab es absolut keinen Anlaß), kann ich es mir erlauben, und sage dem Personalreferenten schneidend und bestimmt, daß er offensichtlich die Etikette nicht beherrscht, und ich mit solchem Verhalten nichts zu tun haben will. Er wollte erst unentschlossen weil verdutzt noch was entgegnen, aber ich hatte ihn schon stehengelassen und war praktisch aus der Tür.

Während dieser vllt. 2 Minuten lukten andere Kollegen (als die ich kennengelernt hatte) neugierig um die Ecke. :D

Das lernen Sie in der Branche: Es geht hart zu in solchen Callcentern, Personaler werfen z.T. wider jeder Vernunft alles in einen Topf, und sie feuern entsprechend. Sie sollten sich sowas nicht bieten lassen, derart disrespektierend behandelt zu werden. Die unangenehme Kiste war hier letztendlich gut gelöst.

*

Soweit dazu. Ich bin froh, mir 4 Stunden/Tag Fahrtzeit für sowas zu ersparen.

Werd mich weiter in München bewerben. Ich mag Frühsport auf Rolltreppen mit Überholspur etc. was mir in Augsburg so sehr fehlt - und hab Lust, als Kontrast die Teile der Münchner Branche kennenzulernen, von denen sich jenes mittelständische Callcenter abgrenzte.

__________________
(der Eintrag ist von gestern abend/6. Juni)

Jan. 1st, 2012


[info]not_really_goth

Callcenter und Ideologie

Das hier war für zirka 3 Jahre ein nicht geplantes Ausnahmeprojekt. Viele Kolleg(inn)en und Unternehmen leiden unter mittlerweile teils unwirklichen Bedingungen in der Callcenterbranche, wie Preisdruck, Spamming und illegalem Wettbewerb, der sich mit "innovativ"-ideologischer Phrasendrescherei verkleidet - aber es ist eben ein Tabu. Irgendwann kommt es dann zu ersten kritischen Weblogs über die Zustände im Markt, meist zufällig.

Die Unternehmen können oft nichts für diese - Callcenter werden politisch herumgereicht, und benutzt, von verschiedenen Seiten. Es gibt kaum Spielraum, etwas zu thematisieren; das spiegelnde Parkett gleicht einer Eisfläche, wo fällt wer nicht alles positiv zeichnet, das andere ist eben nur negative Energie. Der Staat ist ~gelähmt, von da kommt teils nichts außer Augenwischerei, und allzu häufige Konsumenten die daran festmachen, und den Aufwand hinter Produkten nicht sehen. Populistisch auftretende Verbraucherschutzverbände. Wer ein Herz hat, weiß, welchen Druck viele Callcenter-Unternehmer von ihren Mitarbeitern abhalten, was teils gar nicht gesehen wird. - Manchmal muß man all dies aussprechen, weil es längst nicht jedem bewußt ist.

Sie sind verschwiegen wie jeder Telefonist im Geschäftskundensektor; hier wurde so jemand mal von seinem Arbeitgeber in eine üble Situation gebracht, wo nichts anderes blieb als Offenheit. Wie, das können Sie in der Hintergrundgeschichte lesen.

Thematisiert werden nicht unbedingt Callcenter allgemein, sondern Schwarze Schafe, mangelnde Aufsicht durch Staat und IHKs, Auswirkungen zumal auf die Zeitarbeitsbranche, uvm., eben Probleme einfach angesprochen. Input von Kollegen und über sie von zahlreichen mittelständischen Callcentern, natürlich anonymisiert. Ein Rundgang durch den Wahnsinn von zuviel Ideologie im Markt.

*

Dies kleine Log hat hunderttausende Besucher angezogen, und Autoren nutzten das Material als (nicht zitierte) Vorlage. Viele Mitarbeiter der Bundesagentur schauten vorbei und konnten sich meist doch nicht überwinden, den Link wenigstens gefahrlos distanziert weiterzugeben nach oben. Sichtbar allein an gehäuften Besuchen über Verlagsserver etwa, mithin etwas unheimlich das Ganze. Dank dem Spiegel haben Leute auch Vorbehalte wegen ihrer IP, wenn Sie sich verbinden. -

Ein großes Problem für solche Publikationen ist, daß welche meinen, neoliberales Ideologiegehüstel werde "von ganz oben" gewollt; Sie kennen die Verschwörungstheorien. Alles Mögliche ist angeblich Folgeleistung und konservativ oder hierarchisch legimiert, sodaß jede kleinste Frage als Aufmüpfigkeit ausgelegt werden kann, und das Mobben der Karrierezicken ganz unten allzu einfach macht. Es sei also vorgegeben um Menschen Arbeit und Motivation zu garantieren, Auffangbecken z.B. für Ex-Bologna-Studenten. Qualität wäre egal solange man nur 200x am Tag beanspruche, "jung dynamisch & innovativ" zu sein - Programmentwurf für gewünschte Läuterung der Gesellschaft. Wer resultierendes Mobbing dann kritisiert werde nur im Gegensatz zur Elite gesehen und sei damit eh unmöglich+erledigt, denn "die da oben" glaubten doch fest daran, daß Innovationsgetue verläßlich Zeugnis ablege von Bereitschaft und Bemühen, eine bessere Person zu werden. - Zuviele Leute trauen sich dann nicht, Seiten im Netz zu verlinken, und Emails bekommst Du verschwindend wenig dazu.

Ironischer Weise haben "die oben" sicher kaum was damit zu tun. - Überzogene Ideologie ist vor allem eine Eigendynamik von Unsicherheiten unten. Auch eine Blase von Medien wie B5 aktuell, BR alpha, und der Augsburger Allgemeinen, die das Getue dort etablierten. Das wird sich irgendwann erledigen, führte es praktisch nur zu Chaos und schlechtem Verhalten, was sicher oben in der Form ewig nicht geduldet werden wird. Zuviel gute Kräfte gehen ins Ausland - angesichts hunderttausender sinnlos weggeworfener Existenzen, die mit beschädigten Lebensläufen als Sündenbock der Gesellschaft auf ALG oder Armutslohn sozialistisch restverwertet werden, fühlt man sich nicht mehr sicher, im eigenen Land Energie und viele Jahre Fleiß in eine Karriere zu investieren. Und der Pöbel verlor über die Milchmädchenrechnung bequem wiederholter Ideologie das Gefühl dafür, was wirklich durch eigene Arbeit nur verdient ist, für's Preis-Leistungsverhältnis und wie sich Leben organisiert.

*

Für Dich kleines Wesen sieht es so aus, daß Du jetzt irgendwann wieder als Callcenter-Mitarbeiter einsteigen wirst, und da kann man keinen Blog weiterführen, den Leute mitunter als "Callcenter Confidential" überschreiben werden, ohne daß es darum ginge. Was Sie hier finden, war bedingt und geprägt dadurch, daß heute Wenige die Sorgen Vieler ausdrücken müssen, dazu förmlich gezwungen werden.

Suchabfrage für meine Blogs (nur öffentliche Posts)

__________
Posted on Jul. 8th, 2011 at 02:29 pm

Jun. 28th, 2011


[info]not_really_goth

Dubiose Stellenangebote - vorm Polizeipräsidium... :D

Normalerweise sind solche Sachen ja in kleinen Lokalzeitungen, die nicht viel prüfen. - Hier hat eine Firma, welche unsere Stadt seit Monaten mit Werbung frequentiert, gewissermaßen den Vogel abgeschossen, indem sie nun mutig beim Haupteingang der Polizei wirbt. %) [Nr. 6-13]

Album

Es ist immer die gleiche Firma (freilich ohne daß sie genannt wäre), mit jeweils leicht anderer Beschreibung/Rufnummer. Wenn Sie da anrufen, kommt vllt. auch diese nichtssagende Voicebox, und ein paar Tage später wie bei mir um halb 10 am Abend ein Rückruf von 'nem ungefähr 18-jährigen Knaben; neoliberales Geschätz und im Hintergrund TV. Angeblich eine Immobiliensache, sicher Provisionsbasis/Pyramide, denn er will Namen und Firma nicht nennen. Wie dem auch sei, hier in Augsburg reden die Leute drüber, weil diese 'Deppen' seit Monaten händeringend Personal suchen, aber "irgendwie niemand will"...

Das beschreibt einen Teil des Klimas. Es gibt hier in Augsburg kaum freie Jobs, die Unsicherheit vieler Menschen schlägt um in Vorurteile, die Betroffenen seien eben wohl selber schuld, sodaß es einem selbst dann nicht passieren könne, arbeitslos zu werden. Einschlägige Inserate spielen damit, zwischen Motivationsmasche und Euphemismus. Der soziale Frieden leidet drunter, wenn Zynismus und das Getue, andere wollten nicht arbeiten/unendliche Chancen würden mangels Antriebs ausgelassen, allgegenwärtig werden im Städtebild.

Apr. 16th, 2011


[info]not_really_goth

Zeitarbeitsmesse in Augsburg vom 12.4.2011







Am Dienstag fand in den Gängen des Arbeitsamts hier in Augsburg wieder diese kleine Messe statt, bei der Arbeitslose "die Gelegenheit bekommen", Zeitarbeitsfirmen anzusprechen.

Normal eigentlich nur eine gute Sache, wäre da nicht das Problem, daß jeder Arbeitssuchende selbst eh schon alle möglichen Adressen zigmal abgeklappert hat (sodaß doch etwas Understatement angebracht wäre). - Indem das Jobcenter die Teilnahme verpflichtend machte, fühlten sich Viele behandelt, als ob man ihnen eigene Bemühungen irgendwie in Abrede stellte. Dementsprechend fielen denn auch ihre Kommentare aus, Grobes wie "Verarschung" (daran ist aber vor allem eine große Lokalzeitung schuld, die von Chancen spricht welche es nicht gibt, und Arbeitslose in unserer Region förmlich abstempelt als "selber schuld" oder "Schmarotzer", so in die Richtung).

Die es wirklich ankratzt lassen sowas nicht fallen. In dem Klima sicher auch keine einfache Sache für die Personaler an den Ständen - Du spürst die Anspannung der Mitarbeiter, Bewerbertypen zu unterscheiden. Abgesehen von einigen arroganten jungen Dingern die etwas fehl am Platz waren, meist sehr freundlich und bemüht. Neben Dir steuert eine deutschrussische Bewerberin mittleren Alters den Stand an: "Äh hallo, ich suche Arbeit, und - ja!!..." als ob jetzt die andere Seite bitte springen möge/Anspruchshaltung. Die netten Arbeitssuchenden holen sich Visitenkarten, und schicken die Bewerbung per Mail, wofür die Berater dankbar sind - aber das wäre eben auch ohne dem Event der Fall. Ich hab beim letzten Nachfaß einzelne Firmen ausgelassen, damit ich (durch Kontakte die aufgrund der Messe ;) zustandekamen) belegen kann, überhaupt dagewesen zu sein. -

Die Teilnahme war wie gesagt verpflichtend für alle ALG-Bezieher, und mit Sanktionen für den Fall unentschuldigten Fernbleibens gedroht worden. "Beweis" fürs Erscheinen ist, daß ebendieser Schrieb den man per Post bekam am Empfang "abgegeben wurde". Dort aber hatten Mitarbeiter keine Ahnung, wozu das gut sein solle, denn sie waren nicht informiert worden! Es gab dann Leute, die mit dem Brief wieder nach Hause wanderten; und ob Ihrer nun auf dem richtigen Papierstapel landete? - Nach der Weihnachtsaktion ist's jetzt schon das zweite Mal in wenigen Monaten, daß diese Frage aufkam: ob sowas Leute in Schwierigkeiten bringt, bzw. in die Richtung, ihre Versicherungsleistung zu verlieren. Und das übrigens der einzige Grund, warum ich über das Event blogge.


Viele Besucher(innen) zogen es vor, nach 10 Minuten wieder draußen zu sein, auch wegen des schlechten Klimas. Die Arbeitslosen mußten sich schließlich bei Firmen vorstellen, wo ihre Datensätze seit Jahren schon liegen und sie spätestens vierteljährlich wieder neu anfragen, weil man nie was hört; denn mit Datenbanken umgehen ist nicht unbedingt die Stärke vieler Firmen der wilden Branche. "Ich weiß zwar nicht warum ich hier bin, aber tun wir alle mal so als ob wir uns noch nie beworben hätten und nun die Chance unseres Lebens bekommen *LOL*?!" - das würde jenes Klima vielleicht am ehesten beschreiben.

Den meisten Zeitarbeitsfirmen war deutlich anzumerken, daß es ihnen viel ausmachte, wie wenig freie Stellen es in Augsburg tatsächlich gibt, und was für Erwartungen das Event als Ganzes hier wohl weckte. Denn abgesehen von melancholischen Arbeitslosen, die vergleichsweise anspruchslos sind, müssen Sie diese hochmotivierten mit all ihren Bewerbermappen "und Schlag-mich-tot"-Kniffen fast unfreundlich runterbringen: daß es derzeit in den meisten Bereichen absolut nichts gibt, egal wie überschwenglich sie auch rumhüpfen mögen. Eine (etwa in Form von ehrlichen Andeutungen in der Zeitung) -> Anerkennung des Umstands, wie schwierig das Geschäft in den letzten Jahren doch geworden ist, und daß man sich schon mit dem Vermitteln von dubiosen Callcenter-Jobs über Wasser halten muß... die aber mit ihrer unverschämt hohen Fluktuation nichts einbringen außer viel unbezahlten Aufwand - und ein schlechtes Gewissen geben.

Doch hat die Arbeitsagentur heute noch den Spielraum, solche Signale zu setzen, ohne politisch unter brutalen Druck zu kommen? Freilich würde es das Klima entlasten, und was Mitarbeiter auf allen Seiten so aushalten müssen. Nur zweifeln Viele intern: Kommt dann auch was an Unterstützung zurück, um den Vorstoß abzusichern gegenüber jenen Typen, die meinen mit einer Stadt umspringen zu müssen wie mit einem Fußball, den man irgendwann wegschmeißen kann?

Eine bezeichnende Erscheinung war auch jener grimmig-bärtige Typ von dieser Obdachlosenorganisation - Augsburger Leser kennen den sicher aus der Fußgängerzone - der kackfrech ohne Stand ihre Sicht der Dinge (Bürokratie habe Menschen wohnungslos gemacht) und ihr kleines Magazin präsentierte. :D


Ich möchte hier nicht urteilen, sowie nur zeigen wovon man heute nicht mehr spricht. In jener Zeit wo allzusehr mit abgegriffenen Phrasen wie "jung-dynamisch-innovativ" und diesem überheblichen Aufschwungsgetue rumgeworfen wird, weil das doch Geschäftsetikette sei "irgendwie" (oder man dann für die "Karriere" sagen kann, daß jeder der nicht so übertreibt doch negative Energie in's Team bringe und gemobbt werden müsse - aber das wäre wieder ein anderes Thema). -

In Blogger-Manier mein persönlicher Beitrag mit den Photos. Ich wollte die Videokamera der 'PR-Menschen' von hinten, um zu zeigen wie diese Welten hier aufeinanderprallen und Realität mitunter verwischt durch Selektion im Sucher. Die jungen Damen standen rechts vom Empfang, zwei Meter entfernt zum Eingang, wo Mädels Flyer und Werbetaschen verteilten (wer "irgendwie anders" aussah wurde sicherheitshalber ausgelassen). Und da standen sie, fein-kompetent mit Händen gestikulierend, davor jobsuchende Seelen. Hinter mir ein normaler Schalter des Arbeitsamts und Gedränge - es reichte deswegen nur für die zwei flüchtigen Schnappschüsse, aber sie wurden recht gut - finden Sie nicht auch? :>


_______________
Die offizielle Darstellung gibt es hier.

Wenn Sie nun wissen wollen, wie der Eintrag oben vor allem gemeint ist: Als Bestandsaufnahme, um einmal die nüchterne Realität zu zeigen, weil ebendas heute fehlt. Das ganze Gemecker irgendwelcher Leute hier hat nur zu einer Situation geführt, wo den Unmut dann - auf beiden Seiten - die Falschen abbekommen. Der Spielraum für Verändeurngen ist begrenzt. Das zu thematisieren war die Motivation zum Text. (2. Fassung 17.4./16:45)

Feb. 10th, 2011


[info]not_really_goth

Herzlose Stelle der ARGE nutzte Weihnachten, um Leuten ALG zu nehmen?

Kurz vor Weihnachten gab es diese Aktion des Arbeitgeberservice der ARGE in Augsburg: Man hängte im großen Stil Plakate aus, und wenn die Gerüchte stimmen, verbreitete sich die Kunde Richtung Lokalpolitik (was es auch sollte), daß man hier Arbeitslose "reintegriere". Beherzt und herz-los liegen heutzutage mitunter nahe. Viele beanspruchen lediglich das Gute, der Unterschied ist nur schwer noch auszumachen und Leute haben keine Zeit/Nerven dafür.

Arbeitgeberservice? Du wurdest gelegentlich von Damen angerufen, die Dir Callcenterstellen in einschlägig bekannten Schuppen nahelegen würden, aber mehr so als wolltest Du nicht. Die Calls waren grauenhaft (Urteil eines Callcenter-Trainers). "Sie wissen also aus dem Datensatz nicht, daß ich wegen Burnout-Syndrom nicht mehr im Callcenter suche?" - "Ja, aber das ist doch eine Stelle oder wollen Sie arbeiten oder nicht...?!!" frägt das Dummchen, als sei wieder mal klar daß die meisten sich um Arbeit drücken.

Noch was: Der Arbeitgeberservice sei auch zuständig für Hinweise auf Schwarze Schafe im Markt - auf Bitte Deiner Vermittlerin rufst Du da vor Monaten an wegen einer Firma. Der Typ fragt dann schneidend welcher Vermittler das war (so als ob der wohl nicht ganz bei Trost sei) und meint die Leute sollten sich ans Arbeitsgericht wenden, so als wüßten sie das nicht. Was die Website der Arbeitsagentur an Eingaben Richtung Arbeitgeberservice der ARGE Augsburg weiterleitet, endet offenbar nirgends; der Herr hat keinen Bock, weil er sowas für bescheuert hält. Zurück zum Thema.


Du staunst nun nicht schlecht, als Dir dieser 9-seitige Brief in's Haus flattert, gequetscht in einen kleinen Umschlag. Von der ARGE kommt mal wieder ein Stellenvorschlag, und es ist kein Callcenter-Job?! :-O


Dokument (889K)


Auf Seite 1 wurde mit einem Marker gewütet. - Wieder so die Geste, als ob da wer sich sonst nicht bewerben wolle - man habe wirklich das Wichtige hervorgehoben und gewarnt vor möglichen Sanktionen.

Ich will nicht auf jeden Kleinkram eingehen, Sie können es ja selber rausfischen. Wenn Sie das lesen kommen natürlich Fragen auf: Irgendwie widersprüchliche Angaben, z.B. zum Führerschein. Klingt vllt. etwas nach "wir wollen nur Ihre Daten!". In der Vermittlungsabteilung der ARGE würde es bald Gerüchte geben, worum es sich dabei handle, und in welcher Geschäftsbeziehung die ARGE als Behörde mit dieser Firma stehe, deren Flyer sie mitversandte?

Aber der eigentliche Kritikpunkt der Vermittler lag woanders: Daß dies Schreiben so widersprüchlich war, daß es die Leute förmlich in die Irre führen würde. - Arbeitgeber ist nun wer: ARGE oder Firma KMS Zeitarbeit GmbH? Beide sind angegeben als Arbeitgeber. Kontaktperson sind zwei Herren vom Arbeitgeberservice - und dann doch nicht weil die Arbeitslosen dorthin den Ausgang ihres Bewerbungsgesprächs mitteilen mögen. Die Gespräche finden aber im Haus der ARGE statt, unter Aufsicht des Arbeitgeberservice. Was, wenn Leute den Zettel mit dem Ergebnis nicht zurücksenden, weil sie meinen, die dort wüßten das doch eh schon? - Der Datensatz wurde im ARGE-Computer außerdem mehrfach editiert - welche Fassung ist an wen rausgegangen, und wie sollen sich Vermittler verhalten bei Fragen, da die Teile alle widersprüchlich sind?

Du rufst beim Arbeitgeberservice an, und die Dame tut auf Deine Frage nach dem "wie wichtig ist der Führerschein/hab ich eine Chance, weil es klingt -mehrfach wiederholt- als ob er doch unverzichtbar wäre" > hin erstmal so tut als suchtest Du nur einen Vorwand, um Dich nicht zu bewerben. "Das ist nicht ausgeschlossen, also bewerben Sie sich!!" - "Ähm, Sie sind als Arbeitgeberkontakt angegeben..." - "Oh, achso, ja, hmmm. [Gewisper im Raum] - Ich geb Ihnen eine Telefonnummer, da rufen Sie an und die arbeiten für KMS und die kann Ihnen die Nummer der zuständigen Dame geben." Es läuft dann in der Tat so, aber die sei grad krank heißt es, und ich möge meine Unterlagen zusenden, die melde sich dann, so würden diese Stellen gehandelt.

Es ist jetzt wo ich das schreibe Februar, und ich hab mich mittlerweile 2x bei KMS beworben - bis heute nichts gehört. Ich wohne übrigens 10 Meter von der Firma entfernt; sie hat ihren Sitz gewissermaßen vor meinem Fenster, ein recht kleiner Schuppen mit Wellblechdach, aber das muß nicht viel sagen.

Dir ist mulmig, als Deine Vermittlerin Dich zwei Wochen später bei ihrem Termin frägt, ob Du denn da warst. Da seien "tatsächlich wohl auch" Leute eingestellt worden (mit der unausgesprochenen Frage, wieviel denn). Hmmm, Du hast dieses komische Gefühl aus alldem -> wer seine Bewerbung nicht per Mail sandte sondern mit normaler Post, oder nur anrief, hat doch keinen Nachweis. Zumal, wer da nicht erschien, war doch gern mal schnell "überführt", sich nicht zu bewerben?


Sie wollen von mir vielleicht eine präzisere Feststellung? -> Daß Leute - vier Tage vor Weihnachten sicher auf dem falschen Fuß zu erwischen - Nachteile bekamen, oder gar aus dem sozialen Netz fielen?

Das wäre zu schnell geschlossen. Denn um sowas sagen zu können müßten Sie tausend Euro in Litfaßsäulen stecken, nur um einige Dutzend Leute zu erreichen. Dabei kommt erfahrungsgemäß doch nie was zusammen! Eine Absenkung des ALG2 wird niemanden umbringen. Aber negative Einträge im Datensatz = "da war doch schonmal was!" - können mitunter rasch weitere Scherereien nach sich ziehen. Manche Beschäftigungsstelle ("1-Euro Jobs") in Augsburg, wo die Leute dann hingeschickt werden, ist berüchtigt, welche wo ihnen die Nase nicht gefällt gezielt aus dem sozialen Netz zu steuern durch die Angabe, ein Fall von Arbeitsverweigerung läge vor. Und im Verwaltungs- und Sozialgericht hier am Ort gehts zu... Wenn Sie die internen Einschätzungen über Arbeitslose kennen, dann kommt Ihnen dies mulmige Gefühl, daß solche Aktionen wie die um Weihnachten herum zu Schikanen führen können, und eines dann das andere rechtfertigen würde - übersehend, daß es die Falschen erwischt.


Ich halte mich da raus, und nach alter Blogger-Tradition an die Fakten. Es wäre nun aber in der Tat eine Katastrophe, wenn sich sowas rumspricht und Leute mehr solche Texte im Netz finden zum Verlinken = Belegen. Wo dann plötzlich doch alles zusammenkommt > Blogs um gemeinsam der Öffentlichkeit das schmutzige Spiel mit den Menschen zu dokumentieren.

Feb. 9th, 2011


[info]not_really_goth

"Der Kunde zeigt Anzeichen auf..." - Alptraum medizinisch-pädagogischer Gutachten

Kennen Sie das, wenn Sie eine Beschwerde einreichen müßten - aber es besser ist, 'Satire' zu schreiben? Denn gegen einen angehäuften Wust an Verdächtigungen läßt sich schwer argumentieren, und sich zu rechtfertigen würde nur als Beschwichtigung erscheinen.

Hier bekommen Sie wirklich alle Details: wie Vermittlung + Bewerbungscoaching heute ablaufen, und wie amtsärztliche Gutachten 'frisiert' werden. Ein Grundlagentext mit Schwerpunkt in Richtung Ethik. Wer wenig Zeit hat, kann direkt zum letzten Kapitel springen.



Über mich


Ich bin 35, Ex-Callcenter Agent/Trainer/Team Manager; wir sind allesamt nette Leute aus den Subkulturen (und andere machen den miesen Job nicht). Ich stellte Legalität vor Karriere, und das bekommt Ihnen heute schlecht, auch wenn Ihre Verkaufsquote immer sehr gut war. Über Mobbing dann ausgebrannt. Die meisten Kollegen gehen nach spätestens 2-3 Jahren genauso, ohne für etwas eingetreten zu sein.

Danach steht man vor dem Nichts: Im Office ist die Konkurrenz durch Uni-Absolventen zu groß, und Zeitarbeitsfirmen sagen Ihnen, daß Sie ein Angestelltentyp sind und eben nicht passen. Wenn Du familiäre Nachteile hattest und deswegen keinen Führerschein, ist der Arbeitsmarkt bodenlos. McDonald's und Burger King gehen wegen des Klimas vielerorts auf Nummer sicher: makellose Lebensläufe stechen, für anderes ist keine Zeit bei 100 Bewerbungen. Man nimmt nur Durchschnittsmenschen mit junger Haut. Umschulungen gibt es nicht. Der Staat will Legalität - hat aber Nichts zu bieten für die, welche es beherzigen.

Du versuchst neben Deinen Bemühungen an einen Broterwerb zu kommen, was anderes aufzubauen. Ich will in den Stadtrat und die Politik, das bedeutet eine Schinderei über mindestens 3 Jahre, bis Du ausreichend bekannt bist. Eine normale Stelle zu monatlich 700 EUR wär Dir wesentlich lieber. Aber da ist einfach Nichts.



Du und die komischen Berichte


Stellensuche würde unter realistischen Vorzeichen unkompliziert sein, wenn da nicht zuviel Sozialpädagogen am falschen Fleck wären, zu denen man geschickt wird, und die Arbeitslose in Berichten an ARGE/Jobcenter auslegen wie ...





Nein, so sehen nicht jugendliche Hiphop-Poser aus, um die es heute in der Regel auch nur gehen dürfte bei moralischen Standpauken - es ist projiziert auf das klassische Feindbild vom intellektuellen "Faulpelz", dem man Arbeit beibringen müsse, und wo dann natürlich in jeden Bericht Tadel gehört. Egal wen man vor sich hat, denn "die sind doch eh alle gleich". lol



Amtsarzt


Jeder ausgebrannte Callcenter-Agent muß erstmal zum sog. Ärztlichen Dienst. Es ist eine Routine-Untersuchung (Kniereflex, Gewicht, allgemeine körperliche Gesundheit, Zähne), bei der Arbeitsagentur. "Ihre Kollegen insbesondere auch aus diesem Callcenter kommen alle irgendwann zu uns." (Dir fällt zunächst ein Stein vom Herzen, denn Du bist immer noch der typische Callcenter-Pusher > "ab in die nächste Kampagne!", entsprechend fühlst Du Dich unwohl.)

Zwischen den Zeilen bedeutet das, man könne intern die Feststellung nicht weitergeben, daß von diesem einschlägig bekannten Unternehmen unverschämt viel Fälle mit Burnout-Syndrom kamen, und dann dem Arbeitsamt auf der Tasche lagen. Es hatte sich längst herumgesprochen, daß von dort stets um die 30 Kündigungsschutzklagen vorm Augsburger Arbeitsgericht lagen.
Fiel das Schweigen den Rechtsanwälten und klagenden Kollegen nicht übel in den Rücken? Haben Amtsärzte Spielraum für Kritik, oder würden die dann in der Behörde 'abgesägt'? - Ebendas geht Dir durch den Kopf, als Du da nun auf der Waage stehst. Ein Signal an die Vermittler gab es doch nie, und so liegt der Schwarze Peter wohl bei den Betroffenen = werden sie dann entsprechend behandelt? Spiegelt doch die Lokalzeitung Arbeitsamts-Mitarbeitern vor, daß dies alles wunderbare Stellen seien, die jeder annehmen könne, sofern er keine Vorstrafe habe. Das ist denn aber bereits auch alles was sie wissen über diesen 'Jobmotor', wo sie jeden hin vermitteln sollen. "Ich verstehe nicht, warum Sie nicht unterkommen, Sie sind 'jung' und haben doch keine Vorstrafe." - praktisch jeder muß sich das anhören.



Arbeitsamts-Psychologe


Doch weiter. Dem folgt dann der Psychologe (auch Routine-"Untersuchung"), ein allerdings 'netter Typ'. Erster Termin ok, aber über was soll man reden? Im Callcenter-Bereich sagen sie, man "macht halt was anderes", eine Umschreibung für: zieht bald nicht mehr so wie Frischfleisch, kann sich nicht den ganzen Tag beleidigen lassen ohne auch mal dezent unfreundlich zu sein, *was auch immer, who cares, der Biß beim Abschluß wird abnehmen*. Aber erwarten Sie bloß keine "psychiatrischen Störungen" oder sowas! Ja, Du kannst zeitweise nicht mehr schlafen und Dein Magen dreht öfters durch, ok Ekzeme, aber eben nicht...

Nur haben ARGE und Arbeitsagentur mitunter wegen der politischen Vorgaben keine Möglichkeit, selber Richtlinien für Callcenter-Burnout zu entwerfen, und was auch immer man feststellt ist dann individuell zu verantworten? Aber wir sind halt Pusher, ich hab als Coach Hartz-IV Leute nach Hause geschickt, weil die mir zu schwach erschienen für den Job, oder zu behäbig. Die halbwegs ehrlichen Psychologen scheinen frustriert. Er gab für meine Andeutungen über dies Problem umgekehrt etwas zurück, indem er sagte, ich müsse mir nicht vorwerfen, legal geblieben zu sein. Die Dinge in der Branche seien bekannt, man könne eben nur derzeit weder seinen eigenen Haushalt schützen, noch die Branche, weil es kein Controlling dieser Art mehr gäbe, und man freue sich über jeden jungen Menschen, der Ethik denn noch berücksichtige. In Berichte darf sowas natürlich nicht. -

Ihm fehlt was zum Kontrastieren, und so frägt er gegen Ende, was Dein Traumberuf wäre. Du sagst, keinen zu haben und nur normal leben zu wollen. Er bohrt 2x nach, und Du gibst dezent an "etwas in Richtung Photographie" - und wischt das zugleich vom Tisch indem Du sagst, es brauche einen Brotberuf weil der Bereich überlaufen ist mit Leuten, die bessere Ausgangsbedingungen haben. Die Abschwächung wird er weglassen, und schreibt (wie Dir ebenfalls vier Jahre später erst zugänglich gemacht werden wird, als Du es erzwingst) Folgendes in den Bericht: Daß ich meinen Traumberuf angesprochen habe, aber... "er ist realistisch genug zu erkennen, daß er zunächst einen 'soliden Brotberuf' braucht und keine Zielrichtung mit ungewisser Zukunft." = Er habe Dich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, nicht wahr?

Aus dem Umstand, wie er es als Beamter anerkennenswert fand, wenn junge Leute in dieser Zeit noch Legalität vor Karriere stellen, und ich wie es sich gehört höflich sagte, daß es einem guttue, sowas zu hören wo man nicht mehr damit rechne (ohne aber auszusprechen: von Seiten des Staates wo sie meist nur alles gegen einen benutzen), macht er später heimlich -> daß es mir "bereits geholfen" habe, "in Ruhe" über angebliche "Probleme" auf meiner Seite zu sprechen und ich dabei "neue Zusammenhänge erkennen" konnte... - also eine "Behandlung"?!

Meine insgeheime Klassifizierung von Herrn R. war ein völlig desillusionierter Beamter, der im Rahmen seines Spielraums nicht ganz so urteilen würde wie seine Kollegen. Ich weiß von einem Bekannten, daß er unter den ARGE-Mitarbeitern galt als "der Einzige, dessen Berichte noch einigermaßen fair" seien im Unterschied zu dem, was sonst so alles käme vom psychologischen Dienst. Sie bedauerten, als er dann in Rente ging...

Ein zweiter Termin später - angesetzt weil das erste Gespräch immer noch nicht genug hergab - wird übel, der Psychologe verspätet sich 20 Minuten. Die Sache ist die: Deine Vorgängerin weinte, und er hat sichtlich Probleme weil er ohne Pause in den nächsten Termin gehen muß nach 80 Minuten sowas. Du gibst ihm zu verstehen, daß man dann besser verschiebt, aber nicht erwarten darf, daß jemand seine Seele auskehrt. Das Signal kommt jedoch irgendwie nicht an, er ignoriert sowas. Du erzählst also unter welchen Umständen Du telefoniertest, weil einzig das bereits alles sagt, etwa: Pulk von 40 Leuten ohne Trennwände, schreiende Hüpfer-Kunden (Gierhammel, die ständig Telefonanbieter wechseln). Was Du aber nicht weißt, ist, daß Du ihm nichts gegeben hast von dem, was er braucht: Den Tadel an Dir, "Fördern und Fordern". Was wohl im Bericht steht? - Erfahren wirst Du es nicht. Es ist auch egal: die Sachen sehen bei allen gleich aus, und die Vermittler wissen das.


Erste Bildungsmaßnahme: Profiling und Coaching bei einer kirchlichen Einrichtung (Junge Werkstatt, Augsburg-Pfersee)


Das kam auf Dein Bemühen hin zustande. Du wünscht einen Kurs für Sachbearbeitung oder BackOffice, irgendwas damit Du nicht zu lange durchgehend arbeitslos bist (in Augsburg gibt's kaum Stellen). Länger als 1/2 Jahr arbeitslos zu sein bedeutet, daß Zeitarbeitsfirmen Dich in der Regel nicht mehr zum Vorstellungsgespräch einladen, weil soviele andere Arbeitslose einfach nicht kommen; es ist eine Faustregel der Zeitarbeitsbranche, und sie schütteln dort selbst den Kopf darüber, daß die Vermittler des Arbeitsamts nichtmal dies wüßten.

Angeboten werden nur Dummchen-Kurse für PC-Einsteiger. Die Vermittlerin bevorzugt eine 'Profiling'-Maßnahme.

Dein Gegenüber dort ist ein "netter Typ". Er erzählt Dir, wie er Sozialpädagoge wurde; war auch langzeitarbeitslos und sagte ihnen irgendwann er wisse nicht was passieren werde bliebe er länger daheim, und fürchte bald seine Frau zu schlagen, sei außer sich. Er durfte studieren (offenbar ermöglichte man es ihm?). Und das zeige es gehe ja sofern man denn nur wolle und einsichtig sei. Selbst er hätte das gekonnt, wo er den Prof. erstmal gar nicht verstanden habe. Sonst: Man wisse nicht was 'die da oben' von Vermittlern erwarteten, die Zeitungen berichteten ja über nichts mehr. Wir hätten Massenarbeitslosigkeit ohne Aussicht auf bessere Konjunktur (auch wenn aus PR-Gründen das Gegenteil behauptet werde), nur das dürfe man ja nicht mehr offen sagen. Es klingt ein bißchen nach den 80ern, und dieser Eindruck ist um so intensiver, als er seine Termine durcheinanderbringt. Du stehst also vorm Büro, und er klamm: "ich weiß Sie waren ja für heute eingeplant aber ich bin so gestreßt, es ist soviel los...". Man zeigt zweimal Nachsicht, schließlich ist es nur 1/2 Stunde Weg bis nach Pfersee, und die Freundlichkeit wird sich ja wohl in Form eines fairen Berichts niederschlagen, hoffst Du.

Was er als Umschulungsmöglichkeiten voraussetzt gibt es seit den 90s nicht mehr, und jeder weiß das - aus Deiner entsprechenden Skepsis werden Blockaden konstruiert. - Ich beschränke das Zitat hier auf eine der weniger ekelhaften Äußerungen: "Zahlreiche berufliche Zukunftsideen wurden von ihm sofort abgewiesen, mit dem Hinweis, daß er dafür überhaupt nicht in Frage käme, aufgrund seiner persönlichen Einschränkungen." (Zitat Jörg Scholl, "Diplom-Pädagoge Univ.") - Sowas habe ich nie gesagt! Du kannst Dich dagegen aber nichtmal wehren, weil Dir der Bericht vorenthalten wird (Du kannst ihn sicher erzwingen per Rechtsanwalt - aber dann geht die Bürokratie auf Dich los, und jeder in Deutschland weiß, was es mit der ARGE/dem Jobcenter auf sich hat). Sie lesen Dir daraus vor, lassen aber diese Sachen weg, und der Text ist kürzer. "Wenn ich den Bericht nicht bekomme, sagen Sie mir bitte, was an Negativem über mich darin steht." - Vermittlerin: "Nein, da ist nur Positives."

Stufe 2 wird Bewerbungscoaching sein. Die Dame hat ein offensichtliches psychisches Problem: sie läßt gleich mal fallen irgendwelche anderen Leute seien "krank", das faselt sie den ganzen Tag. Von "Coaching" kann keine Rede sein. Auch sie war arbeitslos, über 40 gekündigt, sie wirkt gezwungen und muß es jedem sagen - "aber hallo, mit 40 arbeitslos!", nur habe sie es halt geschafft wie man es eben mache. Die Angst steckt offenbar noch zu tief (Vertrag auf Zeit?), sie läßt es in andere Dinge einfließen, als müsse sie hart auftreten, sei ihre Existenz doch noch immer bedroht, irgendwie.


Schließlich schießt sie den Vogel ab, indem sie Dich im letzten Termin allen Ernstes mitschleift zur IHK, um sich über die Preise dort informieren zu lassen, ob ein Kurs für Dich drin wäre. Wie man das normal macht (anrufen+Broschüre zusenden lassen) weiß sie nicht, sie muß gleich zum Chef der Abteilung, als Vertreterin einer kirchlichen Einrichtung die sie stolz vorstellt...
Da sitzt Du also, der Herr guckt (weil's die evangelische Kirche ist) freundlich wenngleich irritiert, und allen Ernstes spielt sie nun Streetworkerin, wie sie's aus ner Serie im TV wohl gesehen hat. "Diesem jungen Herrn eine neue Chance geben." Aber ich bin kein Jugendlicher, oder Ex-Junkie. Ich bemerke irgendwann gedehnt, ich sei "verwundert" gewesen über den doch etwas ungewöhnlichen Termin... Kurzum ich lasse sie voll auflaufen. Die Preise der IHK für Kurse sind aus ihrer Sicht überhöht, "das kann ich gegenüber denen bei der ARGE nicht durchsetzen, höchstens ein paar hundert Euro, Sie haben da aber gar nichts mit Abschluß!" - worauf ich sagen würde, daß es aus meiner Sicht "marktübliche" Preise seien, und man sie evtl. vorab prüfen sollte. Der IHK-Teamleiter guckte amüsiert. Den Bericht an die ARGE bekomme ich nicht - aber sie wird sich später wohl ausgetobt haben? :D

Sie rechnete die halbe Stunde inkl. Anfahrt großzügig als 2 Stunden "Bewerbungscoaching" ab, es ist eine von der EU geförderte Maßnahme. - Ich belasse es an dem Punkt dabei, um Ihnen Einblick zu geben, wie man sich fühlt.

Es ist wichtig zu wissen, daß bis zur Jungen Werkstatt kein Problem bestand: Die früheren Sachen liegen der Stelle nicht vor, niemand nimmt den spinnerten Mist vom psychologischen Dienst heute noch ernst, denn der hat seinen Ruf im Amt längst weg. Du hattest eine Mini-Schulung angefragt, um mit einem bestätigenden Wisch über irgendwelche neuen Büroqualifikationen die 6 Monate neu starten zu lassen, weil man Engagement gezeigt habe (wovon ich oben sprach: Zeitarbeitsfirmen laden nach der Zeit normal nicht mehr ein). Nun wird es seitens der Vermittlerin giftig. Sie hatte statt der Schulung dieses sinnlose Coaching gewollt, und fortan gibt es viele Tritte, weil sie den Schrieb von dort als "Entartungsbestätigung" sieht. Das Problem dabei ist, daß ich fast aus dem Burnout raus war. Erfolgreich Telefonieren bei den heutigen Zuständen in Callcentern, sich dabei jeden Tag 100x beleidigen lassen - das ist eine Kunst, und brutaler Akkord. Klinken Sie da noch "Entartungsvorwürfe" ein, verlängern Sie Burnout, weil exakt so Telefonisten ausbrennen, wenn junge Manager mit Blockadevorwürfen noch mehr rausschinden wollen aus Quotenhengsten. Das sog. Jobcenter resp. vorher ARGE hat Kollegen so Jahre genommen, nur zum Quälen. Das ist in der Branche bekannt, deswegen darbt sie/Personalmangel erfahrener Telefonisten.

Im Dezember bekam ich zuletzt von meiner Vermittlerin ein Stellenangebot: wo sie meinte, die Zeitarbeitsfirma suche händeringend und niemand wolle diese Arbeit machen, es sei wieder mal typisch... Die Mitarbeiterin dort aber signalisiert, daß (einmal salopp gesagt) das Betriebsklima nur was für Knastbrüder sei, da passe ich nicht rein, und was anderes haben sie auch nicht, bedauern es selber, aber wollen daß man sich wieder in Q1 melde. Ideologischer Zweckoptimismus vs. Realismus des Marktes.

Die Monate vergehen, Stellenrecherche, und der Versuch, mit Nichts eine neue Existenz aufzubauen. Das ist harte Arbeit, die Beratungsgespräche beim Vermittler sind jedesmal Intermezzos, die runterziehen. Wenn Signale von diesen umwerfenden Coachings unterstrichen werden, diese komischen Berichte um deren Inhalt man Dich belügt. Und Dir schwant: je länger Du arbeitslos bist, um so mehr wird sich ansammeln...



bfz Augsburg


2010 wirst Du von Deiner Vermittlerin eingeteilt zur "Gesundheitsfürsorge" des Fortbildungszentrums, die angeblich "sozialpädagogische" Maßnahme um eine Bestandsanalyse "Burnout" aufzumachen weil man von oben keine Vorgaben habe, oder auf gut deutsch: intern vertreten zu können, Dich nicht für die übelsten Callcenter-Jobs einzuteilen, denn oft gibt es nur dort noch freie Stellen, weil die Schuppen ihre Belegschaft jedes Jahr verschleißen und auswechseln.

Das erste Gespräch ist bereits ernüchternd. Es stellt sich heraus, daß sie am gleichen Lehrstuhl studierte wie Du. Darauf angesprochen, warum Du als Student ins Callcenter gingst (weil Dir Geld fehlte und die Aussichten dort an der Uni schlecht waren), meint sie übertrieben: daß sie sich gar nicht vorstellen könne, wie bei dem wunderbaren Professor... - später werde ich sie wenn's zu dreist wird öfters an die Wand fahren mit Anspielungen wie "aber sie wissen doch sehr wohl von den [berüchtigten] Prüfungen?!" - und sie mit einem klammen "Ja" antworten, wie eine ewig verdrängte furchtbare Realität. -

Die Sache war die: Der Professor schwelgte im Elfenbeinturm und sah z.B. überhaupt nicht ein, Magisterarbeiten zu korrigieren. Seine Mitarbeiter waren entsprechend überlastet, Absolventen warteten teils 2 Jahre auf die Korrektur, und endeten deswegen arbeitslos mit einem Makel im Lebenslauf. Er hatte eben diese zwei Gesichter: unwahrscheinlich gelehrtenmäßig-liebenswürdig das eine, rücksichtslos das andere. Waren Studentinnen z.B. pummelig, konnte es schonmal passieren, daß er sie in der Abschlußprüfung diesen Zug malen ließ: "Sie wissen doch, Lok und Waggon, wie im Kindergarten". Sie machten das dann verdattert, und er würde sagen: "Sehen Sie, und der Zug ist jetzt für Sie abgefahren!" - Es hagelte Beschwerden, denen aber vom Prüfungsamt nie nachgegangen wurde. Jeder hatte Angst wegen der Launenhaftigkeit seiner Gunst, und Studenten lebten 5-6 Jahre lang eine Lüge: angeblich böse CSU-Landesregierung und schlechte Studienbedingungen - bis auf ihren Professor, den sie ja nicht kritisieren durften.

Na Klasse, Du darfst Dich also von jemandem einstufen lassen, der noch immer verdrängt? Viele dieser Leute führen ihre Lüge später im Leben fort: Sie haben es geschafft, so sei das halt/anders komme man doch zu nichts - und wer ausstieg wird evtl. runtergemacht, um sich selbst im Leben zu versichern, es habe keinen anderen Weg gegeben? Der Hinweis auf den Interessenskonflikt wird ignoriert. -

Als ich eine gewisse Abneigung gegenüber psychologischen Therapien bei Burnout fallen lasse: weil Psychologen ihren Beruf wählen oft ebenso aufgrund von Nachteilen im Leben (ist bekannt/Fachzeitschriften), und wenn diese rein realer Natur sind wie in der bekanntermaßen chaotischen Callcenterbranche, können psychologische Ansätze nichts bringen. - Sie schaut nun wie als ob sie in sich reinguckt und abklärt wie das denn bei ihr war, als sie sich für ebendiesen Beruf entschied. Dabei verwechselt sie offensichtlich etwas: Sie ist "Diplompädagogin", nicht Psychologin, das ist ein himmelweiter Unterschied. Freilich gehören ein paar Pflichtseminare Psychologie zum Pädagogikstudium, aber nichts was auch nur ansatzweise berechtigen könnte, sich die Psychologin unter den Nagel zu reißen... In welchem Chaos bin ich hier nur gelandet? Ich muß mich also verlassen darauf, daß sie weiß daß ich nicht links bin, ich betone bald einmal daß wenn es hier weitergeht es nur deswegen ist, weil das bfz von den Arbeitgeberverbänden ausgeht. Es ist der Deal des Ganzen, weil ich keine Lust auf Ärger mit der ARGE habe. Allein, wozu etliche Gespräche, wenn Du schon im ersten alles abhakst, und in welcher Rolle ist die jetzt eigentlich?

Es war für mich denn eine Plackerei; sie würde versuchen in meiner Vergangenheit als Scheidungskind herumzustochern, und ich über die Termine 30-40x fragen, was das denn mit heute zu tun habe. Wenn sie es aber im Bericht bringe, dann bitte auch den Link zu jener Seite meiner Homepage, wo die beglaubigten Akten über Kindesmißbrauch liegen: Womit die Sache vom Tisch sein dürfte. Die forderte sie trotz Angebot von mir nun auch noch übertrieben ohne daß dies nötig wäre, weil das Angebot von mir ausging: "da brauchen wir was schriftlich, anders geht das nicht!", wie um sich selbst zu beweisen, man könne seinen Job noch. Aber lesen würde sie es nicht, trotz daß sie dies natürlich beanspruchte. Und würde sodenn entgegen fester Zusage, an die ich meine Angaben und Bereitschaft Fragen zu beantworten knüpfte, die Belege ganz weglassen, und damit ihr Wort brechen.

So wird aus Cholerikergewalt eines straffälligen Vaters mal eben "gab an, seit meiner Kindheit traumatisiert zu sein"! Das alles erfahre ich erst hinterher, denn den Bericht würde ich nicht bekommen, sie liest ihn mir vor ob man dies oder jenes sagen könne - aber schreibt später was ganz anderes! Ich deute mehrfach an, abbrechen zu wollen, sie jedoch, daß sie meiner Vermittlerin nahesteht (was laut Frau Oswald so nicht stimmt, aber wie soll ich das wissen?), was eine indirekte Drohung ist. Stufe 2 gehe ich ein weil sie mir verspricht, mit Beziehungen bei der Stellensuche zu helfen. Das ist übrigens normal, viele Firmen suchen Personal nur nach Vitamin B, und das bfz gehört zu den Arbeitgeberverbänden, auch wenn der Ruf mies ist. Allein, sie wird sich an die Absprache später nicht halten.

Ich muß ihr beim Ausdrucken meiner Bewerbung und Nachweisbögen helfen, sie weiß nicht, wie man PDF-Dateien ausdruckt. Die Termine kann sie kaum pünktlich einhalten. Es wirkt auf mich manchmal als wenn die noch in anderen Fällen ist, als sie ihre Mappe fürs Gespräch zusammenstellt während ich am Tisch warten möge, obwohl schon draußen 5 Minuten. Es kommen einem dann zumindest Sorgen, wirklich abschätzen kann man das nicht. Ich machte sie darauf aufmerksam, daß sie zwei Wochen nach dem Umzug in ein neues Büro immer noch Einladungen mit der alten Raumnummer versendet (anderes Gebäude im Gewerbehof). Einmal ist ein anderer Kunde im gleichen Raum, sodaß ich seine komische Krankengeschichte (psychische Probleme) im Hintergrund mit anhören muß. Ihre Kollegin läßt gelegentlich bei ihren Arbeiten Seufzer fallen, sehr schwache Nerven. Unbehandeltes Burnout?

Der "Coach" ist der Meinung, Menschenrechtler seien doch alle psychisch krank, deswegen sieht sie auch keine Veranlassung, sich politisch zu bilden. Daß sie einen Callcenter-Trainer vor sich hat, bemerkt sie nicht, mein Lebenslauf wurde kaum gelesen. Ihr Sohn konnte, wie sie fallen läßt zum Thema Burnout, nicht ohne MP3-player im Baumarkt arbeiten. Das könne er nicht ertragen, dieser Kommerz heute sei Wahnsinn. Yep, sie arbeitet im Fortbildungszentrum der Arbeitgeberverbände, leitet unter anderem GrünWerk, zum Eingliedern von Jugendlichen mit ebensolchen Problemen; vielleicht auch welchen, die man nur auf sie übertrug, um selber zu verdrängen?

Was sie schreibt werde ich nicht bekommen, vorerst. Und ich hab andere Sorgen, als mich zu streiten mit der ARGE.



Die kleine Intrige: Deine Vermittlerin täuscht den Vertragsarzt


Nach längerer Arbeitslosigkeit kommt der nächste Arzttermin, eigentlich eine Formalie, eben nur wegen der vielen freien Callcenter-Stellen. Ich hab ein ungutes Gefühl, denn der Vertragsarzt scheint irgendwie voreingenommen, läßt mich nicht ausreden, unterbricht, will dann neu erklärt bekommen nur um wieder abzuhacken, als müsse man da entschieden versachlichen; er macht mich so richtig zur Sau, zumindest tut er so? Irgendwann rutscht ihm raus, daß er einen Akt voll von komischen Einschätzungen über einen vor sich liegen habe, ihn verwundere das selber, aber er müsse davon ausgehen und es habe sicher seine Richtigkeit (unausgesprochen: vom Vertragsarzt erwarte man, diesen Signalen zu folgen). Er nennt ein Zitat aus dem Akt (das mit der angeblichen "Traumatisierung"), und es haut einen bald vom Stuhl. Ok, nett von ihm das erwähnt zu haben! Gegen Ende entspannt sich das Gespräch auf beiden Seiten, ich sage ihm daß es Folgen haben wird für Frau E. vom bfz.

Was ich nun bald erfahre: Meine Vermittlerin stellte mich in ihrem Auftrag an den Ärztlichen Dienst wie einen schwierigen Fall hin, und das Gutachten dann würde genauso aussehen > Eigendynamik. Geschrieben hat sie das offenbar nichtmal selber: typische Zeilenumbrüche wie aus einer Mail, vielleicht von der Teamleiterin Sachbearbeitung Augsburg-Mitte Frau Büschges (die mich haßt seit ich 2009 für Wohnungsauflösung und Umbettung der Urne meiner Mutter 300 EUR Kredit nach SGB2 beantragte, was für sie "versuchter Mißbrauch" war, und verhindert wurde). Jedenfalls, es ist jemand, der nichtmal weiß, wie man "Psychiater" schreibt - für sie sind das "Psychater"...

Lügen haben bekanntlich kurze Beine. - Da steht z.B. durch die Blume drin, daß ich nichts von psychologischer 'Hilfe' hielte, und (Zitat) der "Versuch, einen beruflichen Ansatz zu ermöglichen" im Rahmen eines 1-Euro-Jobs, sei "aus gesundheitslichen Gründen gescheitert". Gefolgt vom krönenden Abschluß: "Auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt erhält er nur Absagen." (Zitat Meike Menn)

Zu dumm nur, daß ich zig Nachweise und Emails hab, aus denen hervorgeht, daß meine Datensätze freundlich geführt werden von Personalrecruitern, die sich auch immer wieder zwischendrin melden. Kurzum eben viel positives Feedback kam, und eine durchaus beachtliche Anzahl von Vorstellungsgesprächen. Ich belasse es hier beim Nachweis zu den 1EUR-Stellen, wo das anschaulicher ist als bei hunderten Bewerbungen. -


In der gesamten Zeit gab es sechs Vorschläge für diese 1-Euro-Jobs - Das waren höchstens Bewerbungsgespräche, und nicht wie skizziert gescheiterte Einsätze:

(1) Webdesigner für Kindergarten: Vorgänger wollte weitermachen und hat ein Kind dort im Hort, die Stelle geht so unter der Hand weg.

(2) Altenwohnheim Herrenbach: Leiterin verwundert sich, warum diese Vermittlerin mich schickt; sie wollten normal Altenheim-Sekretärinnen, weil die Kunden um die 60 alle sehr konservativ sind. Ein Ex-Callcenter-Mensch paßt da nicht, zu jung.

(3) Computer-Werkstatt in Pfersee: Stelle schon vergeben, ARGE hat Datenbankchaos. Die Chefin entschuldigt sich bei mir dafür und sagt, man sei schon genervt wegen des EDV-Problems, die Bewerber kämen für Nichts.

(4) Bibliothek in einem Mädelsgymnasium: Ebenfalls Stelle bereits weg bevor ich mich bewerben kann, Dateileiche.

(5) Meridian e.V., ein Verein für Literaturpromotion. Chef tendiert links, ich bin moderat konservativ = Chemie stimmt nicht. In dem Bereich geht das natürlich nicht, er cancelt von sich aus.

(6) Toys Company (verschenken Spielzeug an arme Familien, ich würde in die PR-Abteilung kommen, so eine Übungsfirma): Leiterin sagt ich passe nicht ins Team; unterforderter Callcenter-Trainer. Sie hören den ganzen Tag lokales Werberadio, das kann ich nicht ab, vor allem aber die lasche Haltung der Leute. Und sie riechen Deine insgeheime Frage, was das alles kostet. Sie sieht es genauso - ein gutes Vorstellungsgespräch.



Dein Akt


Ich wollte nach dem Vertragsarzttermin den Akt in Kopie, und hab ihn erhalten von der Stelle. Aus seinem Befund geht hervor, daß der Arzt wegen der für ihn schwer einzuordnenden Geschichten im Akt eine psychiatrische Überprüfung für dringend erforderlich halte. Oder zwischen den Zeilen: Er müsse das wohl schreiben, wegen der Vorlage; wer genau liest, findet eine Distanzierung darin. Ich glaub ich hab keinen Anlaß, ihm böse zu sein (sofern das Teil nun ersetzt wird, und ich eine neue Vermittlerin zugeteilt bekomme). Auch wenn Du Dich z.B. fragst, warum ein uralter Hörsturz von 2002 den Du deutlich als "gut, Sie fragen danach - aber das ist hier wirklich nicht der Rede wert, außer vielleicht für Arbeiten an einer Kreissäge, um solche Jobs ging es als das mal aufgeschrieben wurde" bezeichnetest, dennoch angeführt wird ohne den Hinweis - sodaß es wirken muß als ob Du viel Stories auf Lager hättest. Egal.

Du darfst Dich also nach dem ganzen Theater flüchtig vom Arzt dort, wo Du die Kopien abholst, in einem (allerdings zuvorkommenden) Gespräch beschnuppern lassen ob Du in Ordnung seist oder gefährlich!! - Etwas mit dem Du nicht rechnest, auch er scherzt drüber, groteske Situation. Eine psychiatrische Überprüfung die man offenbar will lehnst Du ab, ebenfalls einen Termin beim Psychologen. Vielleicht paßt hier das Zitat aus einem Film (Dr. Jarvis aus Thursday) am besten "you know it's quite enough for one day!!". Ich bin nahe dran, einen Rechtsanwalt einzuschalten, fühl mich irgendwie in meiner Würde und meinen Rechten ziemlich verletzt. -

Mit das Härteste in diesem Chaos von Verschwörungstheorien war das Urteil der Dame vom bfz: Obgleich ich seit Jahren in zahnärztlicher Behandlung sei (Folgen/kleine Zahnfehlstellung aus Kindheit; darauf angesprochen) und selbst für eine nötige Operation voneinander unabhängige Diagnosen beschafft hätte - so sei ich dennoch dermaßen gefährdet, daß ich wegen innerer Blockadehaltungen wohl große Schwierigkeiten haben würde, das auch tatsächlich durchzuhalten, es mangele dafür an Disziplin. Sowas zu schreiben ist unsäglich.

Und, ich hätte ein "sehr negatives Weltbild", hieß es besorgt. - Ich schließe dazu mit einem Dialog:

Du: "Was spricht dagegen, sich Jugend zu erhalten, und das Äußerliche zu pflegen?
Caroline Egle: "Ihre Jugend, die verlieren Sie eh, wir alle, so ist das Leben!"

__________________


Rückblick im Dezember 2011:
Wie amtsärztliche Gutachten heimlich rückdatiert umgeschrieben werden



So wie im letzten Absatz läßt man einen Text enden, wenn man Realsatire will. Aber darum geht's hier ja nichtmal. Ex-Callcenter Mitarbeiter werden generell so behandelt, nur fordern die meisten ihren Akt nicht an.

Als Du nach über vier Monaten Deinerseits sehr vorsichtigen Papierkriegs, schließlich Deiner Vermittlerin mit einer Strafanzeige drohst, falls sie sich nicht zurückziehe (sodaß Du einen anderen Vermittler bekommen kannst) mitsamt ihrer widerlegten Darstellung, wo sie wegen angeblich psychischer Probleme geplatzte Stellen frei erfand die es nicht gab -> läßt der Amtsarzt Dr. B. (Verbund Bayern-West der Arbeitsagentur), von dem seit Langem nichts mehr zu hören war, mal eben kurz
  • ohne Information des Patienten daß/wann geändert wurde, aber
  • rückdatiert mit ursprünglichem Datum
  • ohne Zweitausfertigungsstempel, Aktennotiz oder sonstigen Hinweis daß es sich nicht um das Original handelt
jenes Gutachten umschreiben.

Der Vertragsarzt im Herrenbachviertel würde dem Druck nachgeben, aber er ist strikt dagegen wie Du von seiner Sprechstundenhilfe erfährst, weil das Handling seiner Meinung nach nicht legal sei. Mit diesem Papier dann vertauscht der Amtsarzt das ursprüngliche Gutachten, wie als ob es nie eine andere Fassung gegeben hätte.

Dein neuer Vermittler würde Dich dann fragen, *anguckend wie als könnte das alles auch Einbildung des Gegenübers sein*: Da stehe ja so richtig gar nichts drin in dem Papier von dem was Du da kritisiert hättest... Somit ist klar, daß hier klammheimlich "Kosmetik" betrieben wurde. Durch einen glücklichen Umstand (ihr Chef war im Urlaub) kannst Du Dr. B.'s Sekretärin dazu bringen, Dir eine Kopie des neuen Gutachtens auszuhändigen. Ich stelle es Ihnen hier als Scan im Format PDF zur Verfügung, Seite 1+2 ist die erste Fassung von Ende Januar, ab S. 3 von Juni 2011, beides aber mit Datum 27. Januar und ohne jeden Hinweis auf die Änderungen:

Die zweite Version verweist noch immer auf die widerlegten Darstellungen. Sie bleiben auch ohne Kommentar im Akt enthalten wie als ob sie stichhaltig wären. Man verweigert Dir vehement die Akteneinsicht oder eine Kopie des Akts, wie als hätte man etwas zu verbergen. Ein Aktenvermerk oder Hinweis auf Deine Stellungnahme liegt nicht im Ordner, das hast Du schriftlich von Dr. B.. Es sei noch unverändert und was solle die Nachfrage bitteschön?!

Seiner Ansicht nach sind geringfügige rückwirkende Änderungen an nicht physischen (körperlichen) Befunden ohne Information der Betroffenen und ohne Vermerk durchaus erlaubt (wenn jemand beim Amtsarzt und nicht beim -Psychologen war) - das Gesetz aber spricht hier eine klare Sprache. Für Betroffene ist es zumal nicht akzeptabel, von sowas nach Monaten abwimmelnden Papierkriegs nur durch Zufall zu erfahren, während man einverstanden gewesen wäre mit einer einvernehmlichen Entfernung problematischer Dinge aus dem Akt.

Auch wenn dies nicht mein Ziel war (Deine Schreiben alle sehr höflich und deeskalierend) - so schuf sich hier daran ein Präzedenzfall, der sicher belegt, wie bei der Bundesagentur für Arbeit offenbar allgemein mit medizinischen Gutachten umgegangen wird. Es sind unheimliche Ansammlungen von komisch anmutenden Entartungs-Akten, mit über 5 Jahre alten Befunden von der vorletzten Arbeitslosigkeit, und allen möglichen Verschwörungstheorien, mit dem Ziel aufbewahrt, das gegen die Betroffenen zu verwenden.

Es kann Einzelne dann unerwartet hart treffen, etwa wenn Vermittler Jugendliche aus der Leistung steuern, die man als "Punks" abstempelt, was die meist nichtmal sind. Pädagogische Gutachten, die mit medizinischen und psychologischen Begriffen um sich werfen, können heute auch eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie scheinlegitimieren - insbesondere viele Jugendliche verfangen sich darin wenn ihre Umgebung falsch reagiert. Seit Mitte der 90s hat sich die Anzahl von Zwangseinweisungen verdreifacht, wofür es laut Nervenärzten keinen anderen Grund gibt als jenes Klima.


Ich hoffe, daß der Fall anderen zur Absicherung dienen kann, etwa vor Gericht. Das war der Anlaß für die heutzutage sicher ungewöhnliche Mühe, einen Grundlagentext so detailliert ins Netz zu stellen. 'Präzedenzfall' meint im Volksmund, daß Einzelne die besonders angegriffen werden, den über jeden Zweifel erhabenen Nachweis erbringen. Auch wenn es unkomfortabel ist, selbst den Lackmusstreifen zu bilden in einer Zeit, wo Zuviele aus Angst oder Bequemlichkeit keine Fragen mehr stellen.

Nov. 17th, 2010


[info]not_really_goth

zeitgemäßes "Arbeit macht frei!" / modern version of Auschwitz's "Work Sets You Free!"?

Today, I had a job interview at an Augsburg "time company" - at least that's what it seemed, first. -
Excurse: In Germany, currently there is a plague of false/"incomplete" job offers. Some want you to get the labour bureau provide a state-funded $-coupon to search for you, but often all connections they have lead to short callcenter-sweatshop jobs. In case you get a contract there as an "office employee", the state grants a subsidy to the company, and that's the business. Others provide no open jobs at all, just offer to "coach" you for your own $ - so you get lured to their office under false pretext. And a few mean honest. I'm not saying neccessarily has to be something bad; this entry is not about conclusions.

The company of regard advertises with a slogan which ~obviously in a "funny way" seems to be derived from Auschwitz' concentration camp's "Arbeit macht frei!". They name it "Arbeit macht sexy!" or in German English "Work makes sexy!" ("Work sets you free!"). The mod doesn't make it much better: In German, though there certainly are similar sayings like "sour makes [you] funny", but that's something different and don't really apply, here. - The "advising" gesture, a message like as if you didn't know work could make you look good..., let alone the start-phrase which is a business no-go in our country (in respect to what happened/the Holocaust), and the well-known old "Third Reich"-colors black-red-white, big wall-chart, even on their business card, etc. - all that suggests something quite creepy.



*

When you face the realities in Germany today, it kind of feels like that expresses some parts. Modern anti-Semitism is widespread here, again, and it's somehow known that if you look different or ask questions, you soon look like shit. Because you'll have a hard time as these days, so many young types make career based on the pledge to be hyper-innovative, and to do what one's told - suggesting others were not, so that whoever is different has to face the prejudices. - Scapegoating often has an anti-Semitic touch: The other one looks old, not successful, negative energy, whatever. And therefore needs a kick in the ass to get him change. That's said nowhere, and I don't suggest neccessarily applies, to the above example. - But in such a climate, the style of immoral advertising says a lot between the lines. That's what I mean.

Anyway, this sort of business behavior is disgusting, offensive at least, and it suggests who doesn't look sexy -> doesn't work, right? In case you're interested in more material, feel free to visit the company website.

Btw. the outcome of my little job-interview: I just left after being handed a contract saying I would agree to pay 25 EUR (~34$) plus unspecified expenses, and at the same time (in bold) assuring me I wouldn't enter into any obligation if I'd sign this paper, plus imprecisely pointing at some legal dispute between the company and the German federal employment agency, which actually could lead to them paying the whole amount of money, not you! LOL

Oct. 11th, 2010


[info]not_really_goth

Golden Toast und Lieken Urkorn, oder: "Was für Leute gruschteln da eigentlich am Brot rum?"

Sie haben sich immer schon gefragt, wer das wohl ist, der da "als Privatperson" ohne Namensschild an den Brotbeuteln "rummacht", in Märkten wie REAL und Kaufland? - Das finden Sie in diesem Text, der Ihre Frage mit reichlich Situationskomik beantwortet.

*

Die meisten von Ihnen haben ein klammes Gefühl + nehmen ihre Brotbeutel von weiter hinten. Und wir es Ihnen nicht übel!

Kurz zu meiner Wenigkeit: Ich bin ein Ex-Callcenter Klein-'Manager', der nicht illegal wollte. Das bekommt Dir im derzeitigen Klima schlecht, wo legale Einstellung nicht mehr verstanden wird, auch wenn jeder weiß, was in der Branche abgeht. Wir nehmen dann jeden Job, um nicht arbeitslos zu sein. Trotz Bewerbermangels für mies bezahlte Stellen dauert es oft Monate, bis Du mal einen Rückruf bekommst, denn es herrscht Chaos in der Zeitarbeitsbranche.

So auch hier. Eine Firma aus Oberstenfeld in Baden-Württemberg sucht händeringend Personal. Sie sind entgegen mancher Darstellung nicht "von Real", und einen Kittel oder ein Namensschild gibt's auch nicht. Man wird von Kunden dann natürlich angesprochen oder schief angeschaut, und sie nehmen mißtrauisch Ware von hinten.

Manche meinen offensichtlich, weil wir doch wohl für Kamps' arbeiten, würden wir ihnen das nachtragen. Doch nicht unbedingt: In der Branche zwar heißt es mitunter, die Kunden seien unverschämt und zerpflügten die Regale; aber Du hast Deine eigene Meinung, auch wenn Du sie nicht immer sagen solltest. - Die Schnittbrote jedenfalls sind unter dem Clip offen, und Sie wissen, was so alles in Supermärkten unterwegs ist - hygienische Sorgen sind da einfach vorprogrammiert.

Diese Leute wie ich nun arbeiten in ihrer eigenen Straßenkleidung, mit Lebensmitteln auf dem Arm, und die Folie ist manchmal kaputt. Brote werden auf dem mitunter schmutzigen Boden des Supermarkts gestapelt, verschoben und sortiert wie beim Anlernen gezeigt (für Arbeit in Kisten ist bei 150 Packungen kein Platz, und keine Zeit). Retouren ohne abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum sind strikt verboten. Nicht jeder wird wagen, aufgeplatzte Packungen (>lockere Clips, oder die aufgegangene Naht am Boden, in die man mit dem Finger kommt) für Kunden auszusortieren. Ich war so jemand Seltenes; Sie können ja unten lesen, wie es mir nach sehr kurzer Zeit schon erging.

*

Und hinter den Kulissen?

Dein erster Arbeitstag ist am vergangenen Montag gewesen, offiziell 6:30-8:00, Real Augsburg Reichenberger Straße. Einen Spind gibt es nicht für Beschäftigte der externen Firma, Du mußt Deine Jacke und Tasche in eine schmutzige Ecke des Bodens im Real-Lager legen. Mit Mäusen haben sie glücklicher Weise wenig Probleme dank entsprechender Fallen, trotzdem wäre ein Haken zumindest gut. Mal abgesehn davon, daß natürlich jeder an Deine Sachen kann (Lagertür bei der Fleischerei steht offen). Die Hände waschen, das läßt Du lieber, denn es gibt nur das Kundenklo vorne im Real, und da stinkt's schon einige Meter vor der Tür so nach Urin, daß es hygienischer ist, die Klinke nicht anzufassen. Haltestangen im Bus sind sauberer.

Dich erwartet eine neue Palette, offiziell maximal 4x11 Kisten, inoffiziell nach oben hin oft viel mehr; und eben was am Vortag nicht reinpaßte ins Regal, nochmal zirka nochmal 50-75% der Ladung. Sagen wir um die 80 neue Kisten. Angesetzt für Verräumung, Inventur und Sortierung nach Mindesthaltbarkeit der Sachen (und des verbliebenen Regalinhalts von ~1-200%) sind 1,58 Stunden.

Oder genau 94 Minuten 12 Sekunden, auf die 6 EUR Stundenlohn penibel pfennigfuchserisch umgebrochen werden. Das ist natürlich Dumping-Lohn in der Grauzone, oder schon jenseits.

*

Marken, von denen Sie es nicht erwarten würden, weil sie z.T. hochpreisig sind:

Lieken
Golden Toast
Kornmark
Peter&Paul

sowie im Billigsektor:
TIP (Real) &
K-Classic (Kaufland)

Vom feinen Tortenboden und Käsekuchen bis hin zum Körnerbrot, summa summarum 1 lange Mega-Regalreihe im großen Supermarkt, für jene Ware, die täglich noch frischer sein soll als Gemüse, Salat oder Fleisch. Das hindert natürlich mitunter nicht, gemessen zu werden am Verräumen von Industriepaletten Klopapier. LOL

Mit dem Hubwagen also die zwei Paletten zum Regal, Folien aufreißen (Teppichmesser gibt's keins, ebensowenig Kugelschreiber). Die Firma legt Wert darauf, daß täglich quasi Inventur ist: Etikett immer nach vorne/oben, auch bei Ramschbrot. Jede Sorte "komplett" ausräumen, und penibel nach Datum durchsortieren. Es darf nichtmal in der Tiefe des Regals eine weithin haltbare Packung über einer 1 Tag weniger lang haltbaren liegen, das wird tatsächlich kontrolliert! Und ist 1 Stunde später eh der Fall, nachdem einzelne Kunden "gruschtelten".

Diese Tests in der Branche sind Ursprung mancher Gerüchte der Kunden, daß irgendwelche komischen Leute eine präparierte Packung "zurücklegen" - in der Tat, diese Kontrollen bedeuten, daß uralte Packungen zum Checken der Gründlichkeit des Personals hinten reingelegt werden, die Kunden dann mitunter erwischen. Aber lassen wir das.

*

Also, Sie haben sagen wir realistisch um die 80 Kisten, wo jeweils 8 große Toastpackungen reingehen - aber viel mehr Kleinkram wie Pumpernickel oder diese ständig umkippenden "Toasties", der einen wirklich aufhält. Auch harmlose Toastbrotpackungen können übel sein, wenn die Regale voll, d.h. Du mußt selbst bei TIP jeden Tag alles rausräumen und filigran ordnen, Datum immer möglichst verdeckt, hast keinen Platz für die 5-10 Stapel verschiedener Verfallsdaten für hunderte TIP-Bauernbrote, Kunden um Dich rum: es ist echt assig!

Die Kisten sind teils durcheinander > bedeutet öfters zurück müssen, wenn das Gleiche später nochmal kommt - und jede Lage im Regal bitte so, daß der Kunde das Älteste vorne wegnehmen müsse. Was die meisten natürlich trotzdem nicht machen; würde ich auch nicht - aber das ist eben so der Anspruch, perfekte Abwicklung für den Auftraggeber...

Doch zurück: Das macht kraft Kalkulation 1 Minute pro Kiste und Neuordnung der zugehörigen Regalfläche. Gleichzeitig sollen Sie wie Real-Festmitarbeiter für Kunden da sein wenn die was fragen, in Deinen Regalen abgelegte Lebensmittel von anderen Abteilungen zur Retoure geben (Kühlware etwa), Lieferschein gewissenhaft kontrollieren + Warenrücknahme sorgfältig ausfüllen - und die Kalkulation für Kamps' nächste Lieferung machen, welche Brotsorten denn besonders gut oder zurückhaltend gehn, und so dank vorbildlicher Arbeit & kaufmännischer Kalkulation ganz unten -> das junge Marketing des Auftraggebers beglücken. Welches Du nie kennenlernen wirst, außer durch Signale des Vertriebs, daß mehr Gewinn drin sei, und Du besser arbeiten könntest, wenn der Wille denn nur da wäre... -

*

Sie als Kundin/Kunde erwarten sicher, daß dies normal ein Vertreter macht, fest beschäftigt vom Produzenten der namhaften Marke wie es sich gehört, und somit Repräsentant - denn Sie zahlen einen stolzen Preis für die kleinen Packungen, wo das mit drin ist. Was einst ja den Ruf dieser Sachen bildete, aber - nicht anders als bei Apotheken die von schwitzenden Callcenter-Mitarbeitern frequentiert werden, welche sich jedoch als Pharmakonzernmitarbeiter ausgeben um "Druck aufzubauen" - sind es Beschäftigte, die das alles für unter 10 EUR den Vormittag über durchgehend von 6:00 bis 10:00 Uhr erledigen.

Ja, nicht Stundenlohn, sondern das verdienen Sie insgesamt an einem Tag auf Geringfügigenbasis, ohne Fahrtkostenerstattung!

Jenes Bild sieht natürlich anders aus als die verlogene Selbstdarstellung im Internet. Und Kamps möchte wie es hieß höhere Retouren, wird Dir gesagt von der netten Dame, die Dich anlernt und den Job offensichtlich loswerden möchte. Sie verstand das wie sie sagte überhaupt nicht als diese Anfrage der jungen Dame im Vertrieb neulich kam, doch bitte viel mehr zurückzuschicken zum Wegschmeißen, das was käme sei entschieden zuwenig... - aber es dient doch ersichtlich dem Umsatz, wenn die Regale rappelvoll sind, und dadurch auch mehr zurückkommt, so verklausuliert? Und Du ahnst Böses -> daß mehr Retoure Daumenschrauben Richtung Mitarbeiter bedeuten könnte? :D

*

Real möchte, daß dies Regal in 1 Stunde steht, und schlägt vor, weniger zu befüllen. Bei bitte gleichem Absatz natürlich? Was aber einen zweiten Kollegen am Nachmittag erfordern würde, den es nicht gibt. Sie als Mitarbeiter sind also jemand, der in übler Hektik naßgeschwitzt im Regal herumwurstelt damit auch ja alles voll ist, mithin nicht sehr komfortabel. Zumal die unterschiedlichen Auftraggeber voneinander abweichende Vorstellungen zu haben scheinen, welche aber im Management wohl nicht abgestimmt werden?

Oben hab ich schon geschrieben, daß meine Haltung zu Kunden recht entspannt ist - die liebenswürdige ältere Dame freut sich, daß Du für sie in den Kisten nachsiehst, weil ihre Lieblingssorte nicht mehr im Regal ist. Das gehört dazu, und es rettet Deinen ansonsten sauren Tag, heute noch deutsche Freundlichkeit zu erleben im Beruf.

Tiefschläge sind reichlich schmierige Leute, die höherpreisige Produkte "antesten", sich so überzeugen das sei wohl nicht frisch und eben "Abzocke" -> um dann mit billigen Brezen der Konkurrenz vorlieb zu nehmen, aber auch da erstmal jedes löchrige Netz durchkneten. Sowas möchte man nicht auf dem Teller haben, und so nehmen die Leute von unten, was uns einen Riesenaufwand bereitet, aber wie gesagt: wir eben auch voll verstehen, und insgeheim nicht anders wünschen, denn der Kunde weiß von alldem nichts und hat bei den Preisen schon ein Recht auf Hygiene.

Zu Ende der Schicht muß alles perfekt aussehen, d.h. Sie fahren mehrere Durchgänge. Dann faxen Sie die Bestellungen, geben den geprüften Lieferschein ab, und plazieren die Retouren+leere Paletten für den Fahrer zum Mitnehmen am nächsten Morgen. Es ist aber schon weit nach 10 Uhr, und Sie sind seit 6 dort auf den Beinen - "Wenn Sie länger brauchen, ist das Ihre Sache, wir zahlen das nicht!". Natürlich sei Donnerstag bis Samstag viel mehr Ware... wird aber nicht berücksichtigt, sei es doch in der umwerfenden Pauschale von 6 EUR schon mit drin enthalten.

All das kommt scheint's stückchenweise nach der üblichen Probearbeitsphase, wo unterschrieben ist und somit die Konditionalstrafen bei vorzeitiger Bitte um Vertragsauflösung greifen? Das Anlernen ist Montag bis Mittwoch zu zweit, und hier hatte man nun wohl mal das Pech, daß die zuständige Dame sich dafür viel mehr Zeit ließ, weil es sich für sie mal rechnen sollte (das ist insgesamt mein Eindruck), sodaß der Vertrag zu spät rückdatiert raus ging und der Bewerber durchblickte?

*

Dir ist dabei unheimlich, weil: Du bist arbeitslos, und brauchst eigentlich dringend eine Bescheinigung, denn jede Arbeitsaufnahme muß doch gemeldet werden. -> Man sagt Dir das sei normal, eine Mail an die ARGE genüge. Du fragst jeden Tag dringlicher nach, weil noch immer kein Vertrag im Briefkasten. Freitag abend schaust Du nochmal, und da ist er, aber zu müde das noch zu lesen, morgen halt. - Die Woche über lief es auch mündlich, das Teil ist wohl rückdatiert, das muß man sich genau ansehen; ach -> eh schon egal, man will keine Konditionalstrafe wenn man nicht weiß was da auf einen zukommen kann, und es ist spät, um halb fünf wieder aus dem Bett.

*

Du arbeitest also bereits 5 Tage ohne irgendwas schriftlich in der Hand zu haben, oder daß man Dich wirklich unter Vertrag hat=kennt. Bis dahin ist kein Personalfragebogen überhaupt ausgefüllt, kein Personalausweis gezeigt. Da könnte praktisch jeder daherkommen, keine Sicherheit, wer da an Lebensmitteln hantiert, und das ist natürlich nicht gut in der heutigen Zeit.

Wie dem auch sei, niemand stellte Dir wenigstens die Vorgesetzten überhaupt vor, lt. Anlernerin sei die Firma zurückhaltend mit Infos (Callcenter? - es klang danach).

Da sie nur 1/3 der Arbeitszeit zahlen, bedeutet das: Die ARGE bezuschußt ohne Wissen den Rest, und bei wievielen eigentlich?

*

Am Samstag kulminiert alles, es ist der 6. Tag, und ich kann die zuständige Dame nicht erreichen, hab aber auch noch keine Zeit gehabt, mir den Vertrag genau anzuschauen. Und das ist hier wohl nötig. Die Kunden warten auf Ware, also los, keine Wahl. Es ist eine riesige Ladung, die im Lager bereitsteht für den fetten Samstag.

Der Real-Vorgesetzte (wer Dir wo vorgesetzt ist weißt Du nicht, keine Infos) den man Dir nie vorstellte, spricht Dich nun gegen Ende der Schicht erstmals an, warum Du solange brauchst: Das Regal müsse stehen um 8, anders sei es für Real "nicht tragbar". Er ist eigentlich nett, sagt daß seit vielen Wochen nun schon die Leute kurz nach der Einarbeitung irgendwie abspringen, und er es "schon leid" sei, sich jede Woche neu vorstellen zu müssen bei Leuten wo er wisse daß sie alle paar Tage später wieder weg sind und es eh egal sei.

Er werde mal zuschauen und sagen, was man "falsch" mache, das Pensum sei durchaus zu schaffen. Wobei er auf Deinen entsprechenden Hinweis aber von 1/3 der normalen Befüllung ausgeht - etwas, wobei Du Deiner Einschätzung nach Ärger mit dem Auftraggeber kriegen wirst, Ex-Callcenter Leute kennen das Spiel. Eben widersprüchliche Erwartungen, und das alles soll der Mitarbeiter wohl ganz unten lösen, ohne geeignete Bezahlung, während nur Signale kommen, sie wollten mehr Retouren -> was brechend volle Regale bedeutet, und Druck, besser zu arbeiten, um Warenrückgabe zu vermeiden?

Na Klasse, Du schuftest also für fast Nichts, hast einen privaten Arzttermin verpatzt weil zuviel Material, kommst nach der Mega-Ladung vom Samstag hundemüde daheim an, und gibst Dir nun den Vertrag. -

Sowas hast Du noch nie gesehen...

Dokumente
auf S. 2 Arbeitsanweisungen, die Kunden nicht mitkriegen sollten :D

*

Unterschreiben kannst Du das sicher nicht, allein schon weil die 15 Stunden-Grenze der ARGE für Nebenbeschäftigungen gebrochen würde - und wie solltst Du gemäß Auflagen eine Stelle finden, wenn Du in der Übergangszeit nicht den ursprünglich zugesicherten (!) Kompromiß fahren kannst, eben um 8 fertig zu sein, um zur hoffentlich kommenden Stelle eilen zu können: die Dir eine Sozialversicherung zahlt und die ARGE entlastet?

Du schreibst dann diese Mail, daß Du das nicht unterschreiben kannst, und rufst am Montag morgen mehrmals zwischen 5:30 und 7:00 an, weil Dir unwohl wird, denn bist Du überhaupt versichert?! Laut AB ist die Firma aber erst ab 7:00 erreichbar. - Später wird es nun heißen, man hätte um 6:30 anrufen und warten müssen bis sich jemand meldet, wovon Du aber Nichts weißt, was jedoch zur Einarbeitung gehöre. Es erinnert Dich insgesamt doch sehr an jenen Kabelnetzbetreiber, auf dessen bewußt unterbesetzten AB die Kunden tobten - warum ein AB um die Zeit mit Ansprache für Kunden und damit die nicht draufsprechen kein Hinweis auf die Möglichkeit, etwas auf dem Band zu hinterlassen oder zu warten bis sich jemand meldet? Klingt nach der billigen Box, die auch wir damals hatten: eine Line im Multiplex-Center für alles.

Kurz darauf rufen sie Dich zurück, und diese ursprüngliche Dame - offensichtlich wieder vom Callcenter - spult eine Kanonade von abgelesen klingenden Vorwürfen runter, die irgendwie Richtung "schuldhaft" gehen, was man doch gewußt habe (aber nie gesagt oder in die Arbeitsanweisung gepackt wurde), daß man unzuverlässig sei, usw.. - Sie fällt Dir ständig ins Wort, und hört gar nicht zu, wie Callcenter-Outbound.

Typische Drückermethode: Man hätte Dich immer wieder angerufen zwischendrin bei der Einarbeitung und hättest Dich nicht beschwert, also bitte jetzt "auch nicht meckern", so der Stil... - aber die Calls waren bewußt lapidar + während der Einarbeitung, wo man noch keinen Überblick und sich freundlich zu verhalten hat, das erwartet der Träger der Arbeitslosenversicherung. Wenngleich man Signale durchaus rechtzeitig gesetzt hat, und die kamen auch zurück. Anlernerin: "Verdienen Sie auch nur diese [Pause, gepreßt] 6 EUR für 1.58 Stunden?! LOL"

Kurz später hast Du Gewißheit: Die Firma akzeptiere das "Vertragsende" des nie unterzeichneten Vertrages, bestätige ebendas der ARGE, daß ich auf eigenen Wunsch diesen Vertrag beendet hätte. Hä?! Der heute angeblich unnötig eingesetzte Springer (weil Telefonzentrale zu spät bei denen besetzt/AB), der wird Dir vom umwerfenden Gehalt noch abgezogen, 25-30 EUR oder so, sie können das nicht voraussagen und berechnen es individuell, heißt es.

Verdient hast Du in 6 Tagen Sweatshop-Arbeit halbtags damit insgesamt maximal 25 EUR, ein Stundenlohn von 1 EUR nochmalwas - sofern sie nicht alles streichen, und die Auszahlung wird eh in dem Fall erst zur Monatsmitte des November sein, nach über einem Monat. Wer's glaubt wird selig.

So kann man mit Arbeitslosen natürlich auch Geld machen?

*

Doch lassen wir das, mir gehts nicht um $, ich mag Wirtschaft, und Kunden, will wieder dahin. Im Callcenter witzelten sie manchmal, es sei zu liebevolle Beratung, aber das macht eben die gute Quote aus, von der sie sagten, die sei legal nicht möglich, was sie aber sehr wohl war.

Am Ende steht für mich fest, daß, die Bedingungen kennend, ich wohl nie wieder Kamps- und Real-Produkte kaufen werde.

*

Lt. Homepage der Firma, bei der ich direkt arbeitete, erfolgt "die Abrechnung unserer Leistung ... flexibel je nach Kundenwunsch (z.B. Std.-Basis / Pauschale)" http://is-s.de/regalservice - d.h. der treibende Kern hinter den fraglichen Praktiken wird wohl die Kamps "AG", oder Barilla sein.

Als Kontrast zunächst das von der Kamps Homepage:
"Außerdem fällt die Entscheidung, eine strategische Partnerschaft mit SSP (führender Betreiber von Catering- und Einzelhandelskonzessionen) einzugehen. Geplant ist der Ausbau auf 25 Standorte in den nächsten drei Jahren durch den neuen Franchise-Partner." -

Diese AG wurde von Barilla übernommen - aus den roten Zahlen kommen sie nun offenbar zu Lasten anderer Kassen. Wikipedia allein scheint's sagt eigentlich schon genug:

"Die Aktien der Kamps AG sind heute an keiner Börse mehr gelistet. ... Bereits 2005 hatte sich der Umsatz des Unternehmens seit der Übernahme im Jahre 2002 von anfänglichen 1,8 Mrd. € auf 1,21 Mrd. € verringert; 2002 kam der Konzern in die Verlustzone. Die Zahl der Mitarbeiter sank im gleichen Zeitraum von knapp 14.000 auf 7.800. Eine rückläufige Entwicklung zeichnete sich allerdings bereits vor der Barilla-Übernahme ab. Ab 2006 wurden keine Zahlen zur Kamps-Gruppe mehr veröffentlicht." http://de.wikipedia.org/wiki/Kamps_(Unternehmen)

*

Ich möchte schließen mit dem was mir Spaß macht, der wirtschaftlichen Kalkulation; positive Energie.

Die einzige Marke, welche recht faire Verträge zu haben schien, war Ölz:
1/2 Stunde Zeit für dies kleine Regal des österreichischen Kuchenherstellers, 2x die Woche, das war in der kurzen Zeit mein Favorite: zu schaffen, angenehm sortiert, ordentliche Verpackung.

--

Zusatz (Motivation):

Vergleichen Sie die anderen Riesenregale im Real mit dem von Ölz, werden Sie fragen, wie man das schaffen soll: >10x die Fläche, in weniger als 3x der Zeit, die für Ölz gewährt wurde? Und bringt diese Art Geschäftsverhalten wirklich mehr Umsatz, oder fahren hier nicht junge Managerzicken den Namen deutscher Marken förmlich an die Wand? Denn sowas spricht sich rum. Es würde allein genügen, über die Bücher abzugleichen, wer alles da schon beschäftigt war, und sie sollten sich nach 50% Personalabbau nicht drauf verlassen, daß man noch in dem Ansehen stehe wie früher, das zu verhindern.

Ich bin jemand, der keinen Streß will, arbeitgebernah. Unbezahlte Überstunden sind kein Problem, Loyalität, völlig unkompliziert! Übertriebene Ideologie durch junge Heißspunde aber schafft Probleme, die unnötig sind wie ein Kropf (nach Helmut Kohl).

Eine Verschwiegenheitsklausel hab ich nie unterzeichnet und auch nicht mündlich anerkannt, bin daran somit auch nicht gebunden. In aller Regel wird Whistleblowing dieser Art ausgesessen, von daher hab ich nichts zu befürchten; aber auch wenn würde ich's nicht zurücknehmen.

Man fühlt sich am Ende besser, was Gutes getan zu haben nach dem bescheuerten Ärger. Ich meine: Du willst nur eine simple kleine Stelle und hart arbeiten, ohne dabei mißbraucht zu werden.

Und langsam reicht's Dir und Deinen Kollegen. Deutsches Berufsleben scheint heut allzu oft derart verkünstelt, wie eine kranke Kolportage. Alles verkompliziert durch gierige Absolventen, und dann werfen sie Dir das auch noch vor. Während Unternehmer Schwierigkeiten haben, noch zuverlässige Leute für solche Jobs zu finden. -

Was unfairer Wettbewerb dieser Art am Ende dem Staat und der Gesellschaft kostet, das ist einfach nur brutal, und sägt am Ast auf dem wir alle sitzen. Den Umsatz kurbelt es gewiß nicht an, und Steuern kommen so auch nicht rein.

Apr. 12th, 2010


[info]not_really_goth

Wie sieht das eigentlich aus, wenn Callcenter-Agenten bei der Polizei 'petzen'?

Das weiter unten ist so ein Teil - in kleinen Callcentern ist das selten, weil dort mehr auf Qualität geachtet wird. Natürlich gab's für den Kollegen nie eine Antwort; von Polizisten wird heute teils erwartet, Betrug zu vereinzeln auf den Bürger, als ob das immer so wär? Ich meine nicht vom Apparat, sondern Leser jener Zeitungen leben das so vor. Der Lokalteil legt nahe, "diese komischen Unternehmen" seien irgendwie halt wohl nur modern, und sie sponsern doch den Fußballverein?

In etwa so sehen jedenfalls Callcenter-Leute den Ansatz der Polizei was das Problem betrifft -> als zu naiv/bequem. Das heißt nicht, daß dieses Bild stimmen muß. Aber es prägt die 'Risikoabwägung'. Manche Polizisten sagen, wer sich ins Haifischbecken begebe, müsse sich doch nicht wundern - als wären das rechtsfreie Räume gemäß einem stillschweigenden Konsenz der Gesellschaft für Privatkundentelefonie. Freilich haben Leute mit sicherem Sold gut reden, weil sie eben beim Staat selten Gefahr laufen, in einen Gewissenskonflikt zu kommen. Aber es sind Deiner Erfahrung nach diese "realistischeren Bullen", die sich woanders wirklich engagieren; denn zumindest betrachten sie jene Teile Branche als dubios.

Wie dem auch sei, hier das kleine Zeitdokument:




So in etwa sehen die Mails immer aus: voller Sorge, weil jeder weiß, daß Du in Deiner Stadt der Arsch bist wenn sich das rumspricht. Denn es ist doch wohl echt nicht clever, zu den Bullen zu rennen, und sich dadurch die Karriere kaputtzumachen?! (Grüße an die Polizeidirektion Rostock!)

Jan. 24th, 2010


[info]not_really_goth

Ex-Kollegen aus'm Callcenter & moderne 'Schizophrenie'

Yep, Du warst eine dieser Callcenterkreaturen manchen üblen Lädens, und in den Jahren danach begegnen Dir in der Stadt nun zuweilen Deine Ex-Kollegen. Über diese komischen Erfahrungen dreht sich der fragmentarische Blogeintrag hier...

*

Vorab dies: Ich hab bis jetzt von unzähligen Begegnungen nur eine erlebt, wo sich jemand so verhielt, wie es sich gehört. So in der Richtung:

"Hey, wie geht's? ... Schade, daß Du weg bist... Was macht Du jetzt so? ... Ich bin zu * gewechselt..."

-> Du bist dann total beeindruckt, denn "normal" ist das Verhalten heute nicht mehr, wo irgendwie der Wahnsinn regiert.

*

Nur Wenige hielten dort ihren Job. Allen Ernstes schwätzen sie dann, fast als ob nichts gewesen wär, wie wenn man noch zusammen arbeite - und stecken Dir die neuesten Interna.

Wo Du es ins Spiel bringst, deuten sie an, daß man sich doch besser mit niemandem anlege, aber mehr nebenbei (Callcenter-Agenten sind verdammt verratscht). Warum sprach sie Dich jetzt eigentlich an? - Nein, stänkern will sie offenbar nicht, nur muß sie irgendwas nachplappern, eben was sie im Radio hörte, unternehmernah oder wie auch immer: kurz schießt es aus ihr raus, sich selbst im Leben versichernd -- bevor sie weiterquasselt von anderem. - Steht die neben sich? Du beendest es mit einem kurzen Kommentar übers Wetter und dem "hey, wünsch Dir alles Gute, war nett, Dich mal wieder zu treffen!", um sie loszuwerden. Sie merkt es wirklich nicht, eine Seite von ihr vielleicht schon, die andere weniger.

*

Doch diese "Erfolgreichen" (haben immer noch den "festen Job" zu 7 EUR Stundenlohn, wow...) sind Ausnahmen, die meisten Ex-Kollegen voll fertig. Ein Teil versucht seine Probleme zu verbergen und es gelingt nicht - andere sagen vorsichtig relativiert, daß sie beim Psychiater in Behandlung sind.

Aber nichts auf der Welt kann sie offenbar dazu bringen, sich einzugestehen, daß sich diese Zeit von 6 Monaten bis drei Jahren nicht lohnte, wo sie meinten, Callcenter wär besser als arbeitslos zu sein? - sie wissen es anders, und geben sich doch vor, es nicht wirklich beurteilen zu können. So, wie man es an der Schule lernte - von Lehrern, die keine Ahnung von Wirtschaft hatten, aber Sittenstrenge und keine Meinung zu haben als Ideal vermittelten, weil das der sichere Weg zur Karriere sei, irgendwie.

*

X war ein netter Kollege, der sehr treffend sagen konnte, wenn er den Eindruck hatte, unser Team würde "perfekt ausgebeutet". Gelernter Bürokaufmann; ein naiver wenngleich kritischer Geek, schien es.

Als wir damals meuterten wegen eines neuen Teamleiters, der uns als Drücker vorgesetzt wurde (Leute etwa auf dem Klo quasi durch die Kabinen anquatschte, sie mögen sich bitte beim Geschäft beeilen - "und... ZACKK!!" wie ein Viehtreiber, in der Geschäftskundenabteilung... oder diese Kommentare, ob Abschlüsse sauber wären oder nicht hänge man heute doch nicht mehr so hoch, sowas müsse man sportlich nehmen, etc.) --> da war es jener an sich harmlose Kollege, der bei unserer Besprechung mal eben kurz im Ernst fallen ließ, er sei begeistert, wie gut die neue Motivation wirke, und man sich dank ihr über seinen inneren Schweinehund hinwegsetzen könne... (nein, keine Ironie)
Wir waren alle platt, das zu hören. Diese 1 andere Meinung genügte, die Einstimmigkeit zu brechen, den Betriebsrat hatte man sich eh gekauft.

Nun, man sollte annehmen, daß er mit der Art wenigstens Karriere machte? -> Natürlich Fehlanzeige. - Ich traf ihn vor einigen Wochen beim Einkaufen. Er sprach mich an, als wäre nichts gewesen. Hatte offenbar das Bedürfnis, zu reden, obgleich ich ihm sagte: "Du, ich muß weiter...".

Er sei immer noch im Callcenter, jetzt schon krankgeschrieben vom Psychiater. Es wär' halt immer das Gleiche...!! -
23 Jahre alt, und wie alle, die ich kenne, jetzt dann beim Amtsarzt. Die Leute sind hinterher ewig auf Sozialhilfe oder Gelegenheitsjobs - kurz über 20, nie mehr als Armutslohn verdient, und dann das?! - Man könnte den keimenden Unmut durchaus verstehen. Doch wieviele dieser Callcenter-Agenten sind bereit, mitzuhelfen, ihre Realität und Lebensperspektiven zu verändern, eben Leute zu unterstützen, von denen sie das erwarten? - Würdest Du wie von ihnen gewünscht an ihrer Stelle die Ungerechtigkeit aussprechen, hieße es wohl nur wieder, man übertriebe wohl etwas...? - Egal.

Jedenfalls wieder so eine Erfahrung - schlechtes Gewissen, bringen es aber zugleich fertig, verwundert zu sein über so unerklärlich feindseliges ;) Verhalten von Ex-Kollegen = Dich womöglich obendrein noch hinzuhängen...

*

Dergestalt ist es oft. Neulich postete hier jemand einen Comment unter den Text, der beschreibt, wie schwer es gefeuerte Agenten hinterher haben, Vorurteile etc.. -> wollte unbedingt den Namen seines Ex-Unternehmens loswerden. Wie als wenn es heute noch irgendwen schert, ob über ein Callcenter negative Andeutungen im Internet stünden. "Genau wie bei denen -> Callcenter X". Wow, welche Mühe!

Als ich ihm schrieb, daß es so nicht geht, ich verklagt werden könne würde ich das nicht löschen, aber er gern schreiben möge was denn eigentlich war, meinetwegen Andeutungen fallen lassen, nur eben ohne Namen -> fühlte er sich "zensiert". -

Oder anders ausgedrückt: Hier überzeugte sich mal wieder jemand, die ganze Welt sei böse -> *man habe halt selbst nichts tun können*.

*

Irgendwann glaubst Du es bald schon nicht mehr. Da ist etwa das Girlie, welches immer noch nicht schnallt, daß man sie mit dem Hinweis, sie könne sich nach 3 Jahren noch zur Teammanagerin hocharbeiten, nur anspitzt (wer Coach oder Teamleiter werden will, wird es mit 6 Monaten, oder gilt als zu verbraucht).

Sie blubbert mich voll mit Mädelsstories z.B. über unsere Ex-Chefin, während ich mehrmals damit winke: "Sag mal, Du weißt schon, wem Du das erzählst?!" Oder: "die ist der Grund, warum ich gehen konnte..." - Allein, sie hört es nicht, lebt in ihrer Welt des Callcenter-Fun und wer wohl mit wem, und daß J*** privat dies oder jenes.

*

Die sendet heute noch Rundmails, daß gefeuerten Kollegen der Eintritt ins Unternehmen an der "Sicherheitsschleuse" zu verwehren sei - sie rechne damit, daß sich wer reinschleichen wolle. Zwar hat sie dutzende arme Seelen selbst gefeuert und über sie Gerüchte gestreut, aber jeweils war da doch irgendwas mit Drogen, Betrug, Polizei, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz oder Kommunismus, sagte irgendwer, sie weiß es nicht aber fühlt sich bestätigt zur Sorge... - während all das sie selbst war. Paranoia eben.

*

T., der den Firmengründer im Pausenraum lautstark als "genialen Ausbeuter" bezeichnete, arbeitet noch da, als Quality Manager - und hat keine Probleme damit, für einen "Manchesterliberalen" und "Schlotbaron" eines Fabrikschlosses zu arbeiten, den er eigentlich verachtet. Daß mittlerweile alle Kollegen von damals weg sind, fällt ihm nicht auf. In der Richtung, angesprochen, sagt er, man müsse eben die Macht des Faktischen sehen, aus heiterem Himmel switchend zwischen T. dem pfeffrigen Dichter-Typ zu dem, was seine erste Person "Mitläufer" genannt hätte.

*

In der Stadt wo Du lebst, reden viele Zeitarbeitsfirmen abschätzig von jenem Center: "Was ist denn das für ein Unternehmen, ständig Scherereien vorm Arbeitsgericht?!" - Aber sie vermitteln unbetrübt weiter dorthin Personal.

Die überforderte Dame der Firma wiederholt begeistert Binsenweisheiten des Telefonierens, wie das Callcenter es ihr vorstellte. Als Wunderwelt ("das ist ganz seriös, etwas mit 'IT', und das sind Kunden die schonmal was mit denen zu tun hatten, also 'warm' nennt man das...") sodaß man mit Überzeugung dahinterstehen könne - für die verschriensten Chaoskampagnen der Region.

*

Es war einmal diese gelernte Heilpraktikerin - die hörbar stolz für einen großen Pharmakonzern telefonierte. Der Umstand, für die verhaßte Gegenseite zu arbeiten, sei wie sie es sah "doch in sich stimmig" - habe schließlich beides irgendwie mit Gesundheit zu tun... *lol*

*

Die linken Karriereriegen der Center werden beherrscht von Leuten, die Du von der Roten Liste Deiner Hochschule her kanntest (nicht als Mitglied selbst, sondern normale Student(in), jene vergiftelten Biester und Kampflesben als angebliche Vertreter ertragen müssend). Es paßt für sie: Legt doch grad der Bereich beredt Zeugnis ab von Ausbeutung, wie sie sagen - also sitzen sie an der Quelle! :D

Daß sie als Quality Manager voll mit drin hängen, ist kein Problem, weil nebenzu in der Gewerkschaft. Zwar deichselte die mit bei diesen Schuppen, aber das Ganze gibt jede Menge Möglichkeiten, sich in Stellensicherungspolitik mit Phrasen zu beweisen, gegen den bösen 'Schlotbaron', den man angiftelt. Von dem sie sich abhängig machten, indem sie die illegalen Praktiken im Management mittrugen. Sie spielen tough, wenn es um Abschaffung mitunter leicht regelwidriger Bereitschaften geht, Schattenboxen und Spielargumente, dafür Raushalten bei den ernsten Themen. Bequeme "Stimmigkeit" ihrer Ideologie. Und das Studium war so doch nicht umsonst, weil man zumindest 1-2 Ebenen über dem Armutslohn steht. So sei das eben, heute.

*

Du erlebst Gestalten, die gegen "unverschämte" Dumping-Preise bei Computern sind, selbst auf Armutslohn + sich nur das Billigste leisten können, im Center an solchen PCs ihr Geld verdienen, und für Versandhäuser telefonieren: deren Gewinnmarge ihren Vertragspartnern in Asien garantiert keinen Spielraum lassen für faire Arbeitsbedingungen...

*

Eine unserer Blondinen war öfters schon in jenem Callcenter. Um 2008 hat sie das dritte Mal angefragt, evtl. wieder einen Job zu bekommen. Es gäb' sowenig in dieser Stadt. Wie machen die das wohl mit sich selbst aus? Der Standortleiter witzelte immer genüßlich über Leute, die 1 Jahr nach ihrem Ausscheiden wieder "anklopften". Das sind gar nicht so wenige, wie man meinen sollte.

*

Yep, die Schwarzen Schafe unter den Callcentern wären ein reiches Feld für die Psychologie, und werden zuweilen sicher nicht umsonst als der neue Gesellschaftsentwurf beschrieben, für härtere Zeiten. Sag dies und das, plapper in Dein Telefon, dann ist egal was dabei passiert, Dich trifft keine Schuld. Weil wer kann denn heut noch irgendwas sicher sagen, garantiert niemand -> also, überhaupt, äh', keine Ahnung aber hat alles wohl so seine Ordnung irgendwie...

Passiert es Dir dann, gekündigt zu werden, verhalte Dich so, daß Du Dir die Option offenhältst, Dich wieder einzureihen - auch wenn die Sache eigentlich längst gelaufen ist, und Du Dich verletzt fühlst? Aber der Arbeitsmarkt zwingt Dich doch, angeblich, und könnte mit Patchwork-Identity oder positiver Energie nicht noch was gehn? Weil andere sind doch bestimmt nicht so innovativ oder flexibel-dynamisch eingestellt wie Du! ;)

*

Millions of people just living out their lives, oblivious?

-> Nein, es ist viel lässiger als in Filmen wie Matrix, mehr so nebenbei. Das kann man als Einzelner nicht wirklich beschreiben, es würde immer wie eine Kolportage aussehen. In vieler Hinsicht. Weil gemauert wird, bis die Sachen zu umfangreich werden, oder sich die Katze in den Schwanz beißt, wie man so sagt. - Heute bieten Ihnen jene heftigen Callcenter per Telefon schon Maßnahmen gegen ihre eigene Zunft an, irgendwelche Produkte und Leistungen, die helfen sollen gegen Anrufer-Spam wie sie selbst. -> Genauso konfus geht es eben dann zu.

Das wäre ein guter Abschluß, aber man möge nicht übersehen, daß unendlich viele Callcenter sauber sind, selbst drunter leiden was im Markt los ist, und Menschen dennoch gute Arbeit geben. Das Bemühen der Unternehmer wird zu oft vergessen, wenn es um Darstellungen geht.

Oct. 23rd, 2009


[info]not_really_goth

Webbrowser-functions the German Federal Labour Office considers as "illegal" use

German Federal Labour Office: Opera not worthy to be supported, and: Visitors are expected not to use the "back"-button (moved 2012, original Wednesday, October 21, 2009 3:19:24 PM)

I just got a phone call by the "Bundesagentur für Arbeit" 2nd level IT support. Few weeks ago I reported several bugs of the website http://jobboerse.arbeitsagentur.de .

As it turns out, these are not shortcomings, but intentional limitations to protect the database containing job offers...
  • Opera is not a supported browser, since according to their own analysis "only 1%" of the surfers currently visit this site with the HTML standard compliant application (they don't support Opera, so what do they expect? 1% is the number of people who try first time, then as to the restrictions give up and start Internet Explorer/Firefox).banana
  • In order to view job offers clicked at in search result listings, one has to use the website's navigation _exclusively_: NOT browser functions. Otherwise the site will secretly redirect to the last viewed job offer without further notice, and people assume double entries in the database. The "back"-button (or other things in the program's user interface) is not a functionality allowed, here, while...
  • ...in case as to known site-problems, according to the Hotline it can be neccessary to sometimes reload the CSS file hitting "Ctrl+F5". What function of your browser you are allowed to use and what not isn't documented in the help (except for some harsh random alerts when surfing the website). bug
  • They don't use a browser version sniffer to inform what applications are ok, only at some point you get a notice Opera is not ok. Support says there are "too many browser versions" on the market to support more than IE and Firefox 3. drunk
  • Tab surfing e.g. seems to be seen as a potentially fraudulent activity (except when the site itself tries to open up a new window for external links). 1st level support advises users to not surf in Tabs. ninja
Their database entries (job offers) - despite these innovative security means - are to find all over the German internet on private job sites. beer The agency site has been coded completely "in-house" as they say (IT is a sub-company of the authority), and the decision to keep Opera out was an internal one several years ago.

___________
PS: The employee I spoke to has no responsibility for me posting this entry - I would have done so anyways, whoever in the line, so don't blaim him as he was correct and followed the obligation to (despite the catastrophic factual situation) maintain a positive image of the measures by the book. (I'm an ex hotline qm/trainer.) cool

compare the forum entry http://my.opera.com/community/forums/topic.dml?id=296662&t=1256207740

Have to add another thing as I've been kind of overworked when writing this: Not the whole site isn't accessible, but the only reason why people visit it: to search the database. So it's kind of a hidden thing: yeah some stuff works, the most important not, sometimes unexplainable errors even under Firefox. Then have the kindly reporting Opera user frequented by a dumbest possible 1st level support answer, call the detailed emails written "imprecise" and try to defend such politics with terms making it sound better (whereas there's no way to do this without letting the other side look "exotic" or some "hopeless case") -> and you'll experience a lesson in customer anger.

Oct. 8th, 2009


[info]not_really_goth

Kündigungen in üblen Callcentern

Die Diskussion um Bagatelldelikte: hinter den witzigen (aber auch dreisten -denn wer z.B. Essen nimmt ohne wenigstens zu bitten oder einen Grund zu nennen, zerstört ja wirklich die Vertrauensbasis/Sparsamkeit erst ermöglicht viele Stellen-) Geschichten sieht die Realität düster aus. Und je mehr solche Stories über Arbeitnehmer kursieren, die "irgendwie doch selbst schuld" sind...

*

Im Sweatshop-Callcenter siehst Du die Dinge anders. Mancher Kollege auf Antidepressiva, und ruft, weil zuviel davon genommen sodaß es wie Schlafmittel wirkt, am Mittag an: daß er heute nicht pünktlich (um 8:00) kommen kann... Oder eine junge Mutter, deren Kind im Krankenhaus liegt, flippt wegen Mobbing (/Quotendruck) -> aus und schreit im Großraum rum "ihr Schweine!". -> Schuldhaft sich selbst gefeuert!?

Meist haben sie (wenn es dazu kommt) keine Chance, und werden solange von "innovativen" Kollegen gemobbt, bis sie die Nerven verlieren. Bei dem Job ist das an sich so schon kein Wunder. Ein Beispiel dieser Sachen: Die Telefonistin wird aus dem Kollegenpulk gezogen und soll nun "aus gegebenem Anlaß" unter Beobachtung des Teamleiters an seinem Zweit-PC Kunden anrufen. Weil mit ihr doch was nicht stimme, negative Energie oder so (die Versatzstücke dazu lernt man auf B5 aktuell, "Campus & Karriere", FAZ-Hochschulmagazin u.Dgl.). Das bedeutet für die Betroffene, den ganzen Tag tapfer antelefonieren gegen die Darstellung, sie sei "emotional" - und gleich wie gut sie es macht: ihre Konkurrentin wird als "Coach" reinsticheln, dieses oder jenes sei verbesserungswürdig, als würde sie selbst nie drauf kommen - bis ihre Seele blutet, weil man jede gute Absicht nur wieder als Vorwurf gegen sie kehrt. - Verweigern die Betroffenen die Ausgrenzung und fordern den Arbeitsplatz unter Kollegen wie jeder andere, ist das eben der fristlose Kündigungsgrund, den es braucht. Das Gezicke der Cliquen wird so zum Staatsakt, den die/derjenige wohl zu verantworten habe. - Mobbing kommt im Großraum unscheinbar daher: Coolness der Hiphopper, die sich als Machos aufspielen, wie sie "geil" Quote machen und es nicht so genau nehmen.

Oder Leute werden durch sowas in die Situation gebracht, interne Berichte/'Beschwerden' schreiben zu müssen, weil ihre Kunden oder befreundete Vertriebler schon toben, etwa die DSL-Anschlüsse ewig dauern und man die Schlamperei dieser Kollegen nicht mehr aushält. Wobei die Realität in diesen Centern wo's so zugeht heute kaum angemessen noch zu bezeichnen ist, und es sie in der Situation gewiß überfordert. Wenn sie allgemein schildern sollen was jedem (auch "konservativen" Chefs mit Schwäche für neoliberale Ideologie) längst klar = eine Binsenweisheit ist. Sie sind sich also beim Abfassen bewußt, daß es sie feuern wird. Aber man ihnen eben keine Chance läßt, als so zu handeln. Das heißt auch sie braten im eigenen Saft und egal was sie sagen, es wird eh gegen sie ausgelegt werden (*mental rape-constellation*). -

Es ist häufig, auch wenn die meisten mit Nachteilen wie einem etwas schlechteren Zeugnis vorher gehen. Wenn nicht, kann das übel enden. Zu feuern bedeutet ja heute auch, präventiv die Glaubwürdigkeit zu zerstören für den Fall, daß jemand über illegale Telefonie etwa aussagen würde. Die Besorgnis, das könnte passieren, ist in der Regel völlig unangebracht: aber eben *die* Chance für junge Karrieren, sich zu profilieren, indem man vorgibt, einem Arbeitgeber zu helfen, hier einen "Aufruhr" zu verhindern. Den Rest erledigt das Klima - die Betroffenen sind, nachdem man sie als potenzielle Drogensüchtige, "Schwule" oder sonstwas durch den Kakao zog, dann bei Gericht und in der Behördenwelt stigmatisiert. Jemand Arbeitsloses sollte doch dankbar sein...

Es ist aber wichtig realistisch zu bleiben: Sowas passiert bevorzugt mit den kollegialen Leuten, die Rückhalt im Team haben, und von den Karriere-Cliquen im Raucherzimmer angestichelt werden. Nun ist dieser Text hier aber auch über's Feuern und wie es dann eben aussieht, ein leider allzu wahres Abbild der Wirklichkeit.

Wir sind in mancher Hinsicht längst wieder in der Zeit der heimlich gezwirbelten Schnurrbärte des Wilhelminismus² - zuviele Jungspunde prahlen damit, sie würde nie so "bescheuert" sein was zu kritisieren. Aber mehr so in der Zuckerwatte des Wohlstands, nur ein "Späßle" und so, was meist viel mehr bedeutet. Wer seine Meinung wenn auch konstruktiv äußere oder sich "so wichtig" nähme auf Gesetzestreue zu achten, statt "halt zu spuren", sei wohl "eh nicht ganz sauber", et cetera. - Polizei behandelt in dem Klima Callcenter-Betrug individualisiert: der einzelne Telefonist sei doch "erfahrungsgemäß" immer schuld, denn die Lokalzeitung schrieb ja positiv über das Haus und sowas könne doch "so falsch denn nun auch wieder nicht sein irgendwie", heißt es zuweilen gemächlich von entsprechenden Konsorten. Und warum arbeiten Leute auch in solchen Bereichen, wo man eben halt schmutzig werde?! *lol*

*

Unrechtsbewußtsein gibt es in Deutschland eh kaum mehr? - Was Vorteile bringt gilt als erfolgreich=gut. Controlling staatlicher Instanzen wirkt z.T. eingeschüchtert spätestens seit der Affäre um falsche Abrechnungen von Vermittlern um 2000, wo 'die' Öffentlichkeit angesichts des Wertezerfalls nicht mehr verstand, warum eine Behörde 'spinnerte' Gewissenhaftigkeit und Selbstkritik betreibe, wo doch PR viel schöner ist. lol -

Arbeitsagentur und ARGE fingen jahrelang all diese unnötigen Konflikte der Arbeitswelt verständnisvoll zum Wohl der Allgemeinheit und Sozialkassen ab (und das kostet Zeit!/Eingehen auf die Menschen, um sie wiedereinzugliedern); ihr eigenes Controlling aber war verpflichtet, ohne das zu berücksichtigen sich selbst zu beschädigen und dafür auch noch kritisieren zu lassen, "Nestbeschmutzen" sei doch kein "corporate behaviour". - Heute hält man sich dafür eher raus, was das Controlling betrifft; Hinweise auf Schwarze Schafe der Unternehmenswelt scheinen auf mittlerer Ebene vielerorts gar nicht mehr bearbeitet zu werden, stimmen die Gerüchte von Zeitarbeitsunternehmern, die keine guten Erfahrungen mit ihren entsprechenden Eingaben machten.

*

Zurück zum Thema. Dir erscheinen diese witzigen Stories, welche so in die Öffentlichkeit gezerrt werden, zumindest teilweise strategisch: Denn wann haben Sie zum letzten Mal in dieser Lokalzeitung von den zehntausenden Klagen von Callcenter-Agenten seit 2000 gelesen? Viele nehmen immer nur Sachen, die Arbeitnehmer als faul hinstellen; natürlich wird es das geben, aber es ist eben nur ein Teil der Wahrheit. 20 Jahre dieser Art von Berichterstattung mancherorts haben nur dazu geführt, daß wir solche Zustände erst bekamen (weil es als normal/entschuldbar scheint?), und Arbeitgebervertreter so überarbeitet = vergiftelt wirken, daß sich Jugend abwendet, und als "links" definiert. Man verrennt sich immer tiefer in jene Geschichten, völlig unnötig. Aber was das woanders alles kostet, im Sozial- und Gesundheitswesen; die Teile werden am Ende echt teuer.


Dieser kurze Eintrag soll nicht runterziehen, sondern so ein bißchen dagegenwirken. Der Spaß vieler Leser an einfachen Geschichten wirkt auf der anderen Seite als Stigmatisierung von Leuten, die ganz unten (oder oben) für Verbraucherrechte eintreten. Jene Politiker, welche sich mit dem Ankreiden von 'Korinthenkackerei' und 'bürokratischer Kleinlichkeit' einen Namen machen, bleiben in ihrer Aussage diabolisch: Im Zweifelsfall wollen sie doch nur zeitgemäß den Wähler angesprochen haben wie er es halt angeblich nur verstehe [bis es erst so ist wie man es hinstellt], und lenken das Ganze dann über in eine Moralpauke, die viele leistungsbereite Menschen unbegründet trifft und verletzt. Um selbst als "unternehmernah" zu gelten, für die Karriere. ->

*Der Rücksichtnahme auf Bequemlichkeiten wohlstandsverwöhnter Menschen müsse jetzt wieder harte Arbeit folgen, es gelte nun Anpacken statt...* lol

_________
²Mit dem Unterschied daß es damals nur darum ging, sich überhaupt ordentliche Kleidung leisten zu können, und die sehr knappen Kalkulationen der Zeit viel Unrecht bedingten - statt heute, um mobbend Karriere spielen, weil *man das eben irgendwie so muß um zu überleben ;)*. Ohne wenigstens ein klein bißchen zu sehen, wie gut man es hat, und daß man dafür seinem Unternehmen gegenüber doch bitte auch zumindest etwas loyal und gewissenhaft sein sollte.
Bei dem Text sollten Sie wissen, daß der Stil humanistisch ist -> die ganze Komplexität bringen für akademisches Publikum. Politische Richtung: *wirtschaftlich liberal, gesellschaftspolitisch moderat-konservativ*, es ist keine linke Kritik.

(Erweiterung 30.12.2010 14:30)

May. 17th, 2009


[info]not_really_goth

working as a fake employee for drug firms

esp. in the over-the-counter sector, today, outsourcing callcenters are widely used. around 2005, some pharmaceutical companies cut their agent staffs in order to be cheaper. many pharmacists actually liked the previous business contacts which now got replaced by minimum wage people who on the phone acted as representatives of the corporations' consumer line subcompanies. of course, such can be an uncomplicated way to sell products hopefully leading to fast benefits for all sides; however, this entry points at the problems combined with it as they lie in the nature of just too short attempts.


in the start phase of such campaigns, things sometimes turn out in chaos; incorrect bills due to Excel spreadsheet formula errors, e.g.. the 1-2 hour trainings usually instruct over the most frequent terms used in the business to fake professional knowledge, the rest is tricking apothecaries into contracts. the former agents who supplied the pharmacies are now told to be retired, ill or just on vacation? > colleagues can be quite creative and annoying to have impact.

agents who willingly give in to send offers on the fax are rare types, because this is not how you sell (at once and with pressure abusing stressed-out people). due to low sales rates these telephonists risk to be taken off the teams and loose their jobs. normally, it's like in the first scene of the Al Pacino movie Insider: people do their job in an aura of fun. the drug firms' project managers from time to time send encouraging notes about successes and customer satisfaction, once in half a year go for dinner with the outsourcing partners' staffs; impresses quite some agents, for these spheres are unknown to them as they usually lack a completed vocational training.

should one get on the nerves of pharmacist employees whom customers rely on when informing about side effects some doctors failed to (as not so uncommon in the current German health system situation)? if you want to be successful, you have to violate a sensitive sector's professional ethics. the pharmacists numbers given to the cheaper call centers often occur to be pools of addresses inhouse telephone teams could not convince (while the data security law seems neglectable since politics signals so). yes, fooling others about one's true identity might burn long-term business relationships, because these kind of things go around. but we're in obedient Germany with a tradition of don't-ask don't-tell policies, so that's clearly to be disregarded.

the fast young careers built on outsourcing meanwhile change the industry; again, it's just parallel to the same pattern in politics which is known to tolerate telephone spam. they want to make whole sectors a hateful soup of unfair competition, leading to a greedy chaos where politicians can make easy careers because nothing don't matters anymore, and values are reduced to something you claim to stand up for in speeches. compare the situation for medicals: if they protest, you as a politician can profile yourself as the instance which courageously prevents citizens to get ripped off. and don't demonstrations and critics always look sufficiently radical...?

many pharmacists say, that the big names today often sell poorly because people in Germany prefer generics; the competition by doubtable internet firms led to huge economical problems. in such scenarios, one can never know if it's really just selling, or if you make it even harder for them when you waste 5 minutes of their precious time.

as one experiences it, most pharmacists called were in a struggle of survival (you know, the question if despite many customers' parsimony and bureaucratic regulations to lower health insurance costs, you are still able to pay your bills or not), and stressed out up to a level where you as a telemarketer should have a conflict of conscience.

business customers often don't realize how unprofessional and easy to manipulate their choices are when it comes to big pharmaceutical names which nearly always make quite an impression. some of these corporations make huge amounts of money using burnout agents. in sweatshops so hot they wear beach clothes, 'motivated' by gummy bears and some team manager supervising as if the teams were unstable patients in a mental institution. normal telemarketers of this type made it to a maximum of 1 1/2 - 3 years till burned out. the work circumstances in some centers lead to a strange contrast compared to the fact they sell medicine.

Apr. 10th, 2009


[info]not_really_goth

Sozialsystem im Spannungsfeld politischer Gewalt

diese Einschätzungen kommen von Mitarbeitern unter anderem der Regierung von Schwaben und des Sozialministeriums. ich hab es ein bißchen geordnet, möchte dies für sich stehen lassen


  1. unsere Politiker betrieben seit Jahren über die Verschärfung der Sozialgesetze (damit gemeint sind Dinge wie Kündigungsschutz) ein Klima der Angst im Land. die Arbeitsämter sollten durch die von den Sozialämtern her geprägten ARGE-Stellen unter Druck gebracht werden. diese hätten oben einen schlechten Ruf wegen ihrer Nähe zur Lokalpolitik
  2. man springe dort offensichtlich mit den Menschen so verletzend und bürokratisch um, daß viele aus Angst, ihre Stelle zu verlieren und hernach aus dem sozialen Netz zu fallen, sich z.B. in schlechteren Callcentern zur illegalen Arbeit gezwungen sähen, und jeder Kritik enthielten. politische Vorlieben und Fremdinteressen griffen mittlerweile zu sehr in staatliche Verwaltungen ein
  3. dieses Klima der Angst sei nicht direkt geplant, sondern Teil und Eigendynamik einer gewaltsamen Politik, die ihren Protagonisten optimale Nährböden für deren Karrieren biete. gegen böse Sozialisten 'unternehmernah' zu spielen mache sich immer gut, die negative Energie solcher Spiele schlage woanders zu Buche
  4. am Beispiel von 'Burnout Callcenter'-Mitarbeitern illustriert: die würden auf 400% Leistung abgefackelt, nach einigen Monaten gefeuert, dann Sperrzeit, kurz vielleicht Arbeitsamt unterhalb des Armutssatzes (weil wegen des Minimum Wage der Branche ALG1 nicht ausreichend aufgefüllt wurde). immer wieder eine zeitlang Leistungsbezieher der ARGE, dort so traktiert, daß sie schnell in den nächsten Sweatshop wechseln, usw.. wenn man es nun systematisch sähe: je mehr Menschen um die Kraft ihrer Steuern bestehende Sozialversicherungsleistung gebracht werden, um so mehr kann man umschichten in Kriegskassen wie Sportvereine und PR Events, Parteienfinanzierung etc., für die Kultur des Sprücheklopfens. wer ausgebrannt auf Hartz-IV ist, findet sich wegen der geschickten Stigmatisierung von Arbeitslosen durch manche Lokalpresse -> entrechtet und verarmt wieder, und kann sich nicht wehren
  5. natürlich zahlten die Menschen trotz gelegentlicher Arbeitslosigkeit einen viel höheren Preis, der oft übersehen würde: ihre Chancen, die dann etwa nach Mobbing und Kündigung andere für sich nutzen, und wegfallende Lebensperspektiven. die Arbeitsbedingungen in jenen Sweatshops, und verbundene Werbefrequentierung der Gesellschaft zu Feierabend zerstörten die Familienstrukturen im Land
  6. die Kritik aus dem ministeriellen Bereich ist insbesondere besorgt [deswegen spielen einem Mitarbeiter wohl auch solche Infos zu], wo es um das eigene Standing der Beamten geht. Kritik an den schnellen Karrieren, die durch die Politisierung des Sozialbereichs möglich würden, und teils in Mobbing münden. kleine Angestellte in Behörden, die entsprechend der Prinzipien des öffentlichen Dienstes handelten, liefen mittlerweile Gefahr, im Klima der gehässigen Kaffeecliquen -> als Quertreiber wahrgenommen zu werden. wie man die 'Politiker' unter den Teammanagern später wieder aus dem Behördenapparat entfernen könne, sei unklar, weil hierzu die Möglichkeiten fehlten. es zerstöre die Nachwuchsstruktur der Behörden, und ziehe Imageschaden nach sich, welche auf Dauer die Rechtfertigung staatlichen Handlings des Sozialsektors gefährdeten.
    denn am Ende bleibe der Staat auf dem schwarzen Peter einer trotz diverser Kniffe der Politik wie frisierten Statistiken -> langfristig zunehmenden Arbeitslosigkeit sitzen: und müsse sich dann von Politik und Sweatshops schelten lassen, ohne seine Leistungen um die Wiedereingliederung von Menschen überhaupt einmal respektiert zu sehen.


_____________
bitte vgl. Sie meine Distanzierung

Mar. 30th, 2009


[info]not_really_goth

Wettbewerbsverzerrung in der Zeitarbeitsbranche?

im Augsburg-Münchner Raum gibt es immer mehr Sorgen > durch Spamming beeinträchtigten freien Wettbewerb von Zeitarbeitsunternehmen.

Bei verschiedenen Häusern Anfragende (Bewerber) werden nicht selten mit Telefonspamming konfrontiert, wenn es um die kurzfristig gewinnträchtige (Eingliederungspauschale) Vermittlung von Arbeitslosen in Callcenter der legalen Grauzone geht. Zuweilen hat man den Eindruck, daß Arbeitssuchende, egal ob passend oder nicht, mit Gewalt Richtung Callcentern 'überredet' werden, mit Methoden, welche Auflagen von Arbeitsagentur und ARGE verletzen.

Die staatlichen Aufsichtsstellen scheinen nicht ausreichend Raum zu finden, Beschwerden aus der Bevölkerung nachzugehen. Die IHK in München informiert anfragende Bürger zwar vorbildlich über ihre Möglichkeiten bzgl. Datenschutzes, doch liegt die Bearbeitung bei einer staatlichen Stelle. Diese sieht sich offenbar in ihren Möglichkeiten zu sehr begrenzt, sodaß die Vorgänge strikt auf das Löschen einzelner Datensätze reduziert zu werden pflegen (statt im Detail zu überprüfen, ob ein Unternehmen spammt). Das Problem liegt sicher bei den Signalen der Politik, die in Richtung einer Aufweichung unseres Rechtssystems zugunsten der Korruption gehen.

Ich hab 2008 selbst einen Vorgang weitergegeben; die schriftlich zugesagte Rückmeldung der Datenschutzstelle blieb aus, nachdem das spammende Unternehmen mit obrigkeitsappellierenden Floskeln arbeitete. Weil es ohnehin an Möglichkeiten fehlt?

Mar. 2nd, 2009


[info]not_really_goth

*Dokumente armer Telefonisten*. Briefe zur Callcenter-Problematik

Überblick

Seit Jahren bemühen sich Augsburger Callcenter-Agenten um Berichterstattung in lokalen Medien -> und werden ignoriert. Stimmen die Gerüchte, stellte mindestens ein berüchtigtes Unternehmen sicher, daß niemand berichtet: dies über VIP-Parties, an denen auch Journalisten teilgenommen haben sollen. Die Augsburger Lokalpolitik meidet das Thema wie der Teufel das Weihwasser, zumal Augsburg bekannt ist als billiger Outsourcingstandort für Münchner Telefonkampagnen der Grauzone.

Wöchentlich rufen die gefeuerten Kollegen z.B. bei Lokalredaktionen an, und geben irgendwann geschockt auf, ohne zumindest was ins Netz zu stellen, auf dem Andere bauen könnten; kleine Dokumentationen. Ich möchte mal zeigen, wie man es richtig macht. - Hier vergebliche Bemühungen um einen Bericht in der Augsburger Allgemeinen. Ich bin nicht eine der Gestalten, welche online wettern. Und die Zeit ist eh noch nicht reif für sowas, aber sie wird kommen. Zumindest der entsprechende Redakteur der Augsburger Allgemeinen hat sich bereits mit Benzin übergossen.

Man muß sich natürlich etwas einlesen.


Link zu den Dokumenten


27. November 2008

Das ist ein seltenes Grundlagendokument; nicht eins dieser ekligen, sondern sauber und ok geschrieben, um andern Belegmaterial zu geben. Offene Briefe wie dieser können dokumentieren. Vielleicht.


Ergänzungen 02. Dezember 16:00

Es ist schwer, bei sowas den richtigen Ton zu treffen. Vor allem aber wegen der Tatsache, daß jene Callcenter ein verdrängtes Thema sind, muß man selbst ein Fundament erst bauen, von dem aus man infragestellen kann. Dieses kommt einem dann zu lang oder 'gestelzt' vor, man ändert wieder -> nun wird es zu banal oder 'beschuldigend', scheint anderen 'nicht mehr sachlich' genug (in unserer Gesellschaft wird das oft mit Nichts tun und beanspruchen das sei doch *konservativ* verwechselt), sodaß man es umbiegt, dann erneut zu lang, etc., eine endlose Sache. Das sollten Sie wissen.

Aber Sie spüren, daß sowas 'one in a million times' ist und nicht schlecht für eine Stadt, solche Aktionen zu haben, es spricht dafür daß eine Stadt lebt und Kultur hat. In dem Sinne. :)


Update+Reedit 05. Januar

Wegen Weihnachten mußte ich verschieben, es braucht einfach Zeit und ich wollte nicht aufdringlich sein. Diesen Monat wird es einen zweiten Brief an den Stadtrat geben, der meine Erfahrungen bringt. Ich war sehr erleichtert, daß der erste Brief gut angekommen ist, zumindest bei der CSU, eh die beste Partei in Bayern (sorry, aber ist so). Mir gehts nicht gut, Vertrauen schaffen, mit Institutionen zusammenarbeiten, Beratung und Hilfen nur dezent in Anspruch nehmen, es wird zuviel. Ich bin dankbar für Feedback.


zweiter großer Brief 14. Januar 2009

Gerade eben hab ich einen Anschlußbrief versandt. Im Gegensatz zum Beginn ist er nicht so komprimiert, und in recht kurzer Zeit geschrieben. Vielleicht zum ersten Mal überhaupt wird hier beschrieben, wie die Gewalt gegen Telefonisten und Verbraucher lokal möglich ist bzw. warum Betroffene es so schwer haben. Ich verspreche mir viel von diesem Dokument.

Eine kleine Widmung geht an Leute im Beethovenviertel. <3 Ohne die Bestärkungen gäbe es so ein Zeugnis von Stadtkultur nicht.


02. März, über 3 Monate danach

...noch immer keine einzige Rückmeldung, nichtmal eine Nachfrage, abgesehen von meinem Anruf beim (netten!) Sekretariat der CSU-Fraktion, wo sie das Klima der Augsburger Lokalpolitik bedauern. -> wieder wird es offensichtlich. niemand muß sich verwundern über die Gerüchte um Korruption im Augsburger Stadtrat, die unserer Wirtschaftsregion so sehr schaden.

Unten veröffentliche ich nun eine Liste aller Räte, die ich ankontaktierte von November bis Januar, Fraktionen zudem per Telefon. Die Stadträte fliehen vor dem Gespräch. Zu einem späteren Zeitpunkt kann man Rücktrittsforderungen verbinden (glaub ich nicht), aber das sollte Sache anderer Leute sein, wenn es denn dazu kommt.

  • 'Pro' Augsburg:
    Peter Grab, Beate Schabert-Zeidler, Karl Heinz Englet, Rudolf Holzapfel, Rolf Harzmann, Werner Lorbeer
  • Die Linke:
    Alexander Süßmair
  • SPD:
    Margarete Heinrich, Susanne Fischer, Ulrich Wagner
  • CSU:
    Josef Hummel
  • Referate, Fraktionen (Verteiler):
    OB-Referat, CSU, SPD, 'Pro' Augsburg


NEU: Update Ende März

vorläufige Zusammenfassung:
Die Lokalredaktion der Augsburger Allgemeinen verstößt also gegen das Presserecht, indem Anfragen von Callcenter-Agenten auf Berichterstattung über die Zustände in Sweatshops systematisch hingehalten werden - der Stadtrat macht mit.


Bis dato keine Rückmeldung. Meine Beschwerde bei der Zeitung wurde ungewöhnlicher Weise nach unten weitergereicht. Der verwantwortliche Chef der Lokalredaktion schien wütend auf mich, ich meine: offensichtlich aus persönlichen Gründen. Er wollte sich trotz mehrfacher Nachfrage, der er auswich, nicht dazu äußern, warum er trotz Teilnahme an der Sitzung Ende November, wo er sich gegen eine Berichterstattung entschied, verzögern ließ bis die Story alt wurde. Die beiden Anrufe waren seitens der Lokalredaktion aggressiv und feindselig, anders kann man es nicht nennen. Eine Anfrage bei gehobener Stelle des Verlags um Bestätigung der Teilnahme Herrn S. als Verantwortlichen für die Lokalredaktion an der entsprechenden Sitzung wurde nicht beantwortet, ebensowenig eingegangen auf meinen Offenen Brief vom Januar.

Damit ist "erwiesen" (doch was kann heute noch als sowas gelten, wo deutschen Lesern oft alles egal ist), daß die Augsburger Allgemeine vorsätzlich gegen das deutsche Presserecht verstößt. Und die Frage scheint müßig, ob die Lokalredaktion von Callcenter-Unternehmen der Region bestochen wurde. Derzeit wäre es unkomfortabel, hier weiterzukämpfen, die Öffentlichkeit ist das nicht mehr gewohnt. Ich werde es in vielen Monaten wiederaufnehmen, sobald mehr Interesse vorhanden ist.


_____________
aus den FAQ des Originalreleases von Ende November 2008:

  • die wichtige Passage bzgl. der Frage *Verantwortbarkeit von legaler Einstellung heute noch* hieß ursprünglich "...ob Legalsein der eigenen Familie gegenüber in der Karrierezeit noch zu verantworten ist oder Schuld impliziert"
  • zum Zeitpunkt: Sie merken den Dokumenten sicher an, daß jemand etwas zu lange darüber gesessen hat, auch wenn sie ja wirklich ziemlich gut geschrieben sind... das ist richtig. Geplant war die Aktion für spätestens Ende Q1/2008! seither hatte ich Rücksicht genommen auf die inneren Abstimmungsprobleme der FDP; eine meiner Klassenkameradinnen hat einen Sitz im Bundestag (so wie es aussieht blockte wohl MdB Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, um sich durch Abgrenzung von unten zu profilieren, bevor sie neuerlich Ministerin wurde. oder die Büros waren einfach ignorant). Eigentlich ist es so, daß ich das persönliche Gespräch einem Offenen Brief vorgezogen hätte, d.h. meine Vorbereitungen waren immer eher halbherzig, ich halte nicht viel von Aktionismus. Das machte es schwierig.

Nov. 14th, 2008


[info]not_really_goth

Jene Bereiche des Business, politische Ethik und Einflußnahme

Die Legislaturperioden in Deutschland sind sehr kurz, dementsprechend einflußreich Statistiken über die Arbeitslosenquote.

Viele der Stellen auf Provisionsbasis sind durch Arbeitnehmer und Staat indirekt quersubventioniert. Das soll nicht zu Verschwörungstheorien führen, aber deutlich machen, daß die Schaffung z.B. von 200 provisionsbasierten Stellen in einer Region durchaus ein Politikum allererster Güteklasse ist.

Die Betreiber von Sweatshops (Sie wissen welche Callcenter ich meine) verstehen es in der Regel recht gut, mit der Stadträten umzugehn. Man lädt Lokalpolitiker ein, gibt ihnen eine Bühne für den Auftritt -> was positive Schlagzeilen generieren hilft über das Gedeihen einer Wirtschaftsregion. Ein Impact, den auszulassen sich heute schwerlich noch jemand leisten kann, in einer Zeit wo zuviel Menschen kurze Schlagzeilen nicht mehr hinterfragen, und ihren Vertretern auch keinen ausreichenden Rückhalt geben.

Die Arbeitsgerichte mögen fluchen über Aufwände der Shops. Daß es in aller Regel trotz einschlägigen Branchengerüchten, Rechtsanwaltsbemühungen und empörten Richtern nicht zu Ermittlungen kommt, deutet hin auf die tiefe Einflußnahme in die Politik, speziell über Stadträte, Lokalredakteure und Staatsanwaltschaften.

Eine unangenehme Nebenerscheinung ist dabei die Callcenter-Ideologie. Die Unternehmen stehen für eine neue, angesichts des asiatischen Wettbewerbsdrucks tragfähig erscheinende Gesellschaft, wo Menschen sich bescheiden auf Armutslohn, und 'alle an einem Strang ziehen'. Verbaltiraden der Unternehmer dieses New Economy Sektors Richtung arbeitsloser Menschen sind hart: Sie als Betreiber böten annehmbare Stellen und Arbeitslose würden nicht wollen. Dabei freilich verschweigend, daß ihre Unternehmen die Mitarbeiter nur 2 Jahre ausbrennen und diese dann wieder und mitunter viel länger als es sonst gewesen wäre, arbeitslos sind, sowie natürlich nicht jeder für diesen Job geeignet ist. Daneben rutschen nicht wenige Arbeitslosen durch das verschärfte Sozialgesetzbuch und den Hire&Fire folgenden Sperrfristen aus der Statistik. Dies ist wiederum eine Waffe gegen Politiker, die nachhaltig und langfristig für eine gesunde Sozialpolitik eintreten. Die Bemühungen von Arbeitsagentur und ARGE-Stellen zur Wiedereingliederung kosten Geld, d.h. daß trotz kurzfristiger Entlastung der Statistiken auf Dauer der schwarze Peter bei ihnen bleibt, während jene Unternehmen für sich beanspruchen, 'das Geld ranzuschaffen'. Ein Kommunen/Staat gegenüber unfaires Spiel, da Callcenter oft die einzige Möglichkeit bieten, bei Zeiten positive Zahlen zu ermöglichen - als Hoffnugnsträger über jede Kritik erhaben, müssen sie gelobt werden, während sie größeren Schaden anrichten als sie bringen.

Sieht man die Verwendung von Lokalpolitikern für diese Art Sweatshops als beanstandenswert, so ergäbe sich die Besorgnis, daß ALG und Gesundheitsbeiträge zur Kriegskasse werden, sowie Center dieser Art Populisten Argumente beschaffen, die Sozialstandards zu senken, und die Leistung der Arbeitsämter geringzureden. In dieser Sichtweise handelt es sich um politische Gewalt.

Eine, die viele Menschen jeden abend zu spüren glauben, wenn sie per Telefon heimgesucht werden - aber nie je wirklich ihren Teil geben?


(zweiter Entwurf)

[info]not_really_goth

das Leben als Burnout-Callcenter-Agent(in), und danach

Telefonisten reden nicht darüber, außer in Formeln. "Bei dem Job kannst Du wahnsinnig werden" -> ist das Maximale, was man je hören wird. Denn das Leben als Agent jener massenhaft Calls abfertigenden Center ist geprägt von Verdrängen.

Worüber man nicht spricht: 99% aller Kampagnen sind brutal monoton gestrickt. Agenten bekommen einen Leitfaden, den sie ablesen müssen. Möglichkeiten zum Variieren gibt es kaum oder gar nicht (zumal bei Umfragen, weil es sonst die Ergebnisse verfälscht). Zum Teil fragen mitfühlende Kunden die Agenten, ob sie schon von den Textbausteinen träumen. Sie werden niemals eine ehrliche Antwort auf so etwas bekommen, weil negative Äußerungen über Kampagnen ein fristloser Kündigungsgrund sind.

Nur nervlich starke Personen können diesen Job machen, für zirka 2 Jahre. Es gibt Exoten, die 6-10 Jahre dort unterwegs sind - aber sie haben in der Regel kaputte Familien (oder werden so abgestumpft/rücksichtslos, daß sie's nicht merken, wie Nagging ihr Leben langsam einnimmt). Es schlägt sich halt woanders nieder.

Callcenter-Agenten haben große Angst vor Burnout, und viele leiden unter mehr oder weniger schweren Zwangsstörungen. Doch nur wenige Kollegen geben zu, sich im Bus oder Zug mehrmals umgesetzt zu haben, nachdem sie das Gerede der Mitfahrenden nicht ertragen konnten. Die Filter, die beim normalen Menschen die Psyche vor Wiederholungen schützen, werden bei dem Job zerstört. Medikamentenmißbrauch ist entsprechend verbreitet - viele Center geben neuen Mitarbeitern nach der Einstellung kleine Benimm-Listen, wo aufgeführt ist, daß man nicht unter Drogeneinfluß telefonieren dürfe. Eine Bedeutung für die Praxis hat die Empfehlung meist nicht.

Die Grußformeln sind immer die gleichen, und die Bausteine eben fest vorgegeben. Wenn ein Pulk von 15 Leuten ohne Trennwände lostelefoniert, schwirren die wenigen Versatzstücke pro abend zigtausend Mal durch den Raum. Dazu kommt das Mobbingklima in vielen Häusern; aber mehr so die Girlie-Schiene: Streßverarbeitendes Ratschen, junge Teams, zickige und kaum bewußte Konflikte. Ungleiche Leistungskriterien je nach empfundener Coolness, und freie Auslegungen, was als mündlicher Vertrag mit dem Kunden gewertet werden kann. Der Druck durch faule Quoten von Kollegen ist Teil der Motivation, und der größte Burnout-Faktor bei Mitarbeitern mittleren Alters.

Hier beginnt die Schieflage der Kalkulation. Eine Halbtagsstelle auf Provisions- oder Minijobbasis bringt wenige hundert EUR ein. Selbst eine begleitende Kurzzeit-Psychotherapie kostet pro Monat bereits mindestens 150 EUR, Arztbesuche für Streßkrankheiten kommen noch hinzu. All dies schlägt versteckt beim Gesundheitssystem auf, und natürlich später bei der Arbeitsagentur bzw. Kommune.

Die Belastung wird durch die Telefonisten ausgeglichen über einen hohen Konsum von Filmen, und exzessives Shopping (das Privatleben ist einfach geprägt vom Verdrängen durch "Leben"). Da sie relativ wenig verdienen, verlagert sich dieser auf die ersten Tage nach Eintreffen des Gehalts. Danach sind die Kassen leer und die Kollegen kommen nurmehr knapp über den Monat. Einige lesen ihre Post über Wochen nicht mehr, manche bringt dies in Schwierigkeiten, etwa wenn sich Rechnungen darunter befinden.


Die Zeitachse einer Callcenter-Laufbahn sieht so aus: Man muß es, möchte man ein wenig höher aufsteigen, innerhalb von 3-6 Monaten zum Coach/Trainer oder Team Manager gebracht haben, ansonsten gilt man als zu abgegriffen. Spätestens nach einem Jahr fällt in den meisten Centern jene Entscheidung, wer aufsteigen darf, oder eben restverwertet wird Richtung Arbeitslosigkeit. Die Ausbrennzeit ist heute wahrscheinlich nurmehr bei maximal 1 1/2 Jahren angesetzt. 5-10% der Kollegen streichen nach wenigen Wochen bereits die Segel, weil sie es psychisch nicht packen.

Mangels Schulungen (trotz entsprechenden Zusicherungen im Schnitt 1/4 Std.) bemißt sich der soziale Streß als hoch. Sie haben Menschen vor sich, die nicht wissen was Software ist, aber auf Admins deutscher Industriekonzerne losgelassen und dadurch permanent bloßgestellt werden. Bei Inbound-Lines ist die psychische Belastung gekoppelt an das geänderte Verhalten vieler Konsumenten, sodaß die Agenten häufig Beleidigungen ausgesetzt sind. Kostenlose Hotlines werden zusätzlich gern von Jugendlichen 'gequält'. - Auflegen oder Unfreundlichkeit ist ein Kündigungsgrund, folglich lassen Telefonisten so Manches bis zur Schmerzgrenze in Engelsgeduld über sich ergehen, und tun wie gewünscht, als ob jeder Kunde eine wertvolle Chance auf Abschluß oder Zufriedenstellung birgt: auch wenn es keinen Sinn macht, und an der deutschen Realität völlig vorbeigeht.

Wenn ein Telefonist ausbrennt, ist dies eine häßliche Sache. Er wird mitunter über Jahre Probleme mit Burnout-Syndrom und Zwangsstörungen haben - meist innerlich und für Außenstehende kaum zu erkennen, unter der weiter sorgsam gewahrten Oberfläche. Manchmal (wie bei mir) ist es auch nur was man in der Branche "nach 3 Jahren machst' halt was anderes" nennt - Schlafstörungen, Magenprobleme und nicht mehr so freundlich sein zu können wenn Du am Telefon beleidigt wirst, es fehlt dann der "Biss" Dich mißbrauchen zu lassen. Im Marketing ist jeder nach 3 Jahren "platt". Die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt gestaltet sich im ersten Fall langwierig. Viele dort haben fortan Schwierigkeiten mit Handygerede, menschlicher Rücksichtslosigkeit und allgemein Reizüberflutung. Selbst Regaleauffüllen im Supermarkt wird zum Problem, weil im Hintergrund Werbespots laufen, oder Kunden gierig 'brabbeln', was den Ex-Telefonisten durch Mark und Bein geht.

Auch wenn die meisten sich absolut zusammennehmen, und sehr wohl für weniger qualifizierte Stellen zur Verfügung stehen + dort einwandfreie Arbeit leisten können: Das Klima in Deutschland gilt als 'verroht' seit Mitte des letzten Jahrzehnts - wer Abi hat, wird in der Zeitarbeitsbranche mitunter als Risikofaktor gesehen, weil sie/er als "feiner Pinkel" abgestempelt und gemobbt werden könnte, solche Konflikte kommen heute leicht auf. An einfache Jobs ist folglich schwer zu gelangen, Personaler gehen hier den sicheren Weg, dazu sind sie ja auch den Arbeitnehmern gegenüber verpflichtet. Callcenter-Agent(inn)en stehen daneben übel zwischen den Stühlen: Sie sind klassische Angestellte gewesen - aber für's Grobe (Kundenberatung in wüster Zeit). Als solche sehen sie selten so aus, wie man sich Office-Mitarbeiter heute vorstellt (ich meine, die Bilder der Karriere-Ideologie) -> "betont innovative" Ausstrahlung, die ein Ideal transportiert als Motivation für andere die es nicht mitbrächten. Außerdem fehlt das Studium oder die Fachschule. Eine Berufsausbildung gab es zum Zeitpunkt, wo sie in die Branche eintraten, noch nicht (was danach an internen Kursen kam und sich so nannte, ist nicht anerkannt, weil doch häufig nur aufgezogen, um das Niveau eines Centers kurzfristig zu heben, oder zur Imagepflege). Sie stehen also ohne - oder mit zeitlich verfallener - Qualifikation da, und oft herabgewertetem Zeugnis. Im Callcenter-Bereich sind sie zudem auf der virtuellen (ideologischen) Schwarzen Liste, wenn sie mal wegen legaler Präferenzen oder anderen Konflikten gingen; damit sind quasi alle Brücken abgerissen, auch wenn es Vielen nicht bewußt wird. Im Office ist realistisch gesehen keine Zukunft mehr für sie, es sei denn in geschützten staatlichen Bereichen (doch davon gibt es nurmehr verschwindend wenig, und Arbeitslose zu beraten erfordert - ich meine z.B. tadelndes ARGE-/Jobcenter-Reporting über die Menschen hinweg - ein Maß an Rücksichtslosigkeit, das von diesen Callcenter-Agenten nicht zu bringen ist). Kurzgefaßt, fallen die Leute nach dem Ausscheiden aus der Branche durch's Netz des Arbeitsmarktes.

Jobs etwa im Fastfood-Bereich (Küche) sind entsprechend begehrt, auf einen Bewerber kommen mindestens 50 Konkurrenten, sofern nicht unter der Hand vergeben wird, aber Letzteres setzt Beziehungen voraus. Die Unternehmen müssen in einer Zeit, wo viele Bewerber nicht mehr wirklich arbeiten wollten, hart filtern. Sie schließen (Burnout ist ein Risikofaktor, für den man bei der Personalauswahl keine Zeit hat) diese sehr leistungsbereiten Bewerber oft aus. In anderen Bereichen haben es jene Angestelltentypen wie gesagt teils recht schwer. In der Arbeitslosigkeit kollidiert eigener Akkordwille mit der Trägheit anderer Menschen, die nichtsdestoweniger einen Job haben.

Verständnis für Telefonisten-Burnout ist in der Öffentlichkeit nicht ausreichend verbreitet, weil durch zweckoptimistische Berichte zahlreicher Lokalmedien der Eindruck entstand, man könne dort langfristig arbeiten, und es gäbe doch soviel offene Stellen. Leute projizieren dann unbewußt eigene Existenzängste selbstberuhigend auf andere, die offensichtlich nicht wollten oder wohl nicht ausreichend Geschäftsetikette beherzigten, somit eben unter dem Einfluß negativer Energie stünden, und ihre Arbeitslosigkeit verdienten. Dies wird von Betroffenen als Mobbing und Ausgrenzung empfunden; speziell von denen, die bereuen, ihre Karriere auf's Spiel gesetzt zu haben, indem sie sich gegen illegale Telefonie stellten - wo der Gesellschaft doch "eh alles egal" sei, solange sich durch Ausspielen anderer ein persönlicher Vorteil mitnehmen lasse. Jene Verletztheit wird je nach Klima mitunter leicht zur Depression, und dann eine entsprechende Sicht wiederum auf diverse Reaktionen der Umwelt übertragen.


Der Übergang zur Arbeitslosigkeit kann gefährlich sein, nicht nur wegen des mittlerweile verstümmelten Kündigungsschutzes. - Dazu ein kurzer Exkurs, denn das hat nichts mit Gewerkschaften zu tun. Die genießen in der Branche weder oben, noch unten einen guten Ruf (wegen rücksichtsloser Stellensicherungspolitik, die an den Realitäten des Marktes vorbeigeht). Callcenter-Agenten wie Unternehmer sind in der Regel für mehr zeitgemäße Flexibilität - Erstere in der Hoffnung, dann würden endlich diejenigen einmal ausgespült, welche mit übertriebener Ideologie um sich werfen, statt zu arbeiten und sich mit einer guten Abschlußquote zu beweisen. Das Gegenteil aber ist meist der Fall, weil staatliche Kontrollinstanzen gehemmt sind und etwa Signale der Arbeitsgerichte in der heute allzu oberflächlichen Politik nicht mehr ankommen. Mittlere Strukturen, die Unternehmenskarrieren sozialisieren, sorgen mitunter dafür, daß unter Ausnutzung der gelockerten Bestimmungen geschäftsführungsnahe Mitarbeiter aus der Firma gedrängt werden. Gehobenes Management dagegen hat heute oft keinen Kontakt mehr nach unten, sodaß sich manche Center ungewollt immer tiefer in jene selbstrechtfertigende Ideologie des massenhaften Antelefonierens mit aufgesetzt klingenden Dreizeilern verrennen. Dies in der Annahme, 'mehr Geschlossenheit' *lol* ändere etwas. - Statt Kampagnen neu aufzusetzen und dies so, daß man nicht jedes Jahr 80% der zugkräftigen Stammtelefonisten verliert, nur um dann händeringend über Zeitarbeitsfirmen nach neuen Mitarbeitern suchen zu müssen. Das Dilemma liegt aber maßgeblich auch an der von vielen Auftraggebern gebotenen Adreßqualität, und Kalkulationen ihres Vertriebs auf Basis unrealistischer Zahlen, etwa Kampfpreisen ostdeutscher Callcenter.


Entsprechend des gesellschaftlichen Klimas überträgt sich zuweilen Unmut über Pöbeleien anderer Arbeitsloser abstrakt auf Schwache. Das muß man teils verstehen, denn was nette ARGE-Mitarbeiter und die Hotline zum Teil aushalten dürfen ist übel. Aber es gibt auch Gehässige, die meinen, durch das Verletzen von Arbeitslosen diese in Depressionen treiben zu müssen, sodaß sie sich beschweren und man mit ihnen bürokratisch spielen + sie somit ohne Gewissensbisse aus dem sozialen Netz steuern kann, ein Erbe des alten Sozialhilfesystems bzw. von Lokalpolitik/Regionalpresse. Frauen, die ohne es zu ahnen andere maßregeln, welche sehr hart arbeiteten - und ebendas trifft gerade Ex-Callcenter-Leute leicht, sodaß sich Dinge schnell unnötig gegenseitig aufwiegeln. Das ist ja auch ein Problem für "Bologna-Studenten" heute, die mangels Einkommens oder wegen schlechter Studienbedingungen exmatrikulieren müssen - längst nicht immer wird gesehen, daß sie die besten Jahre hart an sich arbeiteten, ohne je gelebt zu haben, und ohne Aussicht auf die inflationär zitierten Karrierechancen, weil die Hochschulen eben einfach hoffnungslos überlaufen sind.

Viele antragstellende Callcenter-Agent(inn)en können nach 1/2 Jahr Mobbing nicht mehr schlafen und haben Depressionen: diese Leute -für heutige Verhältnisse nicht dreist genug- erwischt es dann, ohne daß es jemand wirklich bewußt will, bei vorher bis an die Grenze genervten Sachbearbeitern. Dabei muß bemerkt werden, daß gerade die Vermittler -wie allgemein der Serviceanspruch der Arbeitsagentur- hier oft Schlimmeres verhindern, und die Haltung zu einem Großteil vorbildlich und verständnisvoll ist, auch bei der ARGE.

Da im heutigen Mobbing und beim Sticheln in Callcentern oft mit Vorwürfen psychischer Krankheit gearbeitet wird, gehen viele Betroffene nicht in Psychotherapie (würde sie verletzen), und haben somit keinen Schutz durch Krankschreibung. Die Situation von durch ungebildete Kunden mißhandelten Agenten ist der von Supermarktmitarbeitern mit Burnout-Syndrom, und langjährigen Beschäftigten der ARGE/Bundesagentur sehr ähnlich: Man ist immer für die Kunden da und klärt deren Unordnung, aber muß aufpassen, im verrohenden Klima unseres Landes nicht wegen zu großer Freundlichkeit selbst zu kurz zu kommen.


_________
Für Leute, die Zweifel haben an dieser Darstellung:

Man kommt sich als Autor(in) vor, wie als ob der ganze Müll von ewig weitergereichten Problemen einen förmlich erschlägt - nur um dann bequem den Vorwurf zu rechtfertigen, sowas sei doch übertrieben oder "negativ". Sie müssen eine Gesamtdarstellung liefern: in einer Zeit, wo es unwahrscheinlich ist, daß lange Texte noch ganz gelesen werden, statt nach wenigen überflogenen Absätzen pauschal zu urteilen.

Es geht um den üblichen In- und Outbound, nicht etwa diese raren Stellen bei manchem Arbeitgeberservice des Arbeitsamts, wo ein Bruchteil der Quantität erwartet wird, wie sie normale Callcenter-Agenten leisten müssen. - Gelegentlich setzen privilegierte Mitarbeiter hier entrüstete Kommentare wie "also ich kann's ja auch seit ... Jahren und die sollen sich nicht so haben!". Ich lösche sowas dann, weil es am Thema und der beruflichen Realität vorbeigeht. Es würde einen falschen Eindruck erwecken über die Aufnahme des Texts - dieser Blogeintrag erreicht je nach Monat hunderte-zigtausend Besucher, die sich aber nicht trauen(?).

Auch wäre die (zuweilen ~inflationär wirkende) Annahme nicht korrekt, daß dies arbeitgeberfern oder 'links' sei; vergleichen Sie, wie sehr ihnen heute daran gelegen ist, daß Dinge im Unternehmen diskutiert werden, bevor sie unkalkulierbare Kosten verursachen. Das hier ist Resultat des Umstands, wie selten es doch z.T. stattfindet (Blogs sind wie Callcenter-Agenten: sie erledigen Arbeit, für die andere sich nicht hergeben würden). Leider vermitteln viele Kollegen unbewußt den Eindruck, sie würden sich nicht kümmern, und nur dreist ein sicheres Gehalt fordern (Partystimmung bei Ausfall des Telefonsystems etwa). Solches begünstigt unselige Eigendynamiken im unteren und mittleren Management, die dazu führen, daß diese Callcenter dann jedes Jahr wegen Burnouts ihre Belegschaft neu suchen, und mangels erfahrener Agenten auf Qualität verzichten müssen.

Je schlechter die ausfällt, um so mehr vergeht die Bereitschaft der Kunden, sich überhaupt noch auf etwas einzulassen. Der Boden des Marktes verbrennt. Bei meiner letzten Callcenter-Stelle mußten wir im Controlling-Tool der ideologisierenden IT selbst Calls, wo uns anrufende Supermarktkunden ordinär als "Abzocker" und "Schweine" beschimpften, mit 10-15 Clicks penibel zwecks Sondierung von "Abschlußchancen" protokollieren: während keine Zeit für berechtigte Reklamationen oder Vertriebler blieb, die draußen beim ungeduldigen Kunden saßen und ewig in der Warteschleife für unsere Datenbankabfragen hingen. Kritik der Telefonisten an verbundenem Produktivitätsabfall und Burnout unseres Teams (dadurch, daß es über die Schiene unter Druck gesetzt wurde als "zu bequem", sodaß man wußte>egal welchen Akkord man noch hinlegte, es würde nur wieder disrespektiert und als Daumenschraube benutzt), führte zu Kündigungen - weil unser Verhalten doch Zeugnis ablege von "Blockadehaltungen" gegen "nötige Reformen".

Wieviele Texte dieser Art gibt es noch im Netz, und welchen Spielraum läßt das für "normale" Gestaltung (anregendes Bild, kurzgefaßt), wenn keine ehrlichen Verweisstellen existieren, obgleich die Probleme seit einem Jahrzehnt in aller Munde sind?


(Fußnote und 11. Absatz von oben 25.1.2011 15:30 / 4. Fassung)

Nov. 12th, 2008


[info]not_really_goth

über bestimmte Chefinnen

Du hörst manche Team- oder Projektmanagerin (25 Jahre alt, Single), von sich reden als 'erfolgreiche junge Frau'. Es klingt gut: als solche habe sie beeindruckenden Erfolg > zeugt von Durchsetzungs-Fähigkeit in der 'Männerdomäne Marketing'. Wie in diesen Frauenzeitschriften.

Auf der anderen Seite eine junge Mutter, vielleicht etwas älter. Nach ihrer Halbtagstätigkeit daheim angerufen von einem 18-Jährigen, und genervt. Sie sagt 'Nein' zum Vertrag, doch der Telefonist muß die Quote der Projektleitung erfüllen und trägt irgendwas ein. Im Alltagsstreß später den Widerruf versäumt. Die so entstandenen Abschlüsse rechtfertigen den weiteren Aufstieg der 25-Jährigen, während die andre vom knappen Familieneinkommen ein Jahr den Vertrag zahlen muß, den sie nicht braucht und nie wollte.


Szenenwechsel [Agents unter sich]:

sie könnten diese Projektmanagerin mit ihrem ständigen Sex-shorttalk über sich als 'Blondine', 'geile' Lösungen und attraktive Coaches nicht mehr ausstehn. 'Die wirkt so abstoßend, das hat nichts zu tun mit Gender oder so, sie benutzt das nur fürs Image. Du hast den Eindruck, einen Drücker vor Dir zu haben.'


[sinngemäßes Zusammenfassung]

'ok, alles schön und gut, sie meint, sie sei schlau, und wir nicht. sie hätte den Vorsprung, weil sie 'unbequeme Notwendigkeiten' der Junk-Quote, welche nach ihrem Nutzen zu hinterfragen wieder mal alle zu faul waren, durchsetzen hilft. Die anderen hielten sich eben mit irrelevantem Zeugs auf. Und dadurch ist sie in den erlauchten Kreis der Parties gekommen. Dahin willst Du auch, ein wenig höher, aber nicht auf diesem Niveau, es widerstrebt Dir.'

[info]not_really_goth

Weltanschauung von Callcenter-Agenten

Callcenter-Agents glauben in der Regel an die freie Marktwirtschaft, und daß durch Werbung bzw. Direktmarketing Wettbewerb angekurbelt werden muß. Dennoch blenden sie nicht aus, daß die Art, wie dies in manchen Häusern/Teams geschieht, leider oft verantwortungslos ist. Du fragst Dich, ob es sein muß, daß allabendlich Leute an ihrem Feierabend von förmlichem Telefonterror heimgesucht werden, der unserer Branche schadet. Zerstört es nicht das Geschäft, zumal nur ein Abgreifen kurzfristiger Chancen, das etablierte Unternehmen beschädigt?

Daneben: Du glaubst natürlich an die freie Wahl der Konsumenten - unter der Voraussetzung, daß sie eine solche denn auch haben, und verantwortungsvoll nutzen, ohne unrealistische Preise zu fordern. Sie brauchen noch Nerven, Kraft & Zeit für ihre Verwandten und Kinder. Manchmal hast Du so ein mulmiges Gefühl, wieviele Families Streit haben wegen kleiner Stiche im Alltagsstreß, zu denen auch Verträge gehören können.

Aber: Callcenter-Agenten sind in der Regel lieb, gemessen an dem was sonst im Alltag so abgeht. Klingt naiv?)

[info]not_really_goth

Zickensphären. über glatte Callcenter-Parketts

'Girlie-Sphären', die Besprechungen unsachlich gehalten, es geht viel um Sex und Spaß, dementsprechend ist es schwer, Probleme der Kundenbetreuung anzubringen. Dies ist mancherorts ein Mittel der Mitarbeiterführung. Man gibt vor, kritische Ansätze nicht zu verstehen, sodaß sie zurückgenommen werden, bevor sie durch wiederholtes Vorbringen verbissen wirken könnten. Überakzentuieren vom 'Motivation' (z.T. ein Deckbegriff für die Bereitschaft zu illegaler Telefonie). 'Wir haben lange darüber geredet, wie es nicht geht - warum schauen wir nicht mal, wie es geht?', ohne daß freilich die Hausaufgaben gemacht wurden, bevor eine illegale Projektphase signalisiert wird.

Mitarbeiterführung trägt nicht selten satanistische Züge, kritikloses 'Mitmachen' voraussetzend, und die Agents wie 'Kinder' zu behandeln, was immer auch eine Infragestellung ihrer Person ist. Gerade Telefonist(inn)en jenseits der 25 haben Probleme, permanent die persönliche Leistung disrespektiert zu sehen, indem deren Zustandekommen alleinig als Fruchten der Motivation ausgelegt wird. Gegen die davon ausgelösten Blockaden telefonieren sie dann an, um schließlich wieder disrespektiert zu werden. Dieses zynische 'unter Konkurrenzdruck Setzen' mit schmutziger Quote einzelner Kollegen.

Callcenter-Agenten jener Unternehmen haben keine Wahl, als sich zu verdingen. Der von Drückern gerne in's Spiel gebrachte Teufelspakt wird, wenn Du von einem solchen sprechen willst, also nur euphemistisch unterstellt, dies jedoch gern als Druckmittel verwendet: Agents wüßten doch, auf was sie sich einließen, schließlich erwarteten sie ja, ihren Lebensunterhalt fristen zu können - so rechtfertigt sich der oft (unteres Management ohne Abstimmung mit der Geschäftsführung) eigenmächtige Wink, Abkürzungen zu nehmen. In der Regel sind Agents gegenüber dieser Mitarbeiterführung oft zu naiv. Die ehrlichen unter ihnen sprechen dann vom Gefühl, über der Arbeit ihre Seele zu verlieren - aber, nur selten wird konstruktiv gehandelt, und durch's Berichten nach oben eine Chance gegeben, sich einzuschalten.

'Drückermethoden' gehen in die gleiche Richtung: Es ist die ständige, zynische Unterstellung von Trägheit oder innerer Labilität des Teams. Man muß sich verleugnen, um dies lange auszuhalten.

[info]not_really_goth

Berufsausbildung: 1 Stunde

Die Einführung einer Berufsausbildung zum Callcenter-Agenten wird die Verbraucher nicht besser schützen, es ist nur ein Spielargument. Relevant wäre, in den einzelnen Kampagnen verbindliche Mindestschulungszeiten festzulegen, und deren Einhaltung zu überprüfen. Das unseriöse Spektrum der Branche setzt unerfahrene Mitarbeiter nach ca. 1/2 - 1,5 Std. Schulung als 'Kundenberater' ein. Die Folgen dieser Inkompetenz haben nicht selten die Kunden zu tragen: Im Falle gerichtlicher Auseinandersetzungen herrscht aufgrund der Überlastung unserer Justiz das abkürzende 'die renommierte Firma wird doch wohl ihre Leute ordentlich geschult haben' vor, d.h. Kunden haben in der Regel keine Chance.

In der Geschäftstelefonie ist die Lage 'besser', insofern, daß es nicht direkt zu rechtswirksamen Abschlüssen kommt, sondern nur zur Einfädelung von Verkaufskontakten. Das Problem sind hier natürlich die Verschlechterung des geschäftlichen Klimas und die wettbewerbsverzerrende Konstellation durch Telefonspam: Unternehmen beharken den deutschen Markt mit massiven Kampagnen, und verdrängen flurschädigend Konkurrenten, die seriöses Geschäftsgebahren an den Tag legen. Verschiedene US-Konzerne haben so z.B. in den letzten Jahren kleinen deutschen Softwareschmieden den Boden versengt, um dann die Preise und Konditionen zu diktieren.

[info]not_really_goth

Etikette, oft eher bei kleinen Agents denn 'oben'

Subject: Abschied eines jüngst gekündigten Kollegen............

Also, ihr Lieben, 4 Wochen nach dem Ausscheiden von Jürgen
möchte auch ich mich hiermit von Euch verabschieden.............

mit netten Grüßen
*

PS/wer Kontakt halten möchte:
-> [Mailadresse]

_______

~ Über Geschäftsstil ~

Stehn Mitarbeiter gewissen Methoden der Leaderzielung im Weg, /
rede offen und niveauvoll mit ihnen. Kommt man nicht überein, /
biete Konditionen, sich ohne viel Aufhebens gütlich zu trennen, /
gegenseitig eine erfolgreiche Zukunft wünschend.

Unternehmerische Integrität ist angewiesen auf Dialog und Transparenz.


entgegen des öffentlichen Eindrucks sind viele Callcenter-Agenten engagiert, riskieren mit dem Job ihre Existenz, und legen am Ende zwischen den Zeilen Zeugnis ab. solche Goodbye-Mails kursieren zuweilen. 'Jürgen' war einer der vielen Mitarbeiter, die wegen ihrer legalen Präferenzen gefeuert wurden.

[info]not_really_goth

aus dem Kollegenkreis

In der Schweiz sind Abschlüsse am Telefon nur dann rechtsgültig, wenn die Kunden auf Tonband Formabfragen positiv beantworten. Einzelne Firmen setzen hier in Deutschland bereits freiwillig auf die Tonbandaufzeichung einer Gesprächszusammenfassung. Wenn man nun noch zusätzlich einen verpflichtenden Hinweis plazieren würde, daß der Privatkunde ihm wichtige und zugesicherte Produkteigenschaften dabei nochmal ansprechen und bestätigt bekommen kann, wäre er bereits bestmöglich geschützt.

Daß nach 2 Jahren nahezu jeder Agent burned out aus der Branche scheidet, bedeutet auch eine erhebliche Belastung der Sozialkassen. / viele Callcenter-Jobs sind nicht gut für einen geordneten Lebenslauf. / Überprüfungen wie die des TÜVs betrachten in der Regel nur organisatorische Faktoren. / Bei kurzzeitigen Mitarbeiterzuwächsen handelt es sich teils um Telefoninterviewer-Jobs, wo hundert Leute bald halbtags für 300 Euro mtl. arbeiten. Es wäre schön, wenn sich in der Politik so eine Art 'nüchterne Sichtung' der Dinge stärker verbreiten würde.

Das derzeitige Sozialgesetzbuch erhöht den Druck auf Callcenter-Mitarbeiter, illegal zu arbeiten: Wenn Sie als Agent wegen Ihrer Weigerung zu unsauberer Telefonie fristlos gefeuert werden, kann dies Ihr soziales Aus bedeuten (vgl. Sperrzeit/mangelnde finanzielle Statur, um arbeitsgerichtliche Auseinandersetzungen durchzustehn). Auch hier ist ein Schutz für Betroffene nötig.

Privatkundenbetrug durch gewisse Unternehmen hat ein Ausmaß angenommen, bei dem man eigentlich von organisierter Wirtschaftskriminalität sprechen müßte. Es sollte daher irgendwann selbstverständlich sein, daß eine staatliche Stelle abgleicht, wieviel faule Abschlüsse von welchen Callcentern stammen. Daneben wäre eine Art Vertrauensschutz für Callcenter-Agenten, die gegen ihr Center aussagen wollen, sinnvoll. In der Realität wird Agenten heute oft von kontaktierten Polizisten gesagt: 'Sollten Ihre Abschlüsse nicht sauber gewesen sein, nehmen wir gerne eine Selbstanzeige auf, aber Ihr Unternehmen anzeigen, sowas macht man doch nicht.' Viele Lokalzeitungen verfälschen eben durch zu positive Berichterstattung ('Jobmotoren') die Wahrnehmung, wohingegen viele Center nur Agenten 2 Jahre zu 300% ihrer Leistung ausbrennen und dann kaputt Richtung AGL2 abschieben. Was natürlich eine indirekte Quersubventionierung durch die Sozialkassen bedeutet, die oft weite Teile des Gehalts ausmachen (wenn man die so erzielten Gewinne mit den Wiedereingliederungshilfen der ARGE abgleichen würde).

Kontaktieren Agents Einrichtungen des Verbraucherschutzes, bekommen sie überhaupt je eine Antwort? Warum auch immer: Telefonisten stehn alleine im Regen, wo doch jeder davon ausgeht, es gäbe Instanzen wie die Polizei, die 'doch wohl' entsprechende Aussagen aufnähme, was praktisch nie der Fall ist. Erstatten Agents Anzeige, werden sie behandelt wie als ob sie die Spielregeln einer Hackordnung nicht verstünden, und Unruhestifter seien, das alte Spielchen eben. Integrität und Treue zum eigenen Unternehmen kann unter der Brücke enden, langzeitarbeitslos oder in Unmengen von Psychopharmaka, wie es einigen der nettesten Kollegen erging, die ich kennengelernt habe. Kunden daneben können sehr undankbar sein und zu gierig.

Selbst sofern Telefonisten aus Gewissensbissen oder Verantwortungsgefühl heraus gegen ihr Unternehmen aussagen würden: solange es keine streng staatlich überwachte Blackbox für die in der firmeneigenen EDV gespeicherten Kundendaten und Agenten-Einträge gibt, wird es niemand tun. Callcenter gelten unter IT-Betreuern als schwierige Felder. Admin-Zitat: 'Die Gesetzgebung sorgt nur dafür, daß ich wie ein Depp Mails 10 Jahre lang archivieren muß, in denen es darum geht, was es zum Mittagessen gibt: während die wichtigen Dinge sich komischer Weise verflüchtigen!'


Und dann gibt es da diesen Tenor der Branchenmeinung: 'Sehn Sie es so: 95% der Verbraucher im Geizsektor-Segment wollen günstige Preise und sie fragen nicht danach, wie die entstehn.'

______
Das war einer der frühesten Texte, um 2005. Heute gibt es zumeist eine provisorische Bandaufzeichnung. Mehr scheitert am Klima und dem Betragen vieler Kunden. Was die frühe Zeit betrifft, hat "die" Politik die alleinige Schuld - und sorgte für ein Geschäftsklima, das nur wieder der Branche in die Schuhe geschoben werden und für Druck sorgen wird.


[info]not_really_goth

wie man es macht ('wie geht das eigentlich, illegal zu telefonieren?')

Im Privatkundensektor läuft es oft über die Schiene 'Zusicherung nicht vorhandener Produkteigenschaften': Die 'Kundenberater' kennen ihr eigenes Produkt nicht, und füllen die Lücken ihres Wissens 'creativ' mit übertriebenen Umschreibungen aus. Die beliebige Kreativität wird durch Signalsetzung im Team als positive Eigenschaft gefördert. Es gibt praktisch nie direkte Anweisungen zu illegaler Telefonie, oft ist das Signal ein Verteilen von Gummibärchen an besonders quotenstarke Agenten, verknüpft mit Kommentaren zur Sicherheit der Arbeitsplätze. Dabei kommt es zwangsläufig zu einer Konkurrenzsituation, in deren Folge von Telefonisten z.B. eigenmächtig die gesetzliche Widerrufsklausel weglassen wird. Nachdem sie einige Zeit die Quote brutal pushen, und andere Kollegen unter Druck setzen, Gleiches zu tun, feuert man sie schließlich wegen der faulen Abschlüsse, womit der schwarze Peter gesteckt wäre.

Es ist jedoch wichtig, realistisch zu bleiben. Politische Referenten stellen die Justiz vor Fakten (vgl. Fakejobs/kurzzeitiges Senken der Arbeitslosen-Quoten, um Wahlen zu gewinnen/Argumente, für jeden Arbeitswilligen seien doch Jobs da etc.). Es gibt im Marketing diese Ansicht, Mittel, die vom Gesetzgeber geduldet werden, seien de facto legitim. Zumal Kunden vielzählig nicht mehr um ihre Rechte wüßten (bzw., um ehrlich zu sein, es den meisten dieser egal ist, solange 'Vorteile' erheischbar scheinen), und die Widerrufsfristen versäumen. Die Klagen vieler Verbraucher über 'Betrug' sollten also entsprechend relativiert werden: Inbound-Telefonisten etwa pflegen von einem hohen Prozentsatz der Anrufer in einer Weise behandelt zu werden, daß sich in diesem Szenario schon die Frage stellt, ob Illegalität als Notwendigkeit zur Erfüllung persönlicher Gier quasi zum Gewohnheitsrecht wurde.

Die Agenten, die jene Nachfrage erfüllen, machen sich natürlich strafbar. Die anderen riskieren einen sozialen Absturz, indem sie sich der neuen  gesellschaftlichen Rücksichtslosigkeit im Umgang mit Geschäften widersetzen.

Entgegen mancher auf Branchengossip vertrauender Mediendarstellung ist sog. 'silent monitoring' (heimliches Mithören von Gesprächen) nicht verbreitet und bedeutet auch nicht '95%-ige' Kontrolle aller Gespräche. Wenn etwa angegeben wird, die Mitarbeiter seien zu soundso viel Prozent überwacht, so bezieht sich das oft lediglich auf mitlaufende Statistiken der Telefoniesoftware, die niemanden interessieren. Ein schwacher quality check ist auch in der Geschäftskundentelefonie der Schlüssel zu hohen Quoten.


(10/2006-12/2007, 03/2008)

[info]not_really_goth

eine beliebige Anekdote





2004/05 gibt es eine interne Schlacht im Management von *, unter anderem Telekommunikationsanbieter. Diese Kaltacquisekampagne wurde in 8 externe Callcenter verlegt, irgendwo in die deutsche Pampa, nicht jeder wollte das. Eine später im Rahmen der Kampagne von den Agents privat angerufene *-Mitarbeiterin meint, es hätte schwere Kämpfe gegeben, einige Kollegen seien nicht einverstanden gewesen, ihre Kunden so 'überfallen' zu lassen, hätten aber verloren und wären mittlerweile ausgeschieden.

Dezember 2004 beginnt also dies jahrelange Teil. Damals sind die Zeichen schon gesetzt, daß X, der große Konkurrent, ein Kronjuwel verlieren wird. 'X ist dann eh erledigt', kursiert zynisch in dem Großraum-Callcenter, das zugleich für X telefoniert, eine aufgrund mancher Geschäftspraktiken des Centers ohnehin spannungsgeladene Beziehung, denn zum einen ging es aus dessen Firmenkonsortium hervor. Daneben kursieren Gerüchte, X sei über falsche Abrechnungen um 200.000 EUR gebracht worden. Wie dem auch sei, Agenten des Hauses telefonieren für beide, etwa Lebensversicherungen als Franchisekampagne für X, und zugleich für den Konkurrenten, dessen neues Produkt es zu promoten gilt. Eine klare und schon schwere Interessenskollision, zumal die Teams und ihre Vorgesetzten-Struktur auch bei diesem Projekt nicht wirklich getrennt werden, wozu man durch das Wettbewerbsrecht aber verpflichtet wäre.

Die * Projektmanager erweisen sich als recht dreist: Monatelang läßt man die schließlich völlig fertigen Billig-Agenten der externen Partner auf 80-jährige und tote Kunden los. Schrottadressen, Restausschlachtung der altbekannt unordentlichen Kundendatenbanken. Man belästigt reichlich Witwen und kleine Kinder, die man trotz kundenseitig zigfachem Einsenden der Todesurkunde seit Langem alle 2-4 Wochen mit dem Verstorbenen als Zielperson anruft und etwas zwanghaft auf Pakete zu bringen sucht ('hallo, kann-Du-mir-mal-Deinen-Pappi-geben?' / 'mein Papi, der ist doch ttooot....').

Einzelne Agenten, die unsauber telefonieren, bleiben dessen ungeachtet als 'Vorbilder' auf dem Projekt, für kurze Zeit, bis man sie feuert, denn man sei ja ein legales Unternehmen. Es gibt keine ausreichenden Qualitätschecks, verstecktes Reinhören in die Gespräche, ohnehin Seltenheit, mit Knacksen in der Leitung 'vorgewarnt', das quality management hält dicht.

An die Bankdaten der *-Kunden zu kommen ist absolut kein Problem ('Team-Manager, der will mir die Bankverbindung nicht geben, kannst Du mal nachsehn?'), da * auch den Zugriff auf diese allerheiligsten Kundendaten offensichtlich ohne sonderliche Kontrollen außer Haus gibt, zumal niemand nachzuhalten scheint, wer wann auf die Daten zugreift. Legale Agenten konkurrieren im Schweiße des Angesichts mit den weniger sauber arbeitenden unter relativ großem Quotendruck.

Das anfangs sehr erfolgreiche Team ist dadurch nach 3 Monaten verbraucht, Telefonisten werden gegangen, sofern sie unter den genannten Umständen nicht mehr ziehen. Dies war übrigens noch ein recht freundliches Team, danach wird hart zugelangt beim Kunden.


Provisionsbasis

Ein neues *-Team wird vom Callcenter unter Vorspiegelung falscher Provisionsaussichten per Zeitungsannouncen an Land gezogen, die ob ihrer überheblichen Formulierungen zu großem Gelächter unter den Stammagents führen. Es entpuppt sich für die neuen Leute als mit 2 EUR Durchschnitts-Stundenlohn vergütete Sweatshop-Tätigkeit nebst teils wild rumschreienden Macho-Teammanagern. Das Team meutert geschlossen 2x, die meisten kündigen. Der Kampf hält ewig an bis heute, die Arbeitsagentur darf sich um die Wiedereingliederung der gefeuerten Burnouts kümmern, während * und die externen Großraumcenter Profit machen. Oder auch nicht.


Inbound-Exkurs: Sorgfalt beim Auftraggeber

* geht schließlich gegen 'Schwarz'kunden vor (Sie verstehn?). Ein Team von schichtweise 2-5 externen Agenten soll angeschriebene zum Abschluß zwingen. Der Haken: Das wie immer etwas unfähige *-Management schrieb fast ausschließlich ordnungsgemäß zahlenden Kunden. Sie versuchen daraufhin, zurückzurufen, doch das Team ist viel zu klein für die zigtausenden Calls. Die landen nun auf der Mailbox. Da pro Tag auf jenem Billig-AB des Centers nur die jüngsten 500 Calls abgearbeitet werden können, eine soziologisch interessante Sache: Die Kunden sprechen wegen ausbleibenden Rückrufs 20x und öfters drauf, und befinden sich dabei in verschiedenen Stufen psychischer Verfassung von 'Vorm-Schreien', 'beherzt Beschimpfen' bis hin zum schließlich resignativen 'bitte ruft mich doch mal zurück, mir macht mein [.../zu eindeutige Umschreibung für jenes Produkt] schon keinen Spaß mehr!'. Das Team murrt mehrfach sogar in Anwesenheit des Auftraggebers, wo diplomatisch gewagte Formulierungen wie 'bescheiden' in Bezug auf die 1-stündige 'Schulung' fallen, und hinterher callcenterseitig Androhungen fristloser Kündigungen zur Einschüchterung ans Team gehen.


Status Quo

Seit Anfang 2006 berät man mit angeheuerter Riesen Outsourcing Burnout-Agent-Force Kunden für ein neues Produkt mit wesentlich mehr technischem Background. Erneut rebelliert das Team, bestehend fast nur aus Neulingen des Telekommunikationssektors: denn sie werden direkt nach einer nur 1 1/2 stündigen Schulung als 'Techniker' auf die Kunden losgelassen, ggf. falsche Beratungen haben wohl wieder diese zu tragen, nebst den überlasteten Gerichten.


Fazit

Alles schmutzig, und zumindest in Lokalpolitik und Presseszene der Städte dieser gewissen Callcenter war es bekannt. 200 geringfügige Stellen auf zweifelhafter Provisionsbasis wurden in der Lokalpresse hochgejubelt als Beweis für Aufschwung. Die PDL und Agenten darbten trotz des geilen Geschäfts wegen nicht gezahlter Rechnungen und Gehälter. Doch es wurde gut geschmiert, teure Parties für VIPs etc..

Mancher Manager, der sich angesichts des Personalsmangels in seinem Center in Unternehmerkreisen abwertend über arbeitslose Menschen äußerte, sähe bei Sichtung der Details lächerlich aus: vorher 2 andere in Grund und Boden gewirtschaftet, derzeitiges Unternehmen kurz vorm Konkurs durch einem börsennotierten Konzern übernommen, der Umsatz wenig später 'überraschend' eingebrochen, welches Unterstützungszahlungen in 6-stelliger Höhe erforderte....


(10/2006-12/2007, 03/2008)

[info]not_really_goth

Tips für Privatverbraucher

(richtet sich an Bestimmte. nicht jeder muß sich davon angesprochen fühlen:)


  1. urteilen Sie über 'Betrug' nur, wenn Sie sich im Allgemeinen ausreichend bilden; Sie gefährden sonst die Existenz netter Telefonisten, die sich für Sie einsetzen, ohne daß Sie es überhaupt noch merken. Natürlich ließe sich im Einzelfall als 'keifender Punchball-Kunde' erzwingen, daß Verträge per Telefon mal eben kurz 'gelöscht' werden: was Sie dabei nicht wissen, ist, daß Sie mit Ihrer Beschwerde gegen den Berater mobbenden Leuten im Unternehmen Rechtfertigung geben, ihren Kollegen bei der Geschäftsführung hinzuhängen. -> Der im Weg ist, weil er z.B. gegen ihre illegalen Quoten kämpft. Übersehen Sie nie, was Sie als Verbraucher anrichten können, und bilden Sie sich nicht ein, im Recht zu sein, nur weil irgendein Vorteil erheischbar scheint und irgendwelche hetzende Werbung 'das' doch so vormacht, als sei es ok. 'Einfache' Lösungen gibt es nicht.
  2. gehn Sie keine Junkverträge ein (Gewinnspiele, billige Supermarktacquiesen etc.)
  3. lesen Sie immer die AGBs und das Kleingedruckte
  4. Durchstreichen von Passagen des Vertrags muß ausdrücklich darin erlaubt sein, um rechtlich bindend zu wirken
  5. werden Sie Ihrer Verantwortung als Verbraucher auch wirklich gerecht, statt mitunter rumzuschrein: beschweren Sie sich ggf. beim Unternehmen (stellen Sie sicher, daß auch eine Antwort kommt) oder der IHK per gepflegtem Brief.
  6. sagen Sie ggf. Ihren Kindern, daß Sie absolut nicht akzeptieren, wenn die Ihren Namen irgendwo eintragen, und sehr böse sind, wenn es geschieht
  7. kurzum: handeln Sie verantwortungsvoll. 99% aller als 'Terroranrufe' empfundenen Calls fußen auf eigenem Konsumverhalten, indem günstige Preise auf Marketingpauschalen basieren (Ihre Telefonnummer verkauft werden kann, und Sie eben dafür einen Preisvorteil erhalten). meiden Sie Gierhammelangebote
  8. notieren Sie den Namen jedes Telefonisten, mit dem Sie sprechen. Seien Sie aber vorsichtig vor Schlüssen über diesen Mitarbeiter, und erkennen Sie, wenn er Ihnen helfen will. Jemand, der Ihnen den Schriftweg empfiehlt und bemerkt, daß Ihnen zur Sicherheit frei stünde, per Einschreiben zu senden, meint es gut mit Ihnen, er vertröstet Sie nicht.

[info]not_really_goth

für Ärzte und besonders unverdient frequentierte Berufsgruppen

  1. der beste Schutz vor Telefonspam ist, Gespräche mit verdeckter Rufnummer kritischer zu prüfen vorm Durchstellen, damit Sie aus den illegal erstellten Verteilern kommen (deren Nummern nur mit Rufnummernunterdrückung kontaktet werden)
  2. fragen Sie genau nach, welches Unternehmen, wo, direkt beim Anbieter, dessen Dienste verkauft werden (oder Outsourcing), wie im Detail sie auf Sie kommen, etc.. (typische Ausflüchte sind, daß man auf Sie wegen einer Präsentation, eines Vortrags und Desgleichen auf sie aufmerksam geworden sei, oder es sehr wichtig wäre/"meinen Sie das verantworten zu können, mich nicht durchzustellen")
  3. teils sind es große Konzerne, die z.B. Apotheken beharken, bei welchen ihre neuen Vertreter nicht punkten konnten, nachdem der teurere Support abgeholzt wurde. sie bestellen dann unter übertriebenen Absatzversprechen externe Center, die Sie zuspammen, bis Sie irgendwas kaufen. lassen Sie sich vom renommierten Namen nicht blenden. kaufen Sie nicht einfach, weil es sich günstig anhört oder dieser Name so bekannt ist.
  4. drohen Sie durchaus am Telefon mit Rechtsanwalt, wenn Sie fordern, aus dem Verteiler gestrichen zu werden. Sie geben damit dem Telefonisten (der Ihnen vllt. Gutes will) Legitimation, die Streichung auch vorzunehmen. wenn Sie Glück haben, sind Sie unter den ersten 5 dies es tun, sodaß der Telefonist sie rausnimmt (es gibt oft interne Quoten wieviel einzelne Telefonisten löschen dürfen)
  5. verstimmt? notieren Sie Nummer, Firmennamen und Anschrift. Sie können sich über die IHK erkundigen nach den Datenschutzbeauftragten der Regierung Ihrer Region, und eine Beschwerde dorthin richten, doch bringt es in der Regel mehr, Unternehmen in deren Name extern telefoniert wird anzuschreiben.

[info]not_really_goth

IT-Outboundgeschäft & Spannungsfeld QC

(reine Geschäftstelefonie/B2B, einfach gehalten)


In unserem Geschäft dreht sich alles um die Erzielung von Verkaufskontakten (sog. 'Leads'), das sind Kontakte, die zielführend sind für den Verkauf eines Produkts. Salopp gesagt: Wir fädeln für Firmen, meist per telefonischer Kaltacquise, durch geschicktes Antelefonieren von IT-Fachabteilungen Deals ein, und öffnen 'IT-Vertretern' die Türen. Ein solcher Kontakt wird (im Rahmen des zwischen Auftraggeber und Callcenter bestehenden Vertrags) weiterverkauft, davon leben Callcenter. Zum Teil entrichten Dienstleister hunderte von Euros etwa für einen Präsentationstermin beim potenziellen Kunden. Corporations bedienen den Markt meist nicht direkt, sondern über sog. 'Partner-Netzwerke'. Die Partner (kleine Softwareschmieden bzw. ISVs) zahlen für die Partnerschaft Geld, wofür sie im Gegenzug vom Hersteller Leads erhalten.

Ein Lead muß gewissen Anforderungen genügen, die vorab vertraglich fixiert sind. Der Bedarf des antelefonierten Unternehmens soll zwecks Gewährleistung der anvisierten Quartalsergebnisse in einem bestimmten Zeitrahmen zum Kauf des eigenen Produktes führen (meist < 1 Jahr). Daneben muß auch ein wirklicher Bedarf bestehn, der zur Angebotspalette desjenigen paßt, für den Sie telefonieren. Aufgabe eines quality checks ist nun, fehlerhafte Leads aufzufinden und ggf. nachzuqualifizieren, d.h. Sie machen einen Kontrollanruf beim potenziellen Kunden, was im günstigsten Fall das Lead erhält. Ein fehlerhaftes oder 'gefaketes' Lead würde so aussehen, daß etwa Consumer-Produkte (vgl. Mediamarkt, Shareware) als Unternehmenslösungen deklariert wurden, die Anschaffungszeiträume in Wirklichkeit länger sind als vorgegeben, oder daß der Kunde nur Infomaterial wollte, aber keinen weiteren Kontakt bzw. auch keinen Bedarf hat. Das grundsätzliche Problem bei Qualitätschecks (kurz: QC) ist, daß heutzutage der Vertrieb oft keinen Kontakt mehr zur Acquise hat und somit auch keine Möglichkeit der Rückmeldung; das Standing genauer checks durchführender Mitarbeiter ist bei gleichzeitigem Quotendruck deswegen zuweilen sehr schwierig, wenn Manager fürchten, daß Genauigkeit (scheinbare) Erfolgsquoten relativiert. Im Fall eines durchgelassenen, fehlerhaften Verkaufskontakts wird der endgültige Abnehmer, der für diesen Kontakt bezahlt, geschädigt. Betrug ist sehr einfach, weil häufig durch verspätetes Bereitstellen der Leads vertraglich fixierte Rejection-Zeiträume überschritten werden.


hier Beispiele von typischen Lead-Stilblüten, tief blicken lassend:

'Kundenfrakturierung'
"Die wollen was mit irgendeinem sogenannten 'Source-Code'?!"
"Es handelt sich dabei laut Herrn [...] um eine 'Be-to-Be'-Lösung!!!!!"
"Gewünscht wird eine professionelle ERP-Lösung wie MS Office, wenn wir Microsoft da schlagen könnten."


(2006f., Korrekturen zirka bis 05/2008)

[info]not_really_goth

Callcenter-Gedicht

So empfinden viele Callcenter-Agenten in den üblen Schuppen die es gibt, wenn sie täglich zigmal am Telefon beleidigt werden, und ihre Teammanager etwas unsensibel sagen "unsere Kunden sind doch lieb".


Smile........

Wir suchen den idealen Inbound-Kundenberater am Telefon
der immer lächelt
sich 50x am Tag beleidigen läßt
von Hüpferkunden
welche akquiriert irgendwo, durch dumme Werbung gierig gemacht
unterm Geizlüge-Versprechen, etwas geschenkt zu kriegen
das schmeichelte

begeistern Sie ihn für die Wahrheit
daß er was zahlen soll
konkurrieren Sie motiviert
mit den Quoten unserer Kaltacquise
die Kunden im Urlaub Verträge notiert
während die nichtsahnend auf Mallorca sitzen
den Widerruf versäumen, dann rumschrei'n

erklären Sie Depperten
daß man Verträge per Brief kündigen muß
was die heut eh nimmer wissen oder akzeptieren
'ich kenn meine Rechte, Sie Schwein!!'
auf daß die sich über Sie beschweren
und wir Sie dadurch in der Hand haben,
feuern können, wenn Sie nicht dichthalten
denn welcher Richter prüft heut noch...

Ja, wir wollen Sie, der
Sie am Telefon tapfer lächeln bis zur Selbstverleugnung
versprüh'n Sie diesen unverwechselbaren Charme
Everybody's Darling = Sie als Arschloch
für wenige Monate
abzufackeln auf ein Vielfaches Ihrer Leistung
bis Sie ausgebrannt sind
dann kündigen wir Sie nach Hartz IV
oder nach 2 Wochen wenn Sie nicht wollen

Ihr billiger Outsourcing Dienstleister
der zeigt, wie einfach man kleine Preise macht

May 2012

S M T W T F S
  12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728293031  

Page Summary

Syndicate

RSS Atom
Powered by LiveJournal.com